2016-06-23-wutbürger brexitNun wie immer die Wahl in (noch?) Großbritannien ausgehen wird, nach meiner Meinung steckt viel mehr dahinter als nur diese Wahl. Ich denke, dass die allermeisten Bürger innerhalb der EU die Nase voll haben von den Politikern und Medien. Die Heftigkeit mit der dieser Wahlkampf geführt wurde, zeigte deutlich dass Politiker und Medien in ihrer eigenen Welt leben.

Kehren wir zurück nach Deutschland. Natürlich kann und will der einzelne Bürger nicht jedes Detail der hohen Politik kennen. Er ist oftmals damit beschäftigt für sich und seine Familie den Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch er kann sehr wohl Appelle mit dem vergleichen, was er vor seiner eigenen Haustüre erlebt.

Sie sollen ihren „Wohlstand“ teilen

Den „einfachen Menschen“ wird immer wieder gesagt, dass sie ihren „Reichtum“ teilen müssen und dass es „in einer globalisierten Welt“ nicht mehr angeht, dass „ein Teil in Reichtum und Frieden lebt, während andere Regionen in Krieg und Not versinken“.

Wie sollen ein Busfahrer bei den lokalen Verkehrsbetrieben, eine Verkäuferin im Backshop oder eine Friseurin diesen Satz verstehen? Dass sie zu viel verdienen?

Wird die globale Gerechtigkeit erst dann vollendet sein, wenn alle in Krieg und Not leben? Sind wir deswegen so wild entschlossen, die Konflikte dieser Welt nach Deutschland zu importieren?

Den „einfachen Menschen“ wird bewusst, dass sie veralbert werden

Die „einfachen Menschen“, sind rhetorisch nicht so geschult wie die Verfasser solcher Ratschläge, aber sie haben ein Bauchgefühl, das ihnen hilft, zwischen „richtig“ und „falsch“ zu unterscheiden. Oder zumindest zwischen „glaubwürdig“ und „daher gelabert“.

Und wenn sie dann z.B. hören, die Zuwanderung sei „eine Bereicherung für unser Land“, wird ihnen bewusst, dass sie veralbert werden. Sie mögen es nicht, zu Fremdenfeinden, Nationalisten und Rassisten erklärt zu werden, weil sie nicht den Kopf hinhalten wollen für eine völlig aus dem Ruder gelaufene Einwanderungs- und Verteilungspolitik.

Und sie schätzen es nicht, von Sigmar Gabriel als „Pack“ beschimpft zu werden, der in einem seiner wenigen lichten Momente ein „Sozialpaket für Einheimische“ fordert und diese Forderung damit begründet, „der Eindruck, wir würden unsere eigenen Bürger vergessen“, dürfe sich „nicht festsetzen“. In solchen Momenten wird auch dem letzten arglosen „Bio-Deutschen“ klar, dass der Eindruck, dessen Verfestigung Gabriel verhindern möchte, kein Eindruck, sondern eine eingetretene Tatsache ist.

Die Medien mischen fleißig mit, bei der Veralberung.

Wenn Claus Kleber im „Heute-Journal“ einen Bericht über den Ausgang des Referendums zum bedingungslosen Grundeinkommen in der Schweiz mit den Worten einleitet, es sei „etwas Erstaunliches“ passiert. „Jeder vierte fast der angeblich so konservativen, sparsamen Schweizer, die heute an einer Volksabstimmung teilnahmen, hat für eine utopische Idee gestimmt.“ Erst hinterher erfährt der Zuschauer, dass 77 Prozent der Schweizer gegen die Initiative gestimmt haben.

Diese Art der kosmetischen Aufhübschung der Wirklichkeit findet man auch bei den Privaten. Zum Beispiel, wenn ein Feuer in einer Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft, bei dem Dutzende von Menschen verletzt wurden, umständehalber herabgestuft wird. Es habe sich zwar bestätigt, „dass der Brand ‚von innen‘ gelegt wurde. Aber: Immer noch die überwiegende Mehrheit der Männer, die in dieser alten Messehalle untergebracht waren, hat dieses Feuer nicht gelegt„. Das ist endlich einmal eine gute Nachricht, die nur die Frage aufwirft, für wie blöd manche Journalisten ihre Leser halten. Oder hat man schon mal irgendwo gelesen, die überwiegende Mehrheit derjenigen, die in Sachsen leben, habe sich an den fremdenfeindlichen Protesten nicht beteiligt?

Es wird sich rächen, die „einfachen Menschen“ zu unterschätzen, nur weil es häufig länger dauert, bis der deutsche Michel aufwacht. Das Volk mag die Energiewende nicht bis ins letzte Detail verstanden haben, aber es wundert sich, dass der Strom an der Strombörse immer billiger, für die Verbraucher dagegen immer teurer wird.

Man könnte hier noch sehr viele weitere Beispiele aufführen. Der deutsche Michel möchte einfach, dass die Regierung ihre Hausaufgaben macht und sich um die Belange kümmert, für die sie gewählt wurde und auch bezahlt wird. Denn ich frage mich schon lange auf welchem Planeten z. B: Martin Schulz lebt, der in einem Vortrag behauptet hat: „Was die Flüchtlinge zu uns bringen sei wertvoller als Gold“. Denn: „Es ist der unbeirrbare Glaube an den Traum von Europa.“ Ein Traum, der uns irgendwann verloren gegangen ist. Und Herr Schulz ist nicht der einzige Politiker oder Chefredakteur, dem zu wünschen ist, dass er endlich aus seiner virtuellen Welt zurück in die wirkliche Welt findet.

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