2016-05-14-dick das neue schlankTranslation at the end. – Studie beweist: leicht Übergewichtige leben länger. Etwas zu dick verlängert die Lebenserwartung. Diese und ähnliche Meldungen geistern seit ein paar Tagen durch den Blätterwald und auch durchs „Netz“. Das stimmt so nicht!
Für die im „Journal of American Medical Association“ (Jama) veröffentlichte Studie wurden Daten von mehr als 100.000 Menschen in Dänemark ausgewertet, die in den Jahren 1976 bis 1978, 1991 bis 1994 und von 2003 bis 2013 auf ihre Sterblichkeit untersucht wurden.
Die Studie förderte zu Tage, dass Menschen mit einem BMI von 23,7 in den 70er Jahren am längsten lebten – das entspricht einem Gewicht von 78 Kilogramm bei einer Größe von 1,83. Anfang der 90er Jahre lag der optimale BMI bei 24,6 – das entspricht bei gleicher Körpergröße fünf Kilo mehr. In der Spanne von 2003 bis 2013 legte der optimale BMI sogar auf 27 zu, was bei einer Körpergröße von 1,83 gut 90 Kilogramm entspricht – also zwölf Kilogramm mehr als in den 70ern.
Übergewicht muss neu definiert werden
Die Forscher stellten überdies fest, dass Fettleibige in den 70er Jahren eine höhere Sterblichkeit aufwiesen als Normalgewichtige – seit den 2000er Jahren leben sie aber genau so lange. Aufgrund der Befunde müsse neu definiert werden, wo Übergewicht beginne, sagte Forscher Nordestgaard. Zugleich wies sein Team darauf hin, dass die Gründe noch unklar seien und die Ergebnisse nicht so interpretiert werden sollten, dass Menschen nicht mehr auf gesundeErnährung achten.
So weit so gut, aber falsch und mglw. gefährlich deshalb hier eine Stellungnahme aus dem Ärzteblatt:
Der folgende Text ist sehr lang, daher das Fazit in aller Kürze:
Das Ergebnis ist nicht schlüssig, da die Vergleichskriterien (Kohorten) unterschiedlicher Natur sind. Die Langzeitstudien sind sicherlich aussagekräftiger und zuverlässiger. Also alles beim Alten, Übergewicht verkürzt die Lebensdauer.

Allen Ernstes fordern die Studienautoren aufgrund ihrer Resultate die Weltgesundheitsorganisation WHO auf, ihre Definition von Übergewicht zu überdenken.
Was vor 30 Jahren noch gesundheitsschädlich war, ist jetzt offenbar gesund. Wer sich über diese erstaunlich schnelle Anpassungsfähigkeit der menschlichen Physiologie wundert, sollte jedoch einen tieferen Blick in die Studie werfen – denn möglicherweise erliegen die Autoren nur einem statistischen Effekt.
Unterschiedliche Kohorten verglichen
Die Behauptung, leichtes Übergewicht sei die beste Versicherung gegen einen raschen Tod, ist nicht neu.
Sie beruht zumeist auf kurzfristigen epidemiologischen Untersuchungen und steht im Widerspruch zu anderen Studien, die Personen mit leichtem Übergewicht eine eher ungünstige Prognose bescheinigen.
Die Erklärung für den Widerspruch könnten einige Störfaktoren liefern: So sorgt eine schwere Krankheit häufig für eine Gewichtsabnahme.
Das Risiko, innerhalb von fünf Jahren zu sterben, ist deshalb bei niedrigem BMI vielleicht höher als bei leichtem Übergewicht. Wer nicht krank und sehr alt ist, hat dagegen ein sehr geringes Risiko, in den nächsten paar Jahren zu sterben – weitgehend unabhängig vom BMI.
Längere Zeiträume aussagekräftiger
Aussagekräftiger wären also längere Zeiträume als nur wenige Jahre. Das sollte man auch bei den Resultaten der dänischen Studie berücksichtigen. Denn darin wurden Kohorten mit sehr unterschiedlichen Beobachtungszeiträumen verglichen.
Ein Team um Dr. Shoaib Afzal hatte die Sterberate von zwei Kohorten der Copenhagen City Heart Study und einer Gruppe der Copenhagen General Population Study ausgerechnet.
Die erste Kohorte bestand aus 13.700 Teilnehmern, die erstmals in den Jahren 1976 bis 1978 untersucht worden waren.
Damals waren sie im Median 54 Jahre alt, die allermeisten von ihnen (77 Prozent) sind im Laufe von durchschnittlich 24 Nachbeobachtungsjahren verstorben.
Keine klare Datenlage
Bezogen auf den BMI konnten die Forscher auch in dieser Gruppe eine typische U-Kurve berechnen: Die geringste Mortalität lag bei einem Wert von 23,7.
Zu niedrigeren Werten hin stieg die Sterberate steil an, zu höheren BMI-Werten nahm die Mortalität ebenfalls zu, wenngleich etwas langsamer.
Bei einer zweiten Kohorte aus den Jahren 1991 bis 1993 mit knapp 10.000 Teilnehmern und einem medianen Alter von 61 Jahren sah die Kurve sehr ähnlich aus, allerdings lag das Mortalitätsminimum bei einem BMI von 24,6. Die Nachbeobachtungszeit betrug hier knapp 16 Jahre.
Schließlich zeigte die dritte Kohorte aus den Jahren 2003 bis 2013 mit einem Altersmedian von 58 Jahren ein Minimum der Mortalität bei einem BMI von 27.
Die Beobachtungszeit war mit knapp sechs Jahren allerdings sehr kurz. Berücksichtigt hatten die Studienautoren bei ihren Berechnungen immerhin Faktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Sport und Cholesterinspiegel.
Alles nur Statistik?
Wie lässt sich nun diese Verschiebung erklären? Eine genetische Anpassung ist jedenfalls kaum die Ursache.
Nach Ansicht der Studienautoren hat die bessere medizinische Versorgung mit Herzkreislaufmitteln und Cholesterinsenkern das Sterberisiko von Übergewichtigen reduziert und damit zu dem Shift beigetragen.
Doch das kann allenfalls einen Teil der Verschiebung erklären, nicht aber, weshalb ein leichtes Übergewicht vorteilhaft sein soll.
Klarer wird das Ergebnis, wenn man berücksichtigt, dass in der dritten Kohorte nur rund 5 Prozent, in der ersten aber 77 Prozent im Beobachtungszeitraum gestorben sind.
In der dritten Kohorte sind in den wenigen beobachteten Jahren vermutlich vor allem solche Personen verschieden, die aufgrund einer ernsten Erkrankung einen niedrigen BMI hatten. Das könnte den optimalen BMI zu höheren Werten hin verschoben haben.
Was ist denn jetzt der optimale BMI?
Deutlich wird dies auch in einer zeitlichen Analyse. So sank in der jüngsten Kohorte der „optimale BMI“ bezogen auf die Sterberate mit der Beobachtungsdauer von etwa 28 nach zwei bis drei auf 27 nach zehn Jahren.
Zieht man aus den einzelnen Punkten eine Gerade, so würde diese nach etwas mehr als 20 Jahren Beobachtungsdauer ebenfalls einen optimalen BMI von rund 24 Punkten ergeben – wie in die ersten Kohorte.
Astutulis Fazit: Lasst es euch schmeck oder auch nicht. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und wenn Astutuli jetzt mit 117,5 Jahren anstatt mit 120 Jahren verstirbt, ist er zwar traurig aber er geht das Risiko ein. Denn wer nicht genießt ist ungenießbar!
Schöne Pfingsten allseits.

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