Auch bei diesem spanischem Volksmärchen lohnt es sich nachzudenken. Es fällt zwar schwer heutzutage sich mal Zeit zu nehmen, aber es würde so manchem helfen, die Welt etwas anders zu sehen.

2016-03-28-senora-fortuna-senor-dineroSeñora Fortuna wollte sich indes darüber fast totlachen, und dem Señor Dinero, dessen Gesicht vor Ärger noch gelber ward, als es schon war, blieb nichts übrig, als die Hand noch einmal in die Tasche zu stecken und dem armen Mann eine Unze zu geben, worüber sich dieser so freute, dass ihm die Freude vom Herzen zu den Augen herausstrahlte.

Er ging nun in einen Kaufladen, um Zeug für seine Frau und Kinder zu kaufen. Als er aber mit seiner Unze bezahlen wollte, sagte der Kaufmann, die Unze sei gefälscht, er sei wohl gar selbst ein Falschmünzer, und man werde ihn bei Gerichte verklagen. Der arme Mann wurde darüber so feuerrot vor Scham und Verlegenheit, dass man auf seinem Gesicht hätte Bohnen rösten können. Er ging fort und erzählte Señor Dinero, was ihm begegnet war, dabei liefen ihm immer die Tränen herunter.

Señora Fortuna lachte immer lauter, und Señor Dinero wurde immer ärgerlicher. »Ihr habt wahrlich rechtes Unglücke, sagte er zu dem armen Mann, indem er ihm zweitausend Realen gab, »aber ich werde Euch vorwärts bringen oder meine Macht für verloren geben.«

Der arme Mann entfernte sich und war so außer sich vor Freude, dass er ein paar Räuber, die ihm nachstellten, erst bemerkte, als er sie vor der Nase hatte. Sie zogen ihn aus, nahmen ihm alles weg, was er hatte, und ließen ihn stehen, nackt wie ihn seine Mutter zur Welt gebracht hatte.

Jetzt machte Señora Fortuna ihrem Mann eine lange Nase, und dieser konnte vor Zorn keinen Laut herausbringen. »Nun ist die Reihe an mir«, sagte sie, »und wir werden sehen, wer mehr kann, der Rock oder die Hose.«

Mit diesen Worten näherte sie sich dem armen Mann, der sich auf die Erde geworfen hatte und sich die Haare raufte. Sie pustete ihn bloß an, und in demselben Augenblick sah er neben seinem Fuß den verlorenen Duro. »Etwas ist mehr als nichts«, sagte er zu sich selbst; »kann ich doch meinen Kindern Brot kaufen.«

Als er an dem Kaufladen vorbeikam, rief ihn der Kaufmann und sagte, er möchte ihm doch verzeihen; er habe gemeint, die Unze sei gefälscht; als er sie aber auf der Bank habe prüfen lassen, habe man ihm gesagt, das Gold sei ganz echt und das Gewicht vollkommen; er gebe sie ihm hiermit wieder und schenke ihm obendrein das gekaufte Zeug. Der arme Mann wars zufrieden und zog mit der Unze und dem Zeug weiter. Als er über den Markt ging, begegnete er einer Abteilung Gendarmen, welche die Räuber eingefangen hatten. Der Richter, der ein Richter war, wie es wenige gibt, befahl, dass man dem armen Mann sein Geld zurückgebe, ohne Kosten und Abzug. Der arme Mann wollte darauf das Geld in einer Mine anlegen, und kaum hatte er drei Ellen tief gegraben, als er eine Goldader, eine Silberader und eine Eisenader fand. Bald nannte man ihn Don, darauf Euer Gnaden und schließlich Exzellenz. Seitdem hat Señora Fortuna ihren Mann unter dem Pantoffel und ist ausgelassener, unbeugsamer und kapriziöser als je, und sie fährt fort, ihre Gunst wie der Blinde seine Prügel auszuteilen.

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