Peter "da Bäääda" Alexander Christerer

Hochdruck

Vom Metzgerbub zum Geheimagenten.

60 Jahre Erinnerungen   Zuletzt 12. April 2026: Prolog

1960 - 1980 1981 - 2000 2001 - 2020
01 Vorwort
02 Prolog
03 Da kloane Bäääda ist gelandet
04 Onkel Hugo und der große Hunger




nach oben worüber i nachdenk Datenschutz

Vorwort


Beitrag vorlesen (2:25 Minuten)

Irgendwann ist es so weit, dass man begreift: Das Leben ist endlich! Ob es Tage, Jahre, Jahrzehnte… dauert, bis ich den letzten Weg nach oben, unten oder ins Nirgendwo nehme, weiß ich nicht. Doch ich finde es ist an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen, ob es den "Hype" wert war, den unsere Gesellschaft heutzutage veranstaltet. Gab es genügend "Events", ausreichend "Spaß", eine vernünftige "Work-Life-Balance"?

Um das beurteilen zu können muss man -nach meiner Meinung- eine ehrliche Bestandsaufnahme durchführen. Genau das mache ich jetzt und stelle sie mir selbst zur Verfügung. Außenstehende dürfen es aber genauso zur Kenntnis nehmen und mich vielleicht in einem noch schlechteren Licht sehen oder doch sagen: "A Hund war a scho". Ganz ehrlich: Das kann jeder halten wie er will, denn ein Motto von mir war stets: "I don't care! I don't give a damn, I don't give a fuck!"
Viel zu viele Menschen sind ständig damit beschäftigt, sich für das, was sie tun (oder auch nicht) zu entschuldigen. Nööö, das liegt mir nicht. Wer weiß schon was aus mir oder meinem Leben geworden wäre, wenn ich mich ständig nach Anderen gerichtet hätte.

Auf den nächsten paar Seiten werde ich ungeschönt mein Leben darlegen. Sollte jemand mit manchen Darstellungen ein Problem haben, darf er es gerne behalten, ist ja schließlich seins! Die Ausführungen entsprechen nach bestem Wissen und Gewissen der Wahrheit. Es wäre nur noch dämlich, sich bei seinem "Lebensfazit" selbst zu belügen.
Eine maximal pigmentierte Ex-Freundin brachte es innerhalb einer Diskussion voll auf den Punkt: "Peter ich kann den ganzen Tag lügen, bis sich die Balken biegen, doch in der Nacht im Bett bin ich mit meinem Kopfkissen allein. Diese Tränen kann ich nicht leugnen." Yooo, so is es. Wer auch immer das G'schreibsl liest, für Kritik -so lange es sachlich bleibt- bin ich sehr empfänglich und würde mich freuen, die Meinung anderer Menschen zu hören. Langweilig sollte es nicht werden, obwohl ich manche meiner Erlebnisse beim BND und Berliner Nachtleben nicht veröffentlichen werde. Trotzdem dürfte einiges ungewöhnlich sein.

Entspannte Kurzweiligkeit wünscht Euch da Bäääda

nach oben worüber i nachdenk Datenschutz

Prolog

Beitrag vorlesen (4 Minuten)
Donnerstag, 21. Dezember 1995. Ich war in Eile. Wie so oft lief mir die Zeit im angesagten Computerladen "Vobis" nahe dem Münchner Hauptbahnhof davon. Auf den letzten Drücker musste ein Weihnachtsgeschenk für meinen Schwiegervater in spe besorgt werden. Ein Epson Tintenstrahldrucker der neuesten Generation. Um die nächste U-Bahn zu erreichen, gab ich richtig Gas. Die Verabredung mit meiner damaligen Freundin, späteren Ehefrau, heutigen Ex-Frau war mir wichtig. Wir freuten uns auf einen gemütlichen "Kellerschänke" Abend im Restaurant des bekannten Schauspielers Sepp Schauer. Er war unser Freund und Gastwirt.

18:12h verließ ich das Geschäft und rannte zur U-Bahnstation. 4 Minuten später war ich tot. Ich wurde zweimal geboren. Zuerst als süßes Baby im April 1960 in München. Dann als ausgewachsener Mann mit 35 Jahren auf der Intensivstation des Krankenhauses München-Pasing.
Mehr als ein viertel Jahrhundert später lege ich markante Erlebnisse meines Lebens dar. Weil ich ein Leben hatte, habe ich etwas zu erzählen. Um klarzustellen: Das Schreiben ist nicht gedacht, um mich besser zu fühlen oder nachträglich etwas zu rechtfertigen. Aber es erleichtert mein Verständnis für mich selbst, sowie es hilft, die Vergangenheit zu begreifen.

Ihr werdet keine umfassende Chronik von Christi Geburt bis heute erfahren. Ihr werdet auch kein Register von A bis Z zu lesen bekommen. Es ist die Geschichte eines Mannes, der begriffen hat, dass man das Leben nur rückwärts verstehen kann, es aber vorwärts leben muss. Diese Welt mit ihren vielfältigen Möglichkeiten ist fabelhaft! Selbst wenn es nicht immer danach aussieht und Gott manchmal einen harten rechten Haken raushaut.
Es gab Ereignisse in meinem bisherigen Leben, die mich an den Rand der Verzweiflung brachten, die mich ans Aufgeben denken ließen. Ihr werdet traurige, lustige, skurrile, spannende Episoden aus meinem Leben erfahren. Alles geschah tatsächlich, nichts ist beschönigt oder stellt mich "geschminkt" dar. Ob "big chief" ganz oben oder "bad guy" ganz unten, einer der beiden wird sein Urteil über mich fällen.

Das Verwerflichste an Autobiographien ist für mich, dass das Dargelegte zu häufig in einen manipulierenden Dunst gehüllt wird. Wer nicht den Mut hat -wenn er über sich selbst schreibt- auf jegliche abschirmende Ebene zu verzichten, sollte gar nicht erst starten, sein Innerstes zu Papier zu bringen. Eine Selbstbeschreibung, die Wohlwollen mit ihrem Verfasser zu erzeugen versucht, ist keine. Es gibt nicht ernsthaft genug Menschen, dessen Inneres tatsächlich liebenswert ist. Doch selbst wenn euch manche Worte abstoßen werden und ihr mich wegen einiger Absätze ablehnen werdet, weiß ich dennoch, dass ihr meine Story weiterverfolgen werdet. Ihr seid nun mal, was ihr seid: Menschen und somit neugierig!

Im Buch kommt es nicht ausdrücklich vor, deshalb erwähne ich es hier: Als Ur-Bayer und Mann im fortgeschrittenen Alter, nehme ich am Gender-Wahn schlicht und ergreifend nicht teil. Männlich, weiblich oder irgendetwas anderes wird es schon sein. Hauptsache der Leser versteht mein Geschreibsl.

Noch etwas: Über die lebenden Mitglieder meiner Familie schreibe ich wenig. Familieninterna heißen so, weil sie intern bleiben sollen.

Gute Unterhaltung wünscht euch Peter "Bäääda" Christerer

nach oben worüber i nachdenk Datenschutz

Kapitel I ~ Frühling
Da kloane Bäääda ist gelandet


Beitrag vorlesen (3:26 Minuten)

Mein Name ist Peter Alexander Christerer, geboren 1960 am Palmsonntag in München, Deutschland. Zwei Brüder erblickten vor mir das Licht der Welt. Der Älteste heißt Otto, geboren im Juni 1953. Ein weiterer Junge wurde im Oktober 1956 als Ludwig getauft. Bis heute bleibt der starke Verdacht, dass Peter Alexander aufgrund einer Schwärmerei meiner Mutter für einen Mega-Schlagerstar dieser Zeit zustande kam. Trotz mancher Ereignisse, auf die jeder zu 100% verzichten kann, es war eine schöne Zeit. Sicher gab es hin und wieder Stress mit den Eltern, meine Brüder nervten mich zur Genüge, doch wuchs ich in einer Familie auf, die ich liebte und mich geliebt fühlte.

Umgeben von Münchner Dom, Rathaus, Kirche St. Peter ("Alter Peter" ein Münchner Wahrzeichen) verbrachte ich meine ersten Jahre in der Hochbrückenstraße 8. Die Wohnverhältnisse im Herzen dieser wunderschönen Stadt, waren etwas beengt. 15 Jahre nach Ende des entsetzlichen 2. Weltkrieges war das nicht außergewöhnlich. Die Wohnung bestand aus einem Flur, einem Alkoven, einer Kammer, einer Küche sowie einem Schlafzimmer. Die Toilette befand sich außerhalb der Behausung im Zwischengeschoss des Gebäudes.
Die nicht gerade riesige Unterkunft bewohnte außer mir, Mutter Marianne, Vater Otto, Oma Reichardt, Onkel Hugo, Otto ("Burschi") und Ludwig ("Wiggerl"). Mein Vater -ein rechtschaffender Metzgermeister- war von früh bis spät damit beschäftigt, den Lebensunterhalt für die Familie heranzuschaffen. Onkel Hugo arbeitete in München-Thalkirchen bei einer Fabrik für Fette wie Schmalz, Butterfett, Margarine. Mutter half in unserer Metzgerei tatkräftig mit.

Das Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg zeigte Wirkung. Deutschland blühte auf. In den 1960ern war Bayern noch reines Agrarland, somit eines der ärmsten Bundesländer. Laptop und Lederhose begann erst später. München hingegen war schon immer eine "reiche" Stadt. Das Rathaus ist seit Juli 1948 bis auf eine Ausnahme fest in "roter" Hand. Das Soziale wurde großgeschrieben, überall an den Randbezirken wuchsen Neubausiedlungen aus dem Boden. Überwiegend wurden die Wohnhäuser staatlich gefördert. Dann galt für 20-30 Jahre eine Preisbindung nach sozialen Gesichtspunkten.
Gerüchten zufolge nutzte Oma Reichardt ihre guten Beziehungen. Möglicherweise wurde deshalb der Antrag für eine schöne 5-Zimmer Wohnung in Fürstenried West etwas beschleunigt bearbeitet und bewilligt. Die Berechtigung stand außer Zweifel, die Wohnsituation an der Hochbrückenstraße war selbst für damalige Verhältnisse nicht mehr tragbar. 1963 erfolgte der Umzug zum Münchner Stadtrand. Dort fühlte ich mich von Anfang an sehr wohl.

nach oben worüber i nachdenk Datenschutz

Onkel Hugo und der große Hunger


Beitrag vorlesen (2:19 Minuten)

Hugo war das, was man damals wie heute "Lieblingsonkel" nennt. Öfters überraschte er uns mit kleinen Geschenken, zudem war Hugo stets zu Schabernack aufgelegt. Ein Manko war jedoch seine Ungeduld, was die Nahrungsaufnahme betraf. Kam das Essen nicht pünktlich auf den Tisch, wurde er ziemlich wütend.
Mein Bruder Otto erzählte mir folgende Geschichte, sie beschreibt Onkel Hugo zu 100%. Oma (mütterlicherseits) Reichardt versorgte den Haushalt, gab auf die Kinder acht, erledigte Einkäufe, kochte usw. Gegessen wurde zu unterschiedlichen Zeiten, nur am Sonntag waren meist alle zur selben Zeit zuhause.

Sehr aktiv in Kirchenangelegenheiten und gut vernetzt mit zahlreichen Kirchenoberhäuptern, pflegte sie einen Gesprächskreis katholischer Frauen. Eines dieser Mitglieder besuchte Oma regelmäßig am Donnerstagnachmittag. Waren die beiden Damen zu intensiv ins Gespräch vertieft, geriet Onkel Hugo ins Hintertreffen. Dieser kam müde nach Hause, sah die Kirchenfrau, schon rauschte seine Stimmung im Bruchteil einer Sekunde auf Halbmast.
Zwar wusste Oma, was die Uhr geschlagen hat, doch das Gespräch abrupt zu beenden, stand nicht zur Debatte. Die Frau hingegen erkannte den Ernst der Situation nicht und plapperte munter weiter. Grummelnd, mit ansteigendem Ärger, begab sich Hugo zu seinem Alkoven. Einmal platzte ihm der Kragen. Er rief Otto, dieser war etwa 3 Jahre alt, zu sich. Hugo drückte ihm ein Marmeladen Messer in die Hand und schickte ihn mit der Auflage nur ein Wort zu sagen, zur Küche.

Der kleine Bub marschierte mit hoch erhobenem Messer zur Küche und sagte immer wiederholend: "abstechen, abstechen, abstechen…". Glücklicherweise verstand ihn die Frau im Gegensatz zu Oma nicht. Eine Verabschiedung erfolgte nun umgehend. Ob es nachhaltig Wirkung zeigte, ist mir nicht bekannt.
Unleugbar steht fest: Zwischen Onkel Hugo und mir besteht eine starke genetische Verwandtschaft.

nach oben worüber i nachdenk Datenschutz