2016-05-18-fahrrad kriegDie Temperaturen steigen, die Sonne scheint häufiger und länger und zumindest in Berlin beginnt die nächste Schlacht zwischen Rad- und Autofahrer. Astutuli denkt, dass es nur schwerlich möglich ist, eine NOCH Radfahrer unfreundlichere Stadt als Berlin zu finden.

Deshalb rät Astutuli: Radfahrer fahrt in der Mitte der Fahrspur.

Du wirst weniger eng überholt. Klingt eigentlich paradox. Der Grund ist, dass sich Autofahrende zu einem großen Teil an den Fahrbahnmarkierungen orientieren. Wenn bei zwei Spuren eine besetzt ist, dann wechseln Autofahrende in den allermeisten Fällen die Spur ganz. Wenn es nur eine Fahrspur gibt, dann müssen Autofahrer eben warten, bis die Straße wieder breit genug ist und sie sicher überholen können.

Wenn du hingegen ganz weit rechts, womöglich gar auf einer vorhandenen Parkspur, fährst, sieht es so aus, als ob die Fahrspur »frei« ist oder zumindest noch genug Platz für ein Auto neben dir ist. Dass du dabei fast die Seitenspiegel am Ärmel spüren kannst, bekommt man im Auto gar nicht mit. Wenn du aber signalisierst, dass du die Fahrbahn brauchst, indem du mittig fährst, dann bekommst du die sie in den meisten Fällen ganz für dich alleine. Die Mehrzahl der Autofahrenden wird die Spur wechseln, die Gegenfahrbahn nutzen, um dich zu überholen oder warten, bis wieder ausreichend Platz vorhanden ist. Eigentlich müssen Autofahrende das auch sowieso, denn sie müssen einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5m bis 2m zu Radfahrern einhalten (u.a. OLG Saarbrücken, VerkMitt 1980, 466; OLG Naumburg, VersR 2005, 1601). Wird auf dem Rad ein Kind transportiert, dann sind sogar 2m einzuhalten (OLG Naumburg, VersR 2005, 1601).

Der Nachteil ist natürlich, dass sich einige Autofahrer provoziert fühlen, aggressiv werden, hupen und euch bedrängen. Das nervt. Es ist jedoch besser, als gefährlich dicht überholt oder von einer Autotür erwischt zu werden.

Allerdings, liebe Radfahrer, solltet ihr euch dann schon auch an die Regeln halten! So zwischen den Autos durch zu schlängeln um 10 Sekunden einzusparen, läuft dann auch nicht. Nicht nur auf die Rechte pochen, sondern auch die Pflichten erfüllen.

Was sagt die StVo? Dort heißt es:

Fahrzeuge müssen die Fahrbahnen benutzen, von zwei Fahrbahnen die rechte. Seitenstreifen sind nicht Bestandteil der Fahrbahn.

Es ist möglichst weit rechts zu fahren, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholt werden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit. (StVO §2, Absatz 1 und 2)

Wenn man jetzt noch einbezieht, dass die genannten Abstände ab dem rechten Ende deines Lenkers eingehalten werden müssen, dann bist du ziemlich schnell in der Mitte der Fahrbahn! Rechnen wir das einmal nach: So eine Fahrbahn ist in der Regel 2,75 bis 3,75m breit. Ein Radfahrer ist meist etwa 70cm breit. Somit befindet sich deine linke Körperseite unter Einhaltung der Abstände 1,7 bis 2,2m vom rechten Fahrbahnrand. Links von dir bleiben daher ohnehin nur etwa zwischen 1 und 2m von der Fahrbahn übrig! Herzlich Willkommen in der Mitte der Fahrbahn!

Doch Astutuli rät allen zu mehr Besonnenheit anstatt zur Rechthaberei! Was nützt euch im Recht gewesen zu sein, wenn auf dem Grabstein steht „Aber er hatte Vorfahrt“? Also kommt in Gänge und tretet ein bisschen in die Pedale bei dem Wetter, aber lasst auch die Fußgänger überleben :-).

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