Auch im Zeitalter der digitalen Welt soll es noch Menschen geben, die ein Buch lesen können. Dieses hier ist zum Schmunzeln 🙂

Wie es zur Europatournee der Online-Liebe kam …

Als ich meine Tinder-Liebe Lara aus Leipzig endlich für ein Wochenende nach Berlin locke, mache ich einen entscheidenden Fehler. Ich nehme sie mit auf einen Empfang. Ein Freund begrüßt uns und stelle uns einen Unternehmer vor. Vielleicht Anfang 50, gut gekleidet, sehr charismatisch. Ein Selfmade-Millionär auf der Suche nach neuen Investitionen. So sympathisch er ist, so sehr irritiert mich, wie er meine Begleitung anstarrt.

social_bettworkJonas Grünanger: „Social Bettwork“, riva Verlag, UVP 14,99, ab 13.07.2015 im Handel

Foto: riva

Knapp zehn Minuten dauert die Begegnung, dann noch etwas Small Talk hier und da und tschüss. Anschließend in meine Lieblingsbar, abschließend auf mein Sofa und beim Fernsehgucken Arm in Arm eingeschlafen. Also, ich finde das romantisch.

Wenige Tage später, ich habe frei und sie ist wieder in Leipzig, ruft sie mich an. Das ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise schreiben wir uns nur. Nach ein wenig Vorgeplänkel kommt sie zum Punkt:

„Du erinnerst dich doch an den Mann, der uns bei dem Empfang vorgestellt wurde. Dir ist doch aufgefallen, wie er mich angeguckt hat, und ich sagte zu dir, ich habe das Gefühl, ich kenne den?!“
„Ja!?“
„Also, mir hat das keine Ruhe gelassen, ich hab ihn auf Facebook an- geschrieben und dann haben wir uns getroffen.“
„Oh mein Gott!“
„Ich dachte ja, er wohnt auch in Berlin, aber nein, er kommt aus Leipzig.“
„Toll.“
„Also, ich wollte dir nur sagen, dass ich einen Mann treffe, den ich ziemlich gern mag. Ich finde das nur fair, dir das zu erzählen. Da ist noch nichts gelaufen, aber wir werden uns auf jeden Fall wiedersehen. Tut mir leid, nix Persönliches, blablablablabla …“

Ich habe große Lust, mich zu übergeben. Ich fühle mich wie ein Rind, das sich selbst zur Schlachtbank geführt hat. Monatelanges hartes Buhlen um die Angebetete, und dann geleite ich sie auf direktem Weg in die Arme ihres Freundes in spe …, denke ich, während sie tatsächlich anfängt, von ihm am Telefon zu schwärmen.

Ich finde das verletzend und respektlos. Dann plötzlich:
 „Er hat sich übrigens vor unserem Abendessen über dich informiert, hat er mir erzählt.“ 
Genau, erkunde deine Feinde …!
 „Und was hat er herausgefunden?“

Ich hab ja einiges auf dem Kerbholz, aber ihre Antwort macht mich fassungslos: „Er sagte, du seist ein Hardcore-Schwuler, der sich in den extremsten Läden rumtreibt.“

Gut, dieses Gespräch muss ich nicht weiterführen. Die Olle verknallt sich in einen widerwärtigen Denunzianten. Einen, der mit den schlimmsten Mitteln arbeitet. So hat er es wahrscheinlich auch zu seinen Millionen gebracht. Ich wünsche Lara viel Glück mit ihrem reichen Sachsensack, lege auf und lösche alles, was mich an sie erinnern könnte.

Mein iPhone erlebt eine Säuberungsaktion ungekannten Ausmaßes. Ich hoffe, ich werde sie niemals wiedersehen.

Am nächsten Tag lasse ich mir einen Termin bei meinem Chefredakteur geben. „Was hältst du eigentlich von einer Fortsetzung der Tinder-Serie? Jetzt Europa?“, frage ich ihn. Er zögert nicht eine Sekunde: „Mach es!“

*Bei dem Produkt handelt es sich um eine kommerzielle Kooperation zwischen AS SE und Riva.