fb-logoDIGITAL EXPERIMENT

Das passiert, wenn Du Dein Facebook-Passwort postest

Ein Facebook-Account mit frei zugänglichem Login: Aus dem profillosen Joe Smith wurde der weit gereiste Maximilien Manning, Fast-Food-Experte, Fan von Haustier-Krematorien – und einer Terrorgruppe.

Was passiert, wenn man einen Facebook-Account in der freien Wildbahn des Internets aussetzt, und Login und Passwort im Netz veröffentlicht? Der US-Journalist und Autor Joe Veix startete am Wochenende das Internet-Experiment, erschuf den Facebook-Account des fiktiven „Joe Smith“ und twitterte die Login-Informationen.

„Eine Weile passierte gar nichts – und dann brach ein Schneeball-Effekt los“,kommentierte Veix seinen Versuch. Da Facebook gleichzeitige Logins von multiplen Online-Anschlüsse erlaubt, probten Hunderte Nutzer in den folgenden Stunden parallel kreatives Chaos. Als erstes bekam Smith den Namen „Maximilien Manning“ verpasst, dann fand der fiktive Manning innerhalb kürzester Zeit Hunderte Freunde, änderte Dutzende Male sein Profil-Bild, bekam als Vater seinen Schöpfer Veix zugeteilt, und entwickelte eine lebhafte, wenn auch nicht ganz realistische Biografie.

Die Nutzer ließen Manning von Ouagadougou nach New Mexico, von Brooklyn nach Bali und weiter nach Boca Raton und schließlich Lincoln, Nebraska, umziehen. Über den Chat redeten die diversen eingeloggten Nutzer allesamt unter demselben Nutzernamen miteinander, und erweckten so den Eindruck einer völlig schizophrenen Person mit multiplen Persönlichkeiten.

Auf einmal war er Taco-Bell-Service-Manager

Die Erwerbsbiografie der Figur veränderte sich ebenfalls rapide. Manning entwickelte eine Karriere als Fastfood-Experte, arbeitete angeblich bei den Fastfood-Ketten Arby’s, Dave&Buster sowie Taco Bell. Schließlich bekam Manning von seinen Nutzern sogar den Job des Kunden-Service-Managers bei Taco Bell verpasst.

Es ist interessant, dass das Experiment auf dem sonst so ordentlichen Facebook sofort zu Anarchie führte, während auf Twitter Missbrauch zum Thema wurde.

Joe Veix

US-Journalist und Autor

Er beantwortete prompt und ganz und gar nicht im Sinne des Unternehmens echte Kundenanfragen von Nutzern auf der Taco-Bell-Facebook-Seite: Auf die Frage eines Kunden nach den Ursprüngen einer neuen scharfen Soße antworteten die Manning-Nutzer, die Soße sei aus Bullenhoden hergestellt und deswegen nicht für Vegetarier geeignet.

Zudem kommentierte der fiktive Manning die Beschwerde einer Kundin, die den Geschmack eines Snacks mit „Müsli, das sechs Stunden lang mit Milch in einer Schüssel war“ verglich, mit: „Das liegt daran, dass die Snacks bei der Herstellung sechs Stunden lang in Milch liegen“ – und wurde prompt ernst genommen. Schließlich verteilten die Manning-Nutzer auch noch wild Facebook-Likes an alle und jeden, unter anderem auch an die Terrorgruppe IS sowie an über 50 verschiedene Haustier-Krematorien.

Joe Veix sah sein Experiment nicht zuletzt auch als Kommentar zu Facebooks umstrittener Klarnamen-Politik – in dem sozialen Netzwerk sind anonyme Konten oder Konten unter falschen Namen nicht erlaubt. „Es ist bemerkenswert, dass Facebook den Account nicht schon früher als Spammer gesperrt hat“, kommentierte Veix den Ausgang des Experiments.