Allein Leben - Paradies oder Hölle?

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Nochmals zur Klarstellung: Es sind MEINE Gedanken, Überlegungen, Ideen, Schlussfolgerungen….! Insofern muss die Überschrift jeder für sich bewerten. Bei mir dürften (grobe Schätzung) 85:15% zu Gunsten "allein leben" rauskommen. Allerdings bedeutet das nicht, dass diese 15% -leider- durchaus schwerwiegende Auswirkungen haben können. Gerade den von mir so sehr ersehnten Umzug weg aus Berlin, möchte ich nicht allein durchführen. Neben einigen anderen, ein weiteres Dilemma den Umzug betreffend.

Was 85% ausmachen? Die Freiheit alles selbst entscheiden zu können. Bei meinem geplanten Ausflug werde ich neben Deutschland drei weitere Länder besuchen. Keine Diskussion, ob die Unterkunft akzeptabel oder nicht ist. Keine Auseinandersetzung welches Restaurant aufgesucht wird oder ob die Speisen schmeckten, der Preis zu teuer, der Service unfreundlich usw. war. Das Märchen von "konstruktiver Austausch" kann stecken bleiben. In Beziehungen verbirgt sich oft ein tiefersitzender Konflikt und bei anderen Begleitern ist man zu höflich, um von der Hölle zu sprechen, wenn das Gegenüber vom Paradies schwärmt. Bei mir allein stellt sich lediglich die Frage, ob es lohnend ist, Kritik oder Lob anzubringen. Das "nur nicht negativ auffallen" hat hier keine Bedeutung.
Mir ist bewusst, dass viele Menschen nie auf die Idee kommen würden, ohne Begleitung (ob Partner oder Freunde) eine Reise, einen Urlaub etc. anzutreten. Aber dann sollten diese Personen auch nicht davon sprechen, wie gerne sie doch allein sind. Wer noch nie eigenständig einen Haushalt führte, weiß nicht, was es bedeutet. Das ist, wie wenn ein Blinder von Farbe spricht.

Das Zusammenleben mit einem anderen Individuum bedingt hohe Kompromissbereitschaft. Im zunehmenden Alter geht diese immer stärker zurück. Das "Gezänk" beginnt oft schon vorm Frühstück. Sicherlich nachvollziehbar, wenn jemand nach dem Aufwachen zuerst mal eine Stunde laut Hip Hop -nicht mit Kopfhörer- abspielt. Neue Gardinen, das Fernsehprogramm, die Ernährung… eine ganze Menge Konfliktpotential. Ganz schlimm wird es beim Thema Sex. Trotz -nach vielen gemeinsamen Jahren- verlorener Leidenschaft: Alter Mann spürt alten Drang. Die Fantasie ist es, was ihn anregt, nicht die Leidenschaft. Leider ist das Verlangen oftmals nur sehr einseitig. Da ist Entlastung durch Self Service -ohne Versteckspiel Bad, Hobbyraum o.ä.- im Singleleben sehr entspannend. Bereits oben erwähnt: Fantasie ist das Entscheidende.

Natürlich hat Zusammenleben auch erhebliche Vorteile. Bestimmte Sachen sind -aus meiner Sicht- zu zweit schöner. Besonders wenn es ein offener Meinungsaustausch ist und keiner Opportunist spielt. Ein gemeinsamer Opernbesuch wird zelebriert. Allein genieße ich das Stück zwar durchaus, doch es ist mehr Routine, ein "abspielen". Nur wenigen Paaren gelingt im Laufe der Jahre eine Harmonie, ein Zusammenwachsen herzustellen. Mein Eindruck ist, es "plätschert" so dahin. Nebeneinander nicht miteinander ist angesagt. Im schlimmeren Fall kann man von "allein zu zweit" sprechen. Genau das will ich nicht!
So eine Verbindung lähmt das Leben, anstatt es anzutreiben. Dennoch erlaubt man sich gegenseitig keine freie Entfaltung. Neid, Eifersucht, Frust etc. dem anderen zu gönnen, was man selbst nicht hat, das geht keinesfalls. Eine Trennung / Scheidung funktioniert aber auch nicht. Zuviel wurde gemeinsam angeschafft, leider ohne Gütertrennung bei der Eheschließung.
Das Argument "Pflege, Hilfe, Unterstützung" wenn etwas passiert, zieht bei mir nicht. Zu oft sah ich als Seniorenschutzbundvorsitzender das krasse Gegenteil. Meine große Hoffnung ist, dass mir im Notfall gelingt a) die Türe zu öffnen, b) den Notruf abzusetzen.

Mein Fazit ist: Größtenteils fühle ich mich wohl mit dem Alleinsein. Einsamkeit ist bisher kein Thema. Kontaktfreudig genug um -zumindest bis jetzt- überall Menschen kennenzulernen sollte reichen. Hier ist "smalltalk" ausreichend, da es nicht von Dauer ist. Solange meine Interessen noch breitgefächert sind, habe ich keine Angst, an Langeweile zu verenden. Genauso ist meine Empathie ausgeprägt genug, mich in andere Menschen hineinzudenken und deren Ansinnen nach Gemeinsamkeit zu verstehen. Schön wäre, wenn jeder wirklich das umsetzen kann, was er/sie sich wünscht.
Wie es der Zufall wollte, traf ich heute einen bekannten Gastwirt. Wir unterhielten uns, kamen auf Freunde und dann auf "Alleinsein" zu sprechen. Der Spruch des Tages stammt von ihm:
   "Wer glücklich leben will, muss allein leben."
Hätte ich niemals von ihm erwartet. Verheiratet, Enkelkinder und aus einem Kulturkreis stammend, in welchem Ehe / Familie einen hohen Stellenwert besitzt. Schon immer mein Spruch: Man kann nicht in einen Menschen hineinblicken.

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