Obwohl es sehr bequem ist, sich die Welt durch eine Glasfaserleitung in die gute Stube zu holen, seh ich mir doch auch gern die reale Welt an.

Mein sehr nah am Arsch der Welt gelegener Wohnort bietet zumindest den Vorteil, dass ich nach einem Gewaltmarsch von 800 m mitten im Wald stehe. Nach weiteren etwa 2,5 km erreiche ich in einer Senke einen kleinen Weiher, eine ehemalige Viehtränke am Waldrand.

Diesen stillen Ort (nein nicht der in meiner Werkstatt, sondern den Weiher) suche ich mindestens 1x wöchentlich auf. Gewöhnlich halte ich mich ca. 30 Minuten dort auf. Aber seit 2014 verweile ich regelmäßig 1 h dort. Warum? Eisvögel haben jenes Habitat für sich entdeckt.

2014 habe ich einen (es mag eine Paar gewesen sein, hab aber immer nur einen gesehen) dort oft besucht und beobachten können. Es war wahrscheinlich ein etwas äDSC_3446lteres Tier, abgebrüht mit guten Jagderfolgen und etwas behäbig im Flug. Ich konnte bis auf 20 m ran und ihn mit meiner (zwischenzeitlich digitalen) Nikon fotografieren. Ich habe ihn im Jan 2015 zwei Tage bevor der Weiher bock
hart für 4 Wochen zufrohr zum letzten mal gesehen.

Man muss wissen, dass Eisvögel nach Bedarf (und Mut) teilweise ziehen und teilweise hier überwintern. Obwohl sie das Wort „Eis“ im Namen tragen ist Eis für sie tödlich, weil sie auf Nahrung aus dem Gewässer angewiesen sind. Ich muss also davon ausgehen, dass dieses wunderschöne Tier, das mir einige kurzweilige Stunden bereitet hat (übrigens bedanke ich mich bei allen Viecherln, die sich mir als Model zur Verfügung stellen, analog zum Indianer, der einen Büffel schießt und verwertet), eingegangen ist.

Umso mehr hat es mich gefreut,
als ich im Spätsommer 2015 ein junges Pärchen Eisvögel am Weiher entdeckte. Aber die beiden sind so scheu und so schnell, ich hab bisher nur unbrauchbare Aufnahmen aus zu großer Entfernung von ihnen. Aber nur sie aus der Entfernung zu beobachten rettet oft meinen Tag. Sie haben einen hochfrequenten Flügelschlag, wenn sie knapp über die
Wasseroberfläche zischen. Das ergibt ein geradezu überirdisches blaue-türkises Schwirren, das leider unter 1/2000 nicht aufzunehmen ist und dazu ist am Weiher zu wenig Licht. Ganz zu schweigen von der Fokussierung und dem Nachführen der Beweg
ung. Oft weiß ich auch nicht wo sie sich gerade verstecken. Wenn ein Spaziergänger oder Reiter kommt, werden sie aufgeschreckt und suchen einen neuen Standort auf. Ich habe meinen Aufenthalt auf max 1h beschränkt, weil sie natürlich auch
mich bemerken und (noch) nicht jagen, so lange ich da bin. Sie sollen sich ja den Wanst mit kleinen Fischen anfressen, damit sie den Winter überstehen.

In diesem Sinne wünsche auch ich allen hier lesenden und schreibenden, dass sie den Winter und natürlich auch Weihnachten gut überstehen.

Und für den Altvogel: r.i.p.