Peter Alexander Christerer Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.

Meine Erinnerungen an ein erfülltes und oftmals spannendes Leben

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Kapitel: 1 - 1960-70 2 - 1971-72 3 - 1973-75 4 - 1975-78 5 - 1978-84 6 - 1984-96 7 - 1996-2004 8 - xx-xx 9 - xx-xx 10 - xx-xx

Kapitel 7 Diese Welt ist ein Jahrmarkt! 1996 - 2004 Alle als ---> mp3

Von Beruf Jurist und auch sonst....Teil 1
Von Beruf Jurist und auch sonst....Teil 2
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Nun das 6. Kapitel endete -zumindest aus meiner Sicht- etwas dramatisch, aber ein ganz schlauer Mensch sagte einmal zum Thema Leben: „Es geht weiter!“ Yep, da hat er nichts Falsches gesagt. Deshalb gibt es hier auch ein Kapitel 7. Allerdings gebe ich keine Gewähr auf die richtige Chronologie in diesem Abschnitt, denn das war zeitweise ziemlich kompakt und komplex was da abgegangen ist.
Irgendwann in den späten 1990er Jahren, kam ich durch einen Kollegen an einen sehr bekannten Münchner Rechtsanwalt. Was dann in den folgenden Jahren geschah, überstieg sogar mein Vorstellungsvermögen. Allerdings werde ich weder Namen noch genaue Details nennen, denn dies könnte durchaus zu Schwierigkeiten und Problemen bei mir führen. Darauf verzichte ich gerne.

Zuerst war ich zuständig für die Programmierung von Briefköpfen für die Kanzlei, es gab zwei Teilhaber und ein paar angestellte Rechtsanwälte. Wie es kam weiß ich nicht mehr, doch irgendwann stellten wir fest, dass mein Potential auf einer ganz anderen Weise viel besser zu nutzen ist. So kam es, dass ich plötzlich Geschäftsführer von 3 Immobilienfirmen war. Denn juristische Belange waren für Herrn Professor Dr. …. eher zweitrangig und ich denke auch nicht, dass er dort die größte Kompetenz hatte, im Gegensatz zu manchen der angestellten Anwälte.
Das mit den Immobilien war einer millionenschweren gemeinnützigen Stiftung geschuldet, dessen Vorsitzender auf Lebenszeit der gute Mann war. Alleine was mit der Stiftung getrickst wurde, hätte ausgereicht, um Zellennachbar von Herrn Hoeneß im Gefängnis zu werden. Da wurden beispielsweise Börsen-Analysten oder Vorstände von Privatbanken zu Vorträgen über Finanzinvestments eingeladen und natürlich mit Stiftungsgeldern bezahlt. Nebenbei wurde versucht den meist sehr vermögenden Gästen beizubringen, dass NUR diese Kanzlei fähig ist, vernünftig Erbangelegenheiten zu regeln. Klar, dass auch die Stiftung die exorbitant hohe Miete der Kanzlei bezahlte, schließlich wurde der große Saal für kulturelle Veranstaltungen genutzt, hahaha. Alles furchtbar gemeinnützig, hahaha.

Korrekt hingegen war ein Vortrag, den der Vizepräsident des BND vor erlesenem Publikum hielt. Ursprünglich sollte diesen der Präsident und spätere Staatsekretär Dr. Hanning halten. Doch genau an diesem Tag fand ein Austausch von Leichen zwischen Israel und Palästinensern statt und die Israeli wollten unbedingt Dr. Hanning als Mittler. So kam es, dass der kleine Bäääda als Gastgeber auftrat und die Gäste begrüßen durfte. Da waren schon einige Politgrößen dabei, aber am meisten beeindruckte mich der alte Hans-Jochen Vogel, einer der wenigen SPDler die ich bewundere. Für Spannung sorgte das (von mir gewollte) Aufeinandertreffen des amerikanischen und russischen Generalkonsuls.
Natürlich gestaltete ich die Sitzordnung so, dass sie während des Vortrags nicht direkt nebeneinander saßen, doch ich kann sagen, der anschließende Smalltalk der beiden war sehr kurz und frostig. Nun die Veranstaltung war ein voller Erfolg -nicht nur wegen des exzellenten Büffets- und da ich 4 hochrangige BND Vertreter eingeladen hatte, war das später im Hauptberuf tatsächlich einmal hilfreich.
Die Einladung des russischen Generalkonsuls mit ihm Moskau zu erkunden, lehnte ich freundlich aber bestimmt ab. Dennoch meinte der Vizepräsident des BND mich daran erinnern zu müssen, dass ich nicht vergessen sollte, wer Freund und wer Feind ist.

Viel aufregender hingegen war teilweise das Immobilien Gewerbe. Der Stoff über diese Aktivitäten würde für ganzes Buch ausreichen. Drei exemplarische Vorgänge stelle ich kurz dar.
Der erste handelte von einem 3,4 Millionen teuren Objekt nahe der Donnersbergerbrücke in München. Das Haus selbst gehörte in irgendeiner Art und Weise dem Prof. Ich trat als Verkäufer auf und nahm meinen Ex-Kollegen zu einem Verkaufsgespräch in einem bekannten Münchner Café mit. Der Interessent kam und es entwickelte sich eine erfolgsversprechende Debatte. Als wir uns einig waren, ließ der Typ die Katze aus dem Sack. Er war selbst ein Immobilienmakler und hatte intensive Recherche zu diesem Objekt betrieben. Natürlich konnte er schnell eine Verbindung zum Eigentümer des Gebäudes und der Firma APIS, deren einzelvertretungsberechtigter Geschäftsführer ich war, herstellen. Diese Konstruktion war -jedenfalls zu dieser Zeit- rechtswidrig was die Provision und Maklergebühren anbelangt, und hätte empfindliche Strafen für den Prof. und mich bedeuten können. Eine Einigung mit dem Typen war dann etwas kostspielig und erst nach zähem Verhandeln möglich, aber immerhin ging es straffrei aus.

Für Teil 1 reicht es jetzt und der Rest dieser ganz speziellen Geschäftsverbindung wird in Teil 2 festgehalten.
Es war das übliche Verhalten des „genialen“ Rechtsanwalt, dass er durchaus ALLE Mitarbeiter ins Messer laufen ließ. Ein anderes Mal saß ich gegen 22:00h in der Kanzlei in meinem Büro (ich hatte ja schließlich noch einen Hauptberuf) und bekam mit, dass im Chefsekretariat ein Fax ankam. Obwohl ich weder Angestellter der Kanzlei noch Jurist war, hatte ich Zugang zu nahezu allen Räumen einschließlich Büro vom „Chef“ inkl. Akteneinsicht!
Meine natürliche (berufsbedingte) Neugier ließ mich nachsehen wer um diese Zeit noch ein Fax schickt und ich fiel fast vor Schreck um. Irgendein Gericht im Osten der Republik schickte die letztmalige Erinnerung bis Mitternacht zu einem Rechtsstreit eine abweichende Darstellung kundzutun. Ansonsten wäre die Entschädigung in Höhe eines deutlich 6-stelligen Betrages zu Lasten der Firma APIS Gmbh rechtswirksam. Yooo, Herzchen im Höschen! Glücklicherweise war noch ein RA im Haus und dieser wurde von mir genötigt, eine Kurzstellungnahme zu verfassen, welche ich noch vor Mitternacht an das Gericht faxen konnte. Das war normaler Geschäftsablauf in dieser Kanzlei.

Genau so faszinierend war die Vermietung eines Objektes im Herzen von München. Eine bessere Lage war nicht möglich. Auf drei Etagen hatte ein absoluter Ramschladen das Objekt gemietet. Die 4. und 5. Etage war an Ärzte vermietet. Die Jahresmiete betrug eine „lächerliche“ Million. Der Clou war, dass die hochbetagte Eigentümerin samt ihren Anwälten davon ausging, dass der Mieter eines der größten deutschen Stromunternehmen war. Doch der zuständige Manager erkannte wohl, dass es sich nicht rentieren würde, hier Präsentationsräume einzurichten.
Also spielte er offensichtlich zusammen mit dem Prof (vor meiner Zeit) Immobilienmakler und vermietete es unter an besagten Ramschhändler. Die Provision (langjähriger Vertrag!) bewegte sich deutlich im sechsstelligen Bereich. Allerdings war der Filialleiter nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen und legte sich mit den Ärzten -die ein sehr gutes Verhältnis zur Eigentümerin hatten- an und dann ging es schnell. Als meine zwei Vermittlungsversuche mit dem Typen nichts brachten, wurde die Firma rapide vor die Tür gesetzt.

Jetzt hatte der Manager das Problem, eine irre Miete dem Vorstand zu erklären, denn das Objekt brachte keinerlei Nutzen für den Konzern. Schon ging der Auftrag an mich, möglichst schnell einen „seriösen“ Mieter zu finden. Das war anstrengend aber durchaus interessant. Allein das Exposé war schon ein Schmuckstück und manche Interessenten brachten mich sogar zum Lachen. Einmal traf ich in einem Kaffee einen italienischen Eishersteller, der ein Kaffee einrichten wollte. Der Auftritt war besser als es im Film der Pate dargestellt werden hätte können. Alter Mann mit 2 Bodyguards und leiser eindringlicher Stimme, hahaha. Als ihm klar wurde wieviel Eiskugeln er verkaufen hätte müssen um rentabel zu wirtschaften, zog er gar nicht Don Corleone mäßig wieder ab.
Logisch habe ich es auch meinen geliebten 60er Löwen als Fanshop angeboten. Leider muss ich sagen da war von professionellem Geschäftsverhalten nichts zu merken. Der Roland „Magic“ Kneißl hat halt besser Freistöße schießen können als Merchandising betreiben. Ganz im Gegensatz zu den Roten. Das Gespräch mit Hoeneß und Hopfner war 1a. Dass es nicht geklappt hat, war aus verschiedenen Gründen nachvollziehbar. Hoeneß jedenfalls war richtig sauer, dass das Angebot nicht ein paar Monate früher kam. Denn natürlich hat er sofort erkannt, dass es für den FC Bayern keine bessere Werbung als diesen Standort geben konnte.
Letztendlich hat es ein ganz bekannter Juwelier gemietet und wer dann wen hinsichtlich der Provision über den Tisch zog, ist mir nicht bekannt, denn da hatte ich die Kanzlei schon im Unfrieden verlassen.

Den dritten Immobilienbeitrag schreibe ich lieber doch nicht. 1. kann ich auch hier nicht Ross und Reiter nennen und 2. ist mir das zu gefährlich. Es handelte sich um ein Objekt nahe Garmisch-Partenkirchen, das für über 8 Mio verkauft werden sollte. Es gehörte zum Bestand einer der größten bayrischen (deutschen?) Banken -die später in einen massiven Skandal verwickelt war und von einer italienischen Bankengruppe aufgekauft wurde- und konnte nicht über deren Immobilien-Sparte verkauft werden. Die Problematik war, dass das Objekt im Landschaftsschutzbereich lag und unter Denkmalschutz stand. Die -bereits feststehenden- Interessenten kamen aus einem Riesenreich im Osten. Sie wollten ein Nobelpuff errichten und sich sicher nicht nur um die menschlichen Gelüste der Gäste sorgen. Sondern auch bestimmt ein paar (versteckte) Videoaufnahmen machen wollten. Die Schwierigkeit war nun, die zuständigen Politiker von der Unabdingbarkeit aller Genehmigungen zu überzeugen.
So das reicht zu dieser Sache. Es wird noch ein dritter Teil zum Komplex Rechtsanwalt folgen. Dieser Teil hat aber weniger mit der Kanzlei als solches zu tun, sondern mehr mit den Möglichkeiten, die sich für mich auftaten.