Peter Alexander Christerer Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.

Meine Erinnerungen an ein erfülltes und oftmals spannendes Leben

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Kapitel: 1 - 1960-70 2 - 1971-72 3 - 1973-75 4 - 1975-78 5 - 1978-84 6 - 1984-96 7 - 1996-2004 8 - xx-xx 9 - xx-xx 10 - xx-xx

Kapitel 6 Leben um zu arbeiten, oder arbeiten um zu leben? 1984 - 1996 Alle als ---> mp3

A new star is born - Corinna
Ein bedeutender westlicher Nachrichtendienst
Wenn Eier vom Himmel fallen
Maria Schrott
Ein trauriger Geburtstag
Die große Pleite
Die Welt des Glückspiels
Eine segensreiche Einrichtung
In der Hölle sollst du schmoren, Herr Chirurg!
Der Aufstieg
Scheiden tut weh...
Einmal Löwe, immer Löwe
Die gute Franz Josef
Das ist ja entzückend
Sayonara, time to say goodbye
#k06-01 - A new star is born - Corinnamp3

So lief das Leben seinen sozialistischen Gang und alles war mehr oder weniger "normal", geprägt vom für die Familie Geld verdienen. Ganz so einfach war es nicht als Alleinverdiener, doch frei nach Monaco Franze: "A bisserl wos geht imma", funktionierte es schon. Nicht schön (hier weiß ich allerdings die Jahreszahlen nicht mehr) war, dass sich Herbert arbeitstechnisch für mehrere Jahre nach Afrika verzog. Für ihn freute es mich und dort hat er ja auch mit Christiana die Frau fürs Leben gefunden und zwei coole Jungs gezeugt. Doch hier in Deutschland hinterließ er schon eine Lücke. Im Freundeskreis war das "Flügge" werden auch so ziemlich abgeschlossen. Sehr gut erinnern kann ich mich noch an die superschöne Verlobungsfeier von Robert und Rita in Lofer. Allerdings sind auch hier die genauen Daten im Nirvana verschwunden. Die meisten von uns waren ganz einfach mit dem Auf- und Ausbau einer eigenen Familie beschäftigt.

Auch ich fing zum Nachdenken an. Auf der einen Seite war der Job bei Hacker Pschorr schon in Ordnung, speziell so wie die Tour mittlerweile eingerichtet war. Für einen kleinen, ungebildeten Metzgerbub blieb ganz schön viel vom Diridari in der Tasche, selbst ohne die manchmal etwas windschiefen "Gschäfterl".
Auf der anderen Seite war mir klar, dass das ein Knochenjob war, der ganz fürchterlich auf die Gelenke und nicht nur dorthin geht. Auch wollte ich nicht so enden, wie so mancher altgedienter Bierfahrer, der morgens um 6 schon 3-4 Bier intus hatte. Oder der Kollege, welcher auf "seiner" Stuttgart-Tour immer erst nachmittags fahren konnte, denn da hatte er einen Kasten Export vernichtet.
Doch meine Möglichkeiten einen Job mit genügend Gehalt zu erhalten, um eine Familie in München zu ernähren war bei meiner Qualifikation nicht ganz einfach. Auch wenn ich der Meinung bin, dass damals ein Quali mit abgeschlossener Berufsausbildung mehr Bildung beinhaltete als heute das Abi in Berlin. Egal, was in Deutschland zählt sind die subjektiven Kriterien. Ohne Papier biste nichts und kannste nichts.

Das Projekt neue Arbeit war umso wichtiger, da wir auch die ursprünglichen Pläne der Familienplanung umsetzen wollten. Wir hatten uns entschieden, möglichst junge Eltern sein zu wollen und zwei Jahre nach dem ersten Kind ein Zweites zu zeugen. Somit waren wir im Herbst 1983 schon leicht im Verzug, da Tobias seit November 1981 auf der Welt war. Glücklicherweise hatte ich keinen "Knebelmietvertrag" unterschrieben und konnte auch nach der Kündigung in der Wohnung bleiben.

Ich folgte dem Rat einer nahen Angehörigen und bewarb mich bei "ihrer" Behörde. Allerdings sollte ich mich auf eine längere Wartezeit und eine intensive Überprüfung meiner gesamten Lebensgeschichte vorbereiten. Das verursachte schon etwas Bauchgrummeln und tatsächlich wurde ich im Bewerbungsgespräch auf ein "Versäumnis" im Fragebogen hingewiesen von dem ich annahm, dass es längst gelöscht war und selbst die Polizei hatte darauf keinen Zugriff.

Jedenfalls lief die Sache und wir konnten uns um die Nachwuchsplanung kümmern. Da Angelika weder rauchte noch Alkohol trank und auch ansonsten keine Einschränkungen vorhanden waren, klappte es ziemlich schnell. Irgendwann eröffnete sie mir, dass sie schwanger sei und damit hatten wir ja schon Erfahrung. Soweit ich mich erinnere verlief die Schwangerschaft bis auf Eisenmangel und häufige Übelkeit reibungslos. Nach dem Desaster bei Tobias Geburt (seither bin ich sehr kritisch und vorsichtig was Ärzte anbelangt), war dieses Mal alles klar und der Termin für den Kaiserschnitt stand schon früh fest.
Am 07. September 1984 war es dann soweit: Ein entzückendes Mädchen erblickte das Licht der Welt.

Nach meiner Erinnerung war Corinna ein pflegeleichtes und anschmiegsames Baby. Es tut mir heute außerordentlich weh und leid, dass sich die Familienchronik in eine nicht gewollte Richtung entwickelte. Letztendlich waren Angelika und ich bereits von Beginn an (also schon bei Tobias) hoffnungslos überfordert, wir hätten niemals heiraten und Kinder zeugen dürfen. Ich war definitiv noch viel zu jung und unreif. Aber "man" machte das halt so und "das wird schon".....
Naja vielleicht schreibt Corinna mal IHRE Erinnerungen und sollte ich da noch leben, werde ich sie neugierig lesen. Obwohl mir bewusst ist, dass der überwiegende Teil was mich betrifft nicht positiv sein wird.

Der nächste Beitrag wird sich ausschließlich mit meiner neuen Tätigkeit beschäftigen, auch wenn ich aufgrund der besonderen Behörde vieles verschleiern muss.


Irgendwann nach mehreren Monaten bangen Wartens, -denn schließlich hatte ich bei Hacker-Pschorr schon gekündigt- wurde ich zu einem Gespräch in einem Gebäude nahe dem Münchner Hauptbahnhof eingeladen. Alles hoch konspirativ und geheimnisvoll. Mir gegenüber saßen 3 Männer, wovon allerdings nur einer sprach. Nach einem kurzen Geplänkel sollte ich noch einmal darlegen, warum meine 3 angegebenen Referenzpersonen "Klarkenntnis" von der Behörde hatten. Nun eine davon war mein Onkel, der zu diesem Zeitpunkt als Landtagsabgeordneter auch damit befasst war. Die beiden anderen Polizeibeamte, die sich kringelig lachten, als ich mit der Legende und Standort Pullach ankam. Einer der beiden war sogar in einem der Nachbar-Polizeireviere beschäftigt.

Der zweite Knackpunkt war deutlich heftiger! Urplötzlich eröffnete mir der "zweite" Mann, dass ich vorrübergehend an seiner Dienststelle eingesetzt werden sollte, denn unvorhersehbare Ereignisse hätten dies notwendig gemacht. Nun ich hatte mich als Wachmann für die Zentrale im 24:48 (1 (24Stunden) Tag Arbeit, 2 Tage frei) Schichtdienst beworben und sollte jetzt in einer 12 stündigen Wechselschicht eingesetzt werden. Das wäre jetzt nicht soooo dramatisch gewesen, doch das Gehalt wäre nochmals spürbar reduziert worden und ich hatte ohnehin schon mit Einbußen zu rechnen.
Dies zog mir doch ziemlich den Boden unter den Füßen weg, denn den Äußerungen "es dauert nicht lange", die nächste Neueinstellung löst sie ab" etc. wollte ich nicht so recht Glauben schenken. Also begann ich zu pokern und sagte, dass ich unter diesen Umständen eher nicht an einen Wechsel denke und eventuell die Kündigung bei Hacker rückgängig machen werde. Beim Verlassen flüsterte mir der "Personaler" (die anderen waren 1x Personalrat und 1x eben der Dienststellenleiter) noch schnell zu, dass ich auf meiner Position bestehen soll, der "Dienst" braucht genauso dringend Leute in der Zentrale.

Yooohh kurze Zeit später hatte ich einen Arbeitsvertrag - beginnend am 16. Mai 1984- mit dem Bundesnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings durfte ich damals nicht im "Klartext" über meinen Arbeitgeber sprechen und selbst den Ort meiner Arbeitsstätte sollte ich verheimlichen. Erst Jahrzehnte später wurde diese paranoide, neurotische Haltung aufgegeben und unter Präsident Geiger begann sich der BND etwas mehr in der Öffentlichkeit zu präsentieren und bekam sogar ein vernünftiges "Schild" an der zentralen Einfahrt. Nun durchaus sinnvoll, nachdem ein sehr großer Teil der Legenden -selbst die relativ unbekannten- bereits auf Wikipedia nachzulesen waren.

Über den Sinn und Unsinn dieser Geheimnistuerei möchte ich mich nicht weiter auslassen. Nur so viel nachdem ich in den Jahrzehnten meiner Tätigkeit fast in allen Bereichen tätig war: Es ergibt meines Erachtens durchaus Sinn, dass nur ganz wenige Leute wirklich "verdeckt" mit allem drum und dran eingesetzt werden, aber das muss dann wirklich geheim sein! Warum?
Weil ich viele Jahre später (ohne der Chronologie vorgreifen zu wollen) miterleben durfte, wie in einem "Krisenland" mit Bürgerkrieg ähnlichen Zuständen ein Kommandeur der "Freiheitskämpfer" (so war tatsächlich die politische Sprachregelung für Terroristen) zu einem sehr feinen Menschen, einem hochrangigen Offizier der Bundeswehr sagte: "Keine Sorge, ich finde sie auch in Berlin", nachdem dieser ihn mehrfach in die Enge getrieben hatte. Das war kein Spaß und ist sehr ernst zu nehmen. Von da an wollte ich Klaus H. (dieser ist übrigens für den Titel der Geschichte verantwortlich, er verwandte den Begriff allerdings eher spöttisch) nicht mehr zu solchen Gesprächen einladen, denn das ist kein Arbeitgeber dieser Welt wert.
Zurück zu den Anfängen beim BND. In den drei Jahren, die ich bei der Wache verbrachte, ereignete sich schon ganz schön viel. Unangenehmes genauso wie lustiges oder skurriles. Von den vielen Episoden stelle ich nur drei -über die ich heute oft noch schmunzelnd den Kopf schüttle- kurz vor.

Wir hatten einen Bereichsschutzleiter mit dem Spitznamen "Don Krawallo". Wie der Name vermuten lässt, war das ein "herzensguter" Choleriker und zudem mit einer ganz großen Vorliebe für Training an der Schusswaffe ausgestattet. Irgendwann hatte er durchgesetzt, dass wir ein modernes Schießkino wie beim FBI erhielten und wir sollten nun lernen, wie man in unterschiedlichen Situationen reagiert. Außerdem wurden wir mit dem Umgang verschiedener Waffen geschult. Eines Tages (kurz nach Installation des Schießkinos) war MP Schießen angesagt und das machte ziemlich Spaß, denn die Dinger legten ganz schön los.
So kam es, dass Kollege Andi B den Schussraum betrat, dort befand sich nur noch Don Krawallo, während der Rest der Truppe das Ganze durch eine gepanzerte Scheibe aus dem Nebenraum beobachtete. Andi nimmt die die MP auf und was dann geschah konnte nie rekonstruiert werden. Er steckte ein vollgeladenes Magazin in den Schacht, dreht sich ganz lässig Richtung Zielscheiben und das Inferno brach los. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen war auf Feuerstoß und nicht auf Einzelfeuer gestellt, die MP entsichert und Andi hatte einen nervösen Zeigefinger. Bevor er in seinem Schock den Finger vom Abzug nehmen konnte, ballerte er drauflos, dass es eine wahre Pracht war! Jedenfalls schoss er von der Deckenhalterung bis zum Schießkino alles kurz und klein, während sich Don Krawallo geistesgegenwärtig auf den Boden geworfen hatte. Glück war, dass Andi damals wie heute eher ein Schwergewicht vom Körperbau ist und ihn deshalb der überraschende Rückstoß nicht umgeworfen hat. Jedenfalls war das das Ende des Schießkinos.

Ein anderer, ganz spezieller Kandidat war der "Flori". Dieser hatte wohl finanzielle Schwierigkeiten und musste demnach auch nach den Schichten noch anderswo arbeiten. Eigentlich war Flori immer müde und sehr froh, wenn wir zusammen auf Außenfahrt waren. Denn der Deal war, dass ich die vollen 3 Stunden fuhr und er mich in die Geheimnisse des Kuchenbackens einweiht. Schließlich war er gelernter Bäckergeselle und Konditormeister. Leider ist das alles aus meinem Oberstübchen verschwunden, denn es heißt wieder "Metzger bleib bei deinem Fleisch". Doch zu zweit fuhren wir in der Regel außerhalb der Liegenschaft erst ab 21:00h und so kam es dass Flori an einem schönen Sommertag alleine ums Gelände fuhr. Plötzlich taucht eine Person an der Wachkanzel auf und möchte den Wachgruppenleiter sprechen. Diesem eröffnete der Besucher, dass er es unerhört findet, dass ein Wachmann des BND mit dem Auto auf dem Parkplatz des Trimm dich Pfades steht und bei unverschlossenen Türen und Fenstern schläft und zudem seine Maschinenpistole ungesichert auf dem Beifahrersitz liegen lässt. Als Beweis hatte er das Munitionsmagazin gleich mitgebracht. Yep da kam keine Freude, dafür Bewegung beim Wachgruppenführer auf.
Die nächste Sache von Flori führte dann zu seiner Versetzung in den Bürodienst. Es gab verschiedene Bereiche im Gelände, die zu bestreifen waren. Manche mochte man, manche nicht. Seltsam war, dass sich Flori häufig freiwillig für den langweiligsten aller Bereiche meldete. Doch das hatte seinen Grund. In diesem Bereich waren die allermeisten Dienst-KfZ abgestellt. Wenn Flori dann zwischen 03:00h-05:30h den Bereich abging, war er zusätzlich mit mehreren Benzinkanistern und einem Plastikschlauch bewaffnet. Mit diesem saugte er aus den Dienst-KfZ Benzin ab und füllte damit seine Kanister. Nur einmal beachtete er das 11. Gebot "Du sollst dich nicht erwischen lassen" nicht und fortan war er im Büro tätig.
Das waren noch Zeiten. Heutzutage werden Menschen aus völlig nichtigen Gründen fristlos entlassen.

Dass es im BND nicht zünftig zugegangen ist, das kann man nicht behaupten. Jährlich findet für die ganze Belegschaft ein Sommerfest statt. DAMALS riiiiichtig gut. Mit Bierzelt, Musik, usw., usf. An diesem Tag mussten auch die Hunde im Zwinger bleiben. Doch am nächsten Tag gab es bei der dann tätigen Schicht einen Wettstreit. In dem sehr weitläufigen Gelände gab es viele Nischen und Wege, sogar ein Schwimmbad, einen Park und einen Tennisplatz.
Der Wettstreit ging dahin, dass der Wachmann prämiert wurde, der die größte Anzahl von Utensilien wie Slips, BHs etc. zurückbrachte, die zweifelsohne auf eine etwas ausschweifende Art des Sommerfestes hindeuteten. Nicht übermittelt ist, wieviele Babys 9 Monate später das Licht der Welt erblickten und für wie viele Trennungen/Scheidungen das Sommerfest Anlaß gegeben hat.

So das war der erste Teil zum BND, weitere werden noch folgen. Die nächste Geschichte handelt von einem Ausflug von mir und den Kindern mit einem ziemlich überraschenden Ende.


Der Schichtdienst hatte durchaus Vorteile, insbesondere als die Kinder noch klein waren. Je nach Einteilung der Schicht kam ich relativ erholt nach Hause und hatte dann zwei volle Tage zur Verfügung. Natürlich gab es auch viel zu tun und insbesondere bestanden ja die Verbindungen zu dem Dachauer "Motorradclub" und den geschäftlichen Aktivitäten nach wie vor. Auch waren wir von den Aufträgen von Joschi noch nicht entbunden. Die gaben wir erst auf, als es zu einem ungutem Zuhälterkrieg mit Schusswaffen kam. Das war dann der richtige Zeitpunkt sich zurück zu ziehen.

Aber wie gesagt, es blieb viel Freizeit und wir suchten häufig den Hirschgarten auf. Wenn Angelika dabei war, verzog ich mich meist zu den Schachspielern ansonsten tobten sich die Kinder unter meiner Aufsicht aus. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich Tobias das Fahrradfahren beibrachte. Beeindruckend wie oft er es immer und immer wieder versuchte. Er gab trotz mehrere Stürze (natürlich auf eine Wiese) nicht auf und war so glücklich, als er den Bogen raus hatte. Corinna hingegen ist mir als wagemutig und risikofreudig in Erinnerung. Eines Tages besuchten wir meinen Bruder Max in St. Ottilien. Ich denke er war dort zur Berufsausbildung. Nach meiner Erinnerung waren auch Gerhard G. und Günter R mit dabei. Jedenfalls war Corinna zu der Zeit begeisterte 3-Radfahrerin und deshalb mussten wir es mitnehmen. Max führte uns innerhalb des Klosters umher und wie es halt so ist, quasselten die Erwachsenen und keiner achtete auf Corinna.

Diese war völlig unbekümmert losgedüst. Das Problem war nur, dass es eine abschüssige Straße war und Corinna immer schneller wurde, ohne selbst treten zu müssen. Als wir es bemerkten, war sie etwa in der Hälfte des relativ langen Weges angekommen und man sah, dass es nicht gut enden würde. Corinna hatte die Füße zur Seite gestreckt und das Dreirad hatte eine atemberaubende Geschwindigkeit. Die hatte ich dann auch, als ich aus dem Stand eine Beschleunigung hinlegte, bei der selbst Usain Bolt Schwierigkeiten gehabt hätte mitzuhalten. Das war auch notwendig, denn in allerletzter Sekunde, gerade als das Dreirad kippte, erreichte ich Corinna, die bereits im Fallen begriffen war, konnte sie an einem Oberarm fassen und nach oben reißen. Das war Glück, denn ein Sturz hätte viel Aua verursacht.

Zurück zum Hirschgarten. Eines Tages waren Tobias, Corinna und ich wieder einmal im Hirschgarten ohne Angelika. Alles easy, bis sich urplötzlich der Himmel seltsam färbte. Es war so eine Mischung aus tiefschwarz und hellgelb. Als auch noch Wind aufkam, packte ich die Kinder ein und wir begaben uns zum Parkplatz hinter dem Park. Gerade als wir in die Wotanstraße einbogen und Richtung Fürstenrieder Straße fuhren, platschte der erste fette Tropfen auf die Windschutzscheibe. Und 10 Sekunden später brach die Hölle los. Ein unvorstellbarer Starkregen begann und dann wurden wir mit Eiern verkleidet als Hagelkörner bombardiert. Meine Idee war, es noch in die Laimer Unterführung zu schaffen und dort zu warten, bis wenigstens der Hagel vorbei war. Es gelang mir auch, doch die Idee hatten auch andere.

Schnell war die Unterführung gefüllt mit Autos und es gab kein vor und zurück mehr. Es war eine schlechte Idee! Von beiden Seiten schoss das Wasser wie ein Sturzbach in den Tunnel und die riesigen Hagelkörner machten in Sekunden den Gulli dicht. Es war gespenstisch. Man hörte das Unwetter mit gewaltigem Donner draußen toben und im Tunnel entwickelte sich das Rauschen des Wassers zu einem ziemlichen Lärm. Die Kinder hatten Panik in den Augen und waren total verängstigt. Das verschlimmerte sich noch -und das war auch der Zeitpunkt, als bei mir die Nervosität ins Unermessliche stieg- als plötzlich eiskaltes Wasser durch die Türschlitze ins Auto eindrang. Binnen ganz kurzer Zeit füllte sich das Auto und das Wasser drohte bereits Sitzhöhe zu erreichen, als etwas geschah, was nach meiner Erfahrung extrem selten unter Autofahrern ist. ALLE machten das einzig Richtige und das obwohl das heilige Auto schaden nehmen konnte.

Irgendjemand veranlasste die vor der Unterführung stehenden Autofahrer mit ihren Fahrzeugen etwas zurückzufahren, so dass wir in der Unterführung Platz bekamen, wenden konnten und den Tunnel in gegengesetzter Richtung verlassen konnten. Denn ein Verbleib im Auto im Tunnel wäre schlecht für Leib und Leben geworden. Und so blieb es dabei, dass der einzige Schaden bei mir ein nasser Innenraum war, dafür hatten die Kinder und auch ich ein Abenteurer -auf das ich gerne verzichtet hätte- erlebt. Wer noch nie so etwas erlebt hat, soll jetzt nicht 9x klug irgendeinen Senf von sich geben, das war riiiichtig schneidig!

Nun ein paar Jahre zuvor, es muss wohl 1983 oder 1984 gewesen sein, spülte der Hagel dafür ein paar Geldscheine ins Portemonnaie. Auch damals gab es ein irres Hagelunwetter und seltsamerweise wurden sämtliche Autos, die in der Elsenheimer Straße geparkt hatten, beschädigt. Nur meines nicht. Doch auch wenn mein Gewicht damals noch nicht Elefantendimensionen hatte, mein Gedächtnis schon. Ich erinnerte mich an Gewichte für die Waage aus längst vergangenen Zeiten. Diese waren aus massiven Eisen, hatten unterschiedlich große Köpfe (je nach Gewicht) und befanden sich in Solln in der Garage von Opa. Yoooo, mal kurz mein Auto in die Garage gefahren, eine grobe Decke darüber geschmissen und mit Hammer und den auf den Kopf gestellten Gewichten mal mehr, mal weniger zärtlich das Auto bearbeitet. Es war so überzeugend, dass der Gutachter der Versicherung nicht den geringsten Zweifel an einem massiven Hagelschaden hatte und schon war wieder etwas Diridari in der Haushaltskasse.
So die nächste Geschichte wird eher nicht spannend, aber leider traurig.


Meine Großmutter Maria Schrott, geb. Christerer wurde am 17.07.1901 in Inham (Weiler) im schönen Rottal geboren. Später (1952) wurde Inham in Griesbach (Stadt ab1953, Bad Griesbach ab 2000) eingemeindet. Leider habe ich mich mit Oma nie intensiv über ihre Kindheit oder auch ihr Leben unterhalten. Es wäre bestimmt spannend gewesen, etwas über ihre Herkunft und ihre Geschwister (mir sind nur Martin und Käthi bekannt) zu erfahren.

So bleibt mir nur das Wenige und heute merke ich, dass da eine Lücke ist, die ich nicht mehr füllen kann. Ich hörte von unterschiedlichen Menschen deren Einschätzung, was Oma und im Besonderen ihren Charakter betraf. Aber es ist immer leicht den Stab über jemanden zu brechen, ohne die Historie dieser Person nachzuvollziehen. 1901 war Bayern noch eine Monarchie geführt vom Prinzregent Luitpold.

Sie erlebte als junges Mädchen (13-17Jahre) den ERSTEN Weltkrieg mit und verlor in diesem ihren Bruder (meinen Großonkel) Martin. Mit 21 Jahren bekam sie 1922 eine uneheliche Tochter, meine Tante Hilde. Von 1918 - 1933 kam sie während der Weimarer Republik in den zweifelhaften Genuss, die Hyperinflation mitzumachen. Dabei verloren nahezu alle "normalen" Menschen ihr gesamtes Hab und Gut. Natürlich gab es wie immer einige Profiteure wie Großindustrielle und ganz zu vorderst den Staat, der seine Kriegsschulden auf einen Schlag los war.
Im August 1931 gebar sie ihr zweites uneheliches Kind, meinen Vater Otto. Von 1933-1945 hatte sie dann mit der Nazizeit und dem ZWEITEN Weltkrieg zu kämpfen. Wann sie ihren späteren Ehemann, meinen Stiefopa Rudolf Schrott kennenlernte, weiß ich nicht mehr im Detail. Nur dass er wohl so etwas wie ein Vorarbeiter in einer großen Metzgerei mit mehr als 40 angestellten Metzgern war. Mit ihm zog sie dann später in die Parkstadt Solln, wo sie ihr restliches Leben verbrachte.

Ich lernte sie eigentlich erst ab 1976 so richtig kennen, als wir von Fürstenried nach dem Tod von Opa nach Solln umzogen. Dort führten wir häufig im Gartenhaus Gespräche, mal witzig, mal weniger witzig und öfters bekam ich eine Strafpredigt zu hören um dann 2 Stunden später ein Stück selbstgebackenen Kuchen von ihr zu bekommen.
Sie versuchte mir "anständiges Leben" beizubringen, hörte aber dann doch gerne die Geschichterln der Jugend. Auf meine Fragen wie man solch schwere Zeiten übersteht und sich trotzdem die Lebenslust erhält, antwortete sie meistens, dass sie einfach andere Werte und Vorstellungen vom Leben hatten. Sie freute sich, wenn sie nach einem harten 16-stündigen Arbeitstag, inklusive auf den Knien Boden schrubbern, am Sonntag ein paar Stunden von den "Herrschaften" frei bekam und 1 oder 2x im Jahr tanzen gehen konnte. Wenn ich es mir überlege, hatte sie eigentlich ihr ganzes Leben lang gearbeitet. Sicher hätte man das anders organisieren können, aber es war halt nunmal das Wesen von Oma und Opa.

Legendär waren meine Diskussionen mit ihr, wenn es darum ging, dass sie mit über 80 Jahren nicht vollgepackt wie ein Maulesel mit Bus und Tram fahren und dann durch den halben Friedhof rennen soll. Als ich nur die Wörter Taxi und Gärtner in den Mund nahm, ging der Punk ab. Und das obwohl sie soviel Finanzmittel hatte, dass sie es niemals hätte ausgeben können.
Wenn ich sagte, dass nach ihrem Tod alles verkauft werden würde und ich die gesamte Erbschaft aber so was von raushauen würde, wurde sie wütend und schimpfte mich aus. Meistens endete die Diskussion mit: "Da bist du noch zu jung, das verstehst du jetzt noch nicht!" Nun Oma, ich habe die Erbschaft rausgehauen und schön wars, dank dir!

Im Frühjahr 1989 erlitt Oma einen Schlaganfall. Ich werde nie vergessen, als sie bei meinem ersten Besuch im Krankenhaus sagte: "Ach der Peter. Gott sei Dank bist du da, denn du reißt mir jetzt das Herz raus, damit ich sterben kann." Glücklicherweise konnte sie in meinem Beisein den Oberarzt der Klinik mitteilen, dass sie, sollte noch etwas geschehen, keinerlei lebensverlängernde Maßnahmen wünscht. Einige Tage später erlitt sie einen weiteren Schlaganfall und fiel ins Koma. Wir hielten abwechselnd Nachtwache, damit sie nicht alleine ins Nirwana gehen muss und auch diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Sicher war es gruselig die Nacht in einem abgedunkelten Zimmer mit einem sterbenden, manchmal leisen röchelnden und stöhnenden Menschen zu verbringen. Doch ich hatte Zeit mich von ihr zu verabschieden und das ist mir viel Wert.
Am 18.06.1989 verstarb meine Oma im 88. Lebensjahr

R.I.P. Oma du warst mein Vorbild zu kämpfen, wenn das Leben wieder einmal keine Praline für dich parat hält.


Nach dem Tod von Oma war der Erbengemeinschaft, die aus 6 Teilen mit 4 Teilnehmer bestand -wobei Tante Hilde, die Tochter von Oma, 3 Teile erhielt- klar, dass der Verkauf aller Grundstücke das Beste war. Ob es für Liane, die als Mutter zur Bevollmächtigten meiner minderjährigen Schwester Kathrin ernannt wurde, das Beste war, da bin ich mir nicht so sicher. Sie bewohnte ja in einem der Anwesen eine Wohnung und somit stand dann ein Umzug bevor.
Es mag pietätslos erscheinen, aber es war nun einmal eine Tatsache. So traurig mich der Tod von Oma auch stimmte, er brachte zumindest für meinen Bruder Otto und mich eine erhebliche finanzielle Entlastung. Neben den noch zu veräußernden Grundstücken gab es auch eine Stange Bargeld und natürlich wurde dieses auch sofort eingesetzt. Jeder besorgte sich notwendige Dinge und Otto kaufte sich u.a. einen nagelneuen VW Golf. Das war auch notwendig, denn nach meiner Erinnerung wohnte er damals schon am Stadtrand von München in Puchheim. Trotz S-Bahn war für Besprechungen und eben Feierlichkeiten ein Auto schon zweckmäßig.

Am 02.09.1989 gab es einen Anlass für so eine Party. Unsere Schwester Kathrin hatte ihren 12. Geburtstag und Kaffee und Kuchen wurde aufgetischt. Von jetzt an sind mir leider viele Details nicht mehr erinnerlich, obwohl der Tag durchaus auf der Top 10 Liste der dramatischten Ereignisse in meinem bisherigen Leben dabei ist. Zu beachten ist, dass es tatsächlich die Zeit VOR Handys, Internet oder ähnlichem Schnickschnack war.

Ich weiß zum Beispiel nicht mehr, wer alles zur Party eingeladen war. Gehe aber davon aus, dass ein paar Leute anwesend waren. Nur einer kam nicht. Otto! Es war eigentlich nicht seine Angewohnheit unpünktlich zu sein und nach einer Weile machten wir uns schon Gedanken. Denn wenn er verhindert gewesen wäre oder mit meinem Neffen Bernhard irgendetwas im Argen geschehen wäre, hätte er sich auch ohne Handy sicher gemeldet.

Nun nachdem wir ihn auch per Festnetz nicht erreichen konnten fing ich an, die auf dem Weg von Puchheim nach Solln befindlichen Polizeidienststellen anzurufen. Doch dort war auch nichts bekannt. Glücklicherweise gab es auch damals schon eine Rettungsleitstelle, welche die Kranken- und Notarzteinsätze koordinierte. Dort erfuhr ich, dass aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls in der Tischler Straße ein gewisser Bernhard Christerer in das Haunersche Kinderkrankenhaus am Goetheplatz eingeliefert worden ist.
Glücklicherweise hat das Gehirn (zumindest meines) eine "Schockfunktion" welche mich meist kühl und pragmatisch in solchen Situationen reagieren lässt. Unverzüglich begab ich mich auf den Weg in diese Klinik und war doch etwas "erleichtert" als ich erfuhr, dass Bernhard "nur" einen Schlüsselbeinbruch und ein paar Schrammen abbekommen hat. Das Problem war Otto. Was ich bis heute absolut nicht kapiere ist, wie viele Mediziner (ob er sich weigert oder nicht) offensichtlich nicht erkannten, in welchem Zustand er sich befand. Dass er seinen Sohn nicht allein ließ bis alles geklärt war ist logisch, doch danach hätte das Klinikpersonal etwas unternehmen müssen.

Wie es sich ergab, dass wir die Kinderklinik verließen und Otto in meinem Auto saß, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls gab ich -großer Bruder oder nicht- nicht nach und fuhr mit ihm zum Krankenhaus am Rotkreuzplatz. Man glaubt es nicht, aber dort wurde ich abgewiesen, obwohl ich eindringlich auf die Brisanz (Otto war im Auto, die Treppen hätte er nicht mehr steigen können) hinwies. Zum Diskutieren war keine Zeit also fuhr ich weiter in die Romanstraße in das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und dieses Mal gleich in die Notaufnahme wo auch der Notarzt hält.
Dort wurde zuerst etwas routinemäßig vorgegangen, doch plötzlich ging es schnell. Irgendwie muss mich mein Bruder auch noch bevollmächtigt haben, denn der Arzt teilte mir eine nicht fröhlich stimmende Diagnose mit. Gleichzeitig erklärte ich dem Arzt, dass er nicht befugt ist irgendwelche Auskünfte gegenüber der Polizei zu machen und ich einer Befragung meines Bruders zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zustimmen werde. Denn zwischenzeitlich war mir bekannt, dass bei dem Unfall mindestens eine weitere Person schwer verletzt worden war und wer weiß was Otto in seinem Schockzustand erzählt hätte.

Dankenswerterweise war der Arzt ohne großes Palaver einverstanden und schockte mich umso mehr, als er mir erklärte, dass der Zustand von Otto lebensbedrohlich ist. Der Gurt hatte ganze Arbeit geleistet und im Brust- aber besonders im Beckenraum für ganz erhebliche Verletzungen und massiven inneren Blutungen gesorgt. Diese müssen zum Stillstand gebracht werden und dann solle ich beten, dass er diese Nacht überlebt.
Nun Gott bzw. den Ärzten sei Dank er hat es überlebt und durfte einige Zeit in dem Krankenhaus verbringen. Ich glaube einen weiteren Todesfall nach 1970, 72, 74, 81, 89 hätte ich auch nicht mehr auf die Reihe bekommen. Sowohl Bernhard als auch Otto kamen wieder gesund nach Hause. Wie lange es dauerte, was die Unfallursache war und auch wie die Verhandlung (es gab doch sicher eine) wegen dem Unfall ausging, weiß ich nicht mehr. Das ist auch unerheblich, denn mir zeigte es ein weiteres Mal wie schnell ein schöner Tag, das gesamte Leben in Sekunden auf den Kopf stellen und sich ins Gegenteil wandeln konnte.

Jedenfalls stärkte mich der gesamte Vorfall mein Leben weiter in einer hedonistischen Art zu führen. Es kann ganz schnell vorbei sein und selbst wenn nicht, wer garantiert mir, dass ich das Leben im Alter noch genießen kann? Mag sein, dass ich egoistisch und dekadent bin, aber ich stehe dazu: Spaß, Lust, Freude und Genuss! Wem es nicht passt sagte ich auch damals schon: I don't care, I don't give a fuck.


Wann genau es geschah, dass ich mir einen der neuen supermodernen Blechtrottel -auch PC genannt- anschaffte, das weiß ich nicht mehr. Animiert durch einen Freund -Reiner R.- der sich etwa 1984 einen Brotkasten (Commodore C64) anschaffte, kaufte ich mir auch so ein Teil und etwas paar später fing ein anderer Spezi -Gerhard G.- doch tatsächlich mit einem PC an. Er war auch der erste, der in meinem Bekanntenkreis einen PC mit einer Festplatte von sage und schreibe ZWANZIG MEGABYTE hatte. Zu einem irren Preis. Mein Bruder Otto besaß einen Commodore Amiga.

Es ist schwer sich vor zu stellen wie in dieser Zeit gearbeitet wurde. Mit Tapelaufwerken am C64, 5 ¼ Floppys und später ein Riesenfortschritt mit 3,5 Zoll Speichermedien am PC. Seitenweises Abtippen von Quellcode aus Computerzeitschriften war normal und später mit Akustikkoppler und ätzend langsamen Modems ins "Internet". Dieses kann man im Vergleich zu heute nicht mehr beschreiben.

Von Beginn an faszinierte mich am PC die Programmierung und so lernte ich, mehr schlecht als recht, autodidaktisch Basic, Turbo Pascal und dann auch noch C++. Dass es mir später den Übertritt in den gehobenen Dienst ermöglichen sollte, wusste ich da noch nicht. Natürlich waren die Blechtrottel auch in der Firma ein riesiges Thema und dabei kam ich über einen Arbeitskollegen mit einer kleinen, aber feinen Computerfirma in Berührung. Die "Garnet Weiss Systemtechnik" bestand aus Eddi Weiss als Geschäftsführer und ein paar Informatiker/Programmierern. Soweit ich mich erinnere wurde dort auch Zubehör verkauft und kleinere Reparaturen vorgenommen.

Zuerst nur als Kunde, war ich immer häufiger dort, besonders als die Firma vom Osten Münchens in die Blumenau umzog. Schnell stellte ich fest, dass Eddi ein genialer Verkäufer war, aber von Programmierung nur "Zeitschriften" Wissen hatte. Ich selbst hatte mich bereits auf die Firma Mircosoft spezialisiert und hatte schon detaillierte Kenntnisse in den belächelten (völlig zu Unrecht, denn damit konnte man wirklich Geld verdienen) Programmiersprachen Wordbasic und auch "Excelbasic" als Vorgänger des heutigen Standards in den Office Produkten: Visual Basic for Applications (VBA). Es ergab sich, dass ein größerer Versicherungskonzern in München dringend ein Produkt suchte, welches verschiedene Finanzierungsszenarien abdeckte. Der Vorgaben waren: Excel konform, ansprechende Eingabemaske (Zur Erinnerung MS-DOS hatte keine grafische Benutzeroberfläche) und simpel von jedem Mitarbeiter zu bedienen. Das war der Moment als Eddi mich ansprach ob ich das konnte, denn Schnittstellen und Rootkids und ähnlichen Shit, den gab es genauso wenig wie "Anwendungsprogrammierer". Gemeint waren Leute, die die Anwendung (hier Excel) beherrschten, diese aber mit Bordmitteln zusätzlich programmieren konnten.

Das Angebot den Auftrag als freiberuflicher Programmierer zu übernehmen lehnte ich ab und bot stattdessen eine Beteiligung als 50%iger Gesellschafter an der Firma an. Eddi war begeistert, denn die Vorfinanzierung von damals exorbitant teuren Informatikern war horrend. So kaufte ich mich für einen hohen 5-stelligen Betrag ein und war fortan Gesellschafter. Mein Job war, die teils freiberuflichen, teils fest Angestellten PC-Freaks (den Begriff Nerd gab es noch nicht) zu beaufsichtigen und ggf. einzuschreiten, während sich Eddi um Aufträge kümmern sollte.
Es war eine spannende Zeit. Hochmodern führte ich damals flexible Arbeitszeiten -ich war ja selbst hauptberuflich tätig und erst ab 17h vor Ort- ein und gab nur feste Abgabezeiten vor. Funktionierte gut und ich profitierte eine Menge, denn es waren wirklich Nerds, besonders im Bereich Netzwerk. Das Entscheidende für die Jungs war, dass sie bei uns kostenlos die Telefonleitungen belegen konnten und das war teuer damals. Aber es war schon prickelnd wenn man sieht wie es möglich ist, in das Netzwerk einer Firma mit mehr als 10.000 Mitarbeitern einzudringen.

Und dann kam der der dicke Knüller. Eddi hatte den Wahnsinns Auftrag an Land gezogen. Wir sollten für eine Firma, die LOEWE (damals eine Elektronik Firma u.a. mit exzellenten Fernsehern) Programme zur Steuerung von Leiterplatinen erstellen. Die bisherigen Partner in Südost Asien erwiesen sich als nicht mehr zuverlässig. Wir hatten einen Vorlauf von ca. 14 Monaten und wussten, das bindet die Kapazität von mindestens einem Programmierer. Und wir legten massiv los, was aber kaum mehr Platz für andere, neue Aufträge lies.

Das Ende ist schnell erzählt: Nach etwa einem Jahr kurz vor Vollendung der ersten Betaversion, bekamen wir Besuch von 3 Managern der Auftragsfirma. Sie erklärten uns, dass sie nach Grenzöffnung Richtung Osten eine ganz erheblich kostengünstigere Softwarefirma im nahen Tschechien gefunden hatten und den Auftrag dieser Firma erteilen werden. Leider war Eddi zwar ein genialer Verkäufer aber eben kein Jurist. Er hat schlicht und ergreifend keine Ausstiegsklausel oder Abstandszahlung etc. vereinbart. Die Beerdigung der Firma Garnet Weiss Systemtechnik erfolgte schnell und geräuschlos und war eine unangenehme Erfahrung. Ich hätte durchaus bessere Ideen gehabt, wie man Omas Erbe unter die Leute bringen kann. Zwar war es nur ein verschmerzbarer Teil davon, doch es tat schon weh.


Schon immer vom Flair (zumindest was man im Fernsehen sieht) eines Spielcasinos fasziniert, entschied ich mich eines aufzusuchen. Trotz der Pleite mit meiner Teilhaberschaft -siehe vorherigen Beitrag- befanden sich schon noch einige DMärker auf meinem Konto und die mussten unters Volk gebracht werden. Natürlich war das Ziel ein paar Mark zu gewinnen und nicht zu verlieren.
Das mir bekannteste Spielcasino im Raum München befindet sich in der Gemeinde Bad Wiessee am Tegernsee. Also rein in den Kommunionsanzug und ab auf die Autobahn. Dort angekommen war ich zuerst einmal ziemlich enttäuscht! Nichts war's mit dem "James Bond Glamour", sondern eine unüberschaubare Anzahl der deutlich Ü60 jährigen war anwesend. Die Kleiderordnung war sehr locker gehandhabt, so dass selbst Strickwesten mit Ärmelschonern zu sehen waren.

Unvergleichlich ist allerdings der Blick auf den Tegernsee, wenn die Sommernacht beginnt. Die Landschaft rundherum ist schon ganz was Besonderes, einfach Bayern. Die Geräuschkulisse war hoch, denn die älteren Damen und Herren waren doch sehr aufgeregt und schnatterten was das Zeugs hielt. Zuerst dachte ich es handelt sich um einen Betriebsausflug eines Altersheims. Dennoch hatte es irgendetwas, was meine Neugierde und den "Jagdtrieb" weckte.
Schnell war mir klar, dass es mit dem Gewinn eher dem Zufall überlassen ist, wenn du einfach nur auf irgendwelche Zahlen oder Kombinationen setzt. Deswegen beobachtete ich die 1/3 und 1/2 Chancen. Dabei rechnete ich mir erheblich höhere Chancen aus und beschloss wiederzukommen. Lange Rede gar kein Sinn. In Wiessee versuchte ich "mein" System umzusetzen und stellte fest, dass ich dabei eine weitere Person brauchte. Meine 1. Ehefrau hatte diesbezüglich (außer am Gewinn) keinerlei Interesse, aber es war ihr -wie immer- völlig egal, wenn ich dazu andere Frauen (meist jung und sehr attraktiv) mitnahm. Nach einiger Zeit -ich fuhr inzwischen mindestens 1x pro Woche nach Wiessee- hatte ich eine "Stammbegleitung" in Form einer jungen sehr ansehnlichen lady, die zudem eine Kollegin war. Hier sei noch erwähnt, dass es zumindest damals (um 1990) für Mitarbeiter des BND streng verboten war, ein Spielcasino zu besuchen.

Leider war es wohl ein ewig andauernder Betriebsausflug, denn der Altersdurchschnitt war immer sehr hoch. Das wäre eigentlich nicht schlimm, doch leider hatten mehrere ältere Damen die Angewohnheit mich bei meiner Spielart zu beobachten und das auch zu kommentieren, denn die Einsätze waren oftmals sehr hoch. Als jedoch eine Dame neben mir gefühlt 25x relativ laut meinte "Leck mich am Arsch" sagen zu müssen, weil ICH gerade 12.000 DM verspielt hatte (was einen Gesamtverlust von 23.950 DM bedeutete), wusste ich dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, a) den Standort und b) das System zu ändern.

Beides war easy. Der Standort war künftig Garmisch-Partenkirchen und das System wurde auf einfache Chancen bei einem Einsatz von 500 anstatt 50 DM geändert. Bei dieser Summe wurde dann die Wiederholfrequenz von 3x auf 5x gesetzt. Das heißt übersetzt: 2 Leute beobachten alle Tische im Saal ob eine Chance (gerade/ungerade, 1-18/19-36, rot/schwarz) 5x hintereinanderkam. Sollte das der Fall gewesen sein, setzte ich auf die andere Farbe/Zahl 500 DM, dann 1000, dann 2000, bis 16000. Das Problem war, dass in Garmisch nur an einem Tisch 12000 ansonsten höchstens 8000 auf eine einfache Chance gesetzt werden durften. Auch hier kam dann die zweite Person zum Einsatz und setzte den fehlenden Betrag bis 16000 DM.

Das Altersheim war weiterhin da und ich wusste auch warum: In München am Hauptbahnhof fuhr ein "Zubringerbus" für lau am frühen Abend zu den Casinos und brachte sie gegen 23:30h wieder zurück. Da ich zum "arbeiten" immer nur unter der Woche hinfuhr und am nächsten Tag ins Büro musste, war es schwierig den Alten aus dem Weg zu gehen.
Fazit: Es war eine spannende Zeit! Das Flair ist zu einer bestimmten Zeit richtig gut, die Leute -Berufsspieler wie ich :-)- sehr interessant und ich hatte großartige Abende, denn wenn meine Arbeitskollegin nicht dabei war, ging es mit den Mädels vorher noch schön zum Essen und es waren immer sehr angeregte Gespräche. Meistens ging es dann noch auf einen Absacker zum Schauer Sepp nach Grünwald. Der Aufenthalt mit den Ladys im Casino war auch super, die Bar war gut und die Gäste dort sehr angenehm.

Was ganz klar für alle die es als Arbeit, als Beruf betrachteten war, dass Disziplin unabdingbar erforderlich ist. Du darfst bestimmte Prinzipien nicht vergessen, sonst wirst du auf Dauer verlieren. Die meisten Berufsspieler die ich kennenlernte (am Ende fuhr ich durchschnittlich 3x die Woche nach Garmisch) hatten ein monatliches Durchschnittseinkommen von 3-8000 DM und ich habe keinen Grund daran zu zweifeln.
Meine Art zu spielen wäre sicher nicht auf Dauer durchzuhalten, denn es war schon anstrengend bzw langweilig ständig zu warten. Es ist ganz sicher nicht die Regel, dass eine einfache Chance häufig 5x mal kommt. Aber ich erlebte auch dass die Wiederholung 21X stattfand und ich bin leider beim 12X eingestiegen. Wenn ich verloren hatte waren immerhin 31.500 DM weg und das hieß ich musste 11 Abende erfolgreich abschließen bevor ich mir einen erneuten Verlust leisten konnte. 11X weil mein Prinzip war, dass nach 3.000 DM Gewinn bzw. wenn ich allein dort war nach 2.500 DM Schluss war. Das konnte schon (ist mir nur einmal passiert) nach 30 Minuten sein oder sich aber ziemlich lange hinziehen.
Auch wenn man es bei meiner Mentalität gar nicht glauben mag, aber über diese Zeit führte ich wie der ärgste Korinthenkacker Buch und kann sagen, dass es mehr oder weniger +- Null ausgegangen ist. Dabei wurden auch die 500,- DM für die Begleitungen bei Gewinn, das Benzingeld, die Spesen etc. eingerechnet. Na was willste mehr? Und wo lernst du schon Menschen kennen, die in ihre Sakkotasche greifen, eine Handvoll rechteckige Chips (1000DM) rausholen und auf den Roulette Tisch mit dem Kommentar "Ist doch alles nur Plastik" werfen. Spaß hat es gemacht und das ist was zählt!

Die nächste Geschichte ist weniger lustig, war aber eine sehr wertvolle Erfahrung in meinem Leben. Meine Zeit beim Blauen Kreuz.


Manchmal gibt es komplexe Situationen im Leben, in denen ich mich hoffnungslos überfordert fühle. Meistens trage ich das oder die Probleme mit mir rum und fechte den Kampf in meinem Inneren aus. Wenn ich dann eine Lösung gefunden habe, versuche ich diese konsequent umzusetzen. Meistens allerdings wenig sensibel und mit maximalem Druck auch gegen mich selbst. Das ist oft nicht sehr schön, kann zu Zerwürfnissen führen und schmerzt mich meist selbst außerordentlich, doch wie es ist, so ist es eben "There's no time to explain, yes that's the way it is....".
Ende der 1980er, Anfang der 1990er war ich in so einer Ausnahmesituation. Selbst mit meinem Leben, speziell was mein Familienleben anbelangte, vollkommen unzufrieden, trat in meinem näheren persönlichen Umfeld ein Suchtproblem auf. Da ich diese Person schon lange kannte, sie mir nahesteht und ich sie sehr schätze, wollte ich unbedingt helfen. Damals gerade 30 Jahre alt und mit eher rauem Gemüt ausgestattet, dachte ich das funktioniert nach dem Motto "Hör endlich auf mit dem Scheiß,…". Heute 30 Jahre später weiß ich, bei jeder Sucht ob Übergewicht, Alkohol, Rauchen, Rauschgift, Medikamente etc. bedingt es schon deutlich mehr als ein paar blöde Sprüche.

Wer mir den Tipp gab oder wie ich auf die Organisation "Blaues Kreuz" kam, weiß ich nicht mehr, doch es war das Optimale was geschehen konnte. Es war für mich unerheblich wer (evan. Kirche? Diakonie?) dahinter steckt und welche professionellen Therapien angeboten wurden. Entscheidend war, dass es in München mehrere Selbsthilfegruppen in verschiedenen Stadtteilen gab, deren Leitung jeweils von einem Suchtkrankenhelfer durchgeführt wurde. Dazu trafen sich 1x in der Woche die Hilfesuchenden in einem meist von der Kirche zur Verfügung gestellten Raum und es wurden ca. 1,5 Stunden Probleme angesprochen und diskutiert. Horst, der Leiter "meiner" Gruppe war im Hauptberuf Ingenieur bei Siemens, dementsprechend waren keine superschlauen Psychologensprüche zu erwarten. Seine Aufgabe war auch moderieren und nicht therapieren.
Überragend für mich waren jedoch die Tatsachen, dass a) keine bestimmte Sucht oder Problematik (auch wenn der größte Anteil Alkoholkranke betraf) vorhanden sein musste und b) dass nicht nur Erkrankte sondern auch Familienangehörige, enge Freunde oder sonst wie Betroffene an den Sitzungen teilnehmen durften. Ich habe dabei sehr viel über die "Co-Abhängigen" gelernt.

Jedenfalls habe ich seither nie wieder Menschen getroffen, die so offen, direkt und ehrlich über ihre Probleme und Situation sprachen. Es war so hilfreich für mich, obwohl der Mensch, der für mich wichtig war, längst die Gruppe verlassen hatte und seither diesbezüglich kein Problem mehr hat, dass ich noch mehrere Jahre dabeiblieb. Viele Gesichter der "Stammgruppe" sind mir noch erinnerlich, ganz besonders eine Christine und ein Franz. Leider hat es Franz nicht geschafft und die Entscheidung getroffen, vorzeitig den Gang ins Nirvana anzutreten. Auch Ludwig -ein Manager von BMW- werde ich nicht vergessen. Vor Arroganz triefend kam er -aufgrund richterlicher Anordnung- in die Gruppe und wurde ein wertvolles Mitglied. Und das obwohl seine Auflage längst erfüllt war.
Nach 4 Jahren wurde mir sogar angeboten eine Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer zu machen und Gruppenleiter zu werden. Das wollte ich aus verschiedensten Gründen nicht. Zusätzlich habe ich es strikt abgelehnt -als nicht Alkoholabhängiger- freiwillig vollständig auf Alkohol zu verzichten.
Eines kann ich jedoch ganz sicher sagen: Jeder der in eine solche Ausnahmesituation gerät wie oben beschrieben, sollte darüber nachdenken ob er nicht Hilfe in Anspruch nimmt. Ob bei einem "Hauptberufler" oder in einer Selbsthilfegruppe ist egal. Es kostet nichts und kann dich unterstützen. Für mich waren die Leute in "meiner" Gruppe vom Blauen Kreuz auch eine große Hilfe und Unterstützung was meine nächste Geschichte "In der Hölle sollst du schmoren, Herr Chirurg!" anbelangt.


Das Jahr 1991 begann ab Mitte Januar etwas schräg. In der Ehe kriselte es. Obwohl das stimmt eigentlich nicht. Beide hatten sich mit der Situation arrangiert. Es hatte sich heraus kristallisiert, dass die Lebensauffassungen und Temperamente beider zu gegensätzlich waren. Doch Mitte Januar bekam ich eine Erkältung und in ganz kurzer Zeit hatte ich -von mir selbst diagnostiziert - eine Bronchitis. Als ich mich dann doch zu meinem Hausarzt dem guten alten "Schmidl" begab, war dieser gar nicht amused, denn die Geräusche beim Abhören der Lunge verhießen nichts Gutes.

Was folgte war eine Tortur mit Besuchen bei verschiedenen Lungenspezialisten und Radiologen. Ob Dr. Schmitt ein guter Arzt oder nicht war, kann der Laie nur schwer beurteilen. Aber dass er ein gewissenhafter war, konnte ich feststellen. Nachdem alle Untersuchungen und Befunde keine Klarheit brachten, nur immer ganz ernste, besorgte Blicke hervorriefen, meinte der Doc, das muss geklärt werden und überwies mich zur stationären Aufnahme in das Zentralkrankenhaus Gauting mit einer Spezialabteilung für Lungenerkrankungen. Am 15.02.1991 marschierte ich fröhlich aber nicht mehr ganz fidel dort ein und hatte gleich eine Auseinandersetzung mit dem Stationsarzt.

Das Erste was der Typ wissen wollte war ob ich rauche. Wahrheitsgemäß antwortete ich mit ja. Was folgte war eine Standpauke von ihm mit so geistreichen Äußerungen wie "Warum ich das tue und ich soll das sofort unterlassen". Nun meine Entgegnungen waren auch nicht von schlechten Eltern und so beschlossen wir, keine guten Freunde zu werden. Dann stellte ich fest, dass unter dem Dach ein Aufenthaltsraum für mobile Patienten war und dort war Rauchen erlaubt. Yoooo gefundenes Fressen für mich und wie ein vor Wut schnaubender Stier tauchte ich vor dem Doktor auf und stellte ihn zur Rede. Leider war die Antwort zutreffend und blamabel für mich. Er meinte, wenn es diesen Raum nicht gäbe würden so egoistische, rücksichtslose Süchtige wie ich evtl. auf der Toilette rauchen und frisch Operierte gefährden. Nicht von der Hand zu weisen, speziell nachdem was ich dort bezgl. Rauchen alles erlebte. Positiv dabei war, dass ich bereits am 3. Tag schlagartig mit dem Rauchen aufhörte und erst 10 Jahre später wieder anfing. Glücklicherweise war der Unsympath nur Vertretung und mit der "richtigen" Stationsärztin kam ich deutlich besser aus.

Ich weiß nicht mehr was alles für Untersuchungen durchgeführt wurden, wieviel Flüssigkeiten und Gewebe mir entnommen wurde und in welche Teile dieser Welt von Schweiz bis USA das alles geschickt wurde. Eines weiß ich aber noch ganz genau: Eine Bronchoskopie war zur damaligen Zeit eine der schlimmsten und schmerzhaftesten Untersuchungen die ich je hinter mich brachte, besonders weil ich beinahe bei vollem Bewusstsein daran erstickt wäre. Nichts änderte sich, mal waren Blutungen stark mal schwach, mal die Schleier dichter mal wenig dicht. Am 01.03. verließ ich Klinik um als Kompromiss -der Chirurg wollte zu diesem Stadium keine derartige OP durchführen- eine 6-wöchige Chemotherapie durchzuführen und dann, falls sie nicht anschlägt, das Ei operativ entfernen zu lassen.

Wahrscheinlich sind die heutigen Medikamente besser und weniger mit Nebenwirkungen behaftet. Ich jedenfalls kotzte mir jeden Tag die Seele aus dem Leib und meine Haarpracht konnte spielend mit "Kojak" oder Yul Brunner konkurrieren. Der Umfang entgegen kam eher Meatloaf nahe. Und das, um nach 6 Wochen zu erfahren, dass nur marginale Änderungen erfolgt sind. Und schon nahm das Drama seinen Lauf. 6 Ärzte bildeten zwei Mannschaften. Vorausschicken muss ich, dass es eine schwere, sehr riskante Operation mit erheblichen Nachwirkungen bedeutete.
Mannschaft 1 waren mein Hausarzt, der Radiologe und der Chirurg. Mannschaft 2 waren der Oberarzt, die Stationsärztin und der Pathologe. M1 wollte mir partout die OP ausreden, M2 bestärkte mich in meinem Entschluss die OP durchführen zu lassen und den Dreck raus zu holen.Nach einigen schlaflosen Nächten entschied ich mich für die 6 Stunden Operation, trotz nicht gerade weniger Bedenken. Am 02.05.1991 war ich zurück ins Krankenhaus und für Mittwoch, den 08.05.1991 wurde die Operation für 09:00h vereinbart. Am Vorabend erschien plötzlich nochmals der Chirurg obwohl schon alles besprochen und unterschrieben war. Er schilderte mir ausführlich welches Risiko es bedeutete, welche Schmerzen ich im Anschluss bei jedem Atemzug haben würde. Kein Lachen, kein Husten wäre möglich, einige Rippen gebrochen und irgendetwas musste ziemlich stark gespreizt werden. Sichtlich verärgert nahm er zur Kenntnis, dass ich es trotzdem hinter mich bringen möchte, denn so ein Ei in der Lunge ist nicht jedermanns Sache. Oder wie die Stationsärztin sagte: "Das könnte wie ein Blindgänger aus dem Krieg sein. Wenn es noch explodiert, dann ist es aus und vorbei".

Am nächsten Morgen wurde ich ganz früh penibel rasiert, bekam einige Kanülen in die Arme und gegen 0700h bereits die LmaA Pille. Das Problem war, ich wurde nicht abgeholt. Gegen 1100h bekam ich eine weitere Pille die mich beruhigen sollte. Gegen 1330h erschien der Chirurg, stellte sich vor mein Bett und sagte er hätte gerade einen schwierigen Notfall operiert und jetzt sieht er sich nicht in der Lage so eine schwere Operation durchzuführen. Wir könnten ja einen neuen Termin vereinbaren. Bis heute habe ich sein Gesicht nicht vergessen und wünsche mir manchmal, dass ich ihm einfach eine geknallt hätte. Habe ich nicht, bin aber wutentbrannt um 1500h nach Hause gefahren, nicht ohne meine Wut noch deutlich zum Ausdruck zu bringen. Zumindest die Stationsärztin zeigte Verständnis dafür.

Fazit der Geschichte: Das Ei ist immer noch da, die Beschwerden auch und genauso die Blutungen. Immerhin wird es als Teil meiner Schwerbehinderung anerkannt, denn die Lungenfunktion ist nicht unerheblich eingeschränkt. Zusätzlich kann ich mich manchmal bei den Ärzten wichtigmachen. So wurde 28 Jahre später (ohne dass ich einer später folgenden Geschichte vorgreifen möchte) während einer Ärztekonferenz meine eigentlich lebensbedrohende Erkrankung nur kurz diskutiert um anschließend 30 Minuten über meine Bilder der Lunge zu fachsimpeln. Doch so lustig das alles klingt, eines kann ich auch sagen: Was bleibt ist die Angst!


Es war mir sehr schnell bewusst geworden, dass der Job bei der Wache nicht von Dauer sein würde. Bei allen Vorzügen wie z.B: hohes Gehalt, durch die angenehme Schicht sehr viel Freizeit, auch wenn Sonn- und Feiertage oft nicht der Familie gehörten, klar strukturierte Aufgabenstellung und einiges anderes. Es war in erster Linie die geistige Unterforderung -obwohl ich privat ein Fernstudium bei der Firma AKAD angefangen hatte- welche mit jeder Schicht schlimmer wurde. Da ich im Wachbereich jeden nur erdenklichen Sonderposten annahm der etwas Abwechslung versprach, wurde ich auch als Hausposten im Haus 37 - der Arbeitsplatz des Präsidenten und seines Leitungsstabes- eingesetzt. Zwar wurde man von den anderen Kollegen für die Vergünstigungen (kein Streifegehen, keine Ausweisausgabe etc) beneidet, doch haben wollte den Job kaum jemand. Denn dort war nicht nur ein Kommen und Gehen der hochrangigsten BND Mitarbeiter, sondern häufig auch Präsidenten anderer Geheimdienste und wichtige deutsche Politiker zu Gast. Leider kann ich hierzu keine Details von mir geben, welche Absurditäten dabei manchmal zustande kamen.

Natürlich knüpfte ich meine Beziehungen und eine davon verhalf mir zu einem Bürojob. Als Abteilungsleiter der B6 Ebene und späterer Botschafter in Frankreich, war er vernetzt genug, mir ein paar Türen zu öffnen. Allerdings bekam ich aufgrund meiner aufmüpfigen Art nichts geschenkt, sondern musste mir alles erkämpfen. Als ich dann an einem etwas spezielleren Posten zum Abfragen bestimmter Personen mit Bordmitteln ein Programm entwickelte, welches die Fehlerquote minimierte und die Anzahl der Abfragen ganz erheblich steigerte, wurde die IT-Abteilung auf mich aufmerksam. Mein Glück war, dass gerade der Umstieg von Großrechner auf PC erfolgte.
Während der Dienst 3 Jahre lang Mitarbeiter zu Informatikern ausbilden ließ, war ich bereits Gesellschafter einer Softwarefirma mit genialen Programmierern, die mir auch die schmutzigen Tricks (Viren und Hacking) sowie das Wesentliche der damals gängigen Programmiersprachen Basic, Turbo Pascal und C beibrachten. Das Entscheidende war aber dass ich mir autodidaktisch die Microsoftprodukte verinnerlichte und diese dann mit Bordmittel (zuerst Basic, dann VBA) umbaute, also exakt das was jedes Unternehmen braucht. Es würde jetzt zu weit gehen, aufzuführen welche Erleichterungen ich in Access, Excel und Word programmierte, jedenfalls war ich plötzlich unentbehrlich. Die Vorlage für alle Arten von Schreiben ob extern, intern, eingestuft, mit Bundesadler oder auch nicht, war unverzichtbar.

Genau das nahm ich zum Anlass den Vorgesetzten das Messer auf die Brust zu setzen. Mein Gegenüber im Büro wurde damals nach BAT IVa bezahlt, während ich im mittleren Dienst nach BAT VIb bezahlt wurde, obwohl ich durch die zusätzliche Programmierung mehr leistete als "nur" Anwenderbetreuung und Schulungen durchzuführen. Nachdem die ersten Ansprachen relativ wirkungslos bei den Vorgesetzten (außer bei unserem Gruppenleiter) blieben, nahm ich eine sture Haltung ein und beharrte darauf lediglich Tätigkeiten auszuüben, welche meiner Tätigkeitsdarstellung der Vergütungsgruppe entsprachen. Yooo nach kurzer Zeit wurden intensive, ernst zu nehmende Verhandlungen aufgenommen. Der Hemmschuh war wie so oft die Verwaltung. Im öffentlichen Dienst geht es nach subjektiven und nicht objektiven Kriterien. Das bedeutet, selbst wenn du der beste Autofahrer der Welt bist, auf öffentlichen Straßen in DEU darfst du ohne Führerschein nicht fahren.

Jedenfalls war es ein langer, harter Kampf über mehr als 2 Jahre und ohne die Unterstützung meines Gruppenleiters "Frühstückdirektor" Frank S. hätte ich wohl aufgegeben. Am Ende wurde ein Kompromiss gefunden. Ich wurde zwar in den gehobenen Dienst übernommen, allerdings "nur" nach BAT IVb bezahlt und sollte zwei Prüfungen speziell für den IT-Bereich ablegen. Wie so oft sind provisorische Lösungen die Besten und halten am Längsten. Kurze Zeit nachdem ich übernommen wurde, wechselte die Referatsleitung und danach auch noch die Sachgebietsleitung. Der neue Referatsleiter war in fachlicher Hinsicht ein Fan von mir und blockierte jedes Ansinnen der Verwaltung, mich für eine Prüfung mehrere Monate aus dem Verkehr zu ziehen.
In menschlicher Hinsicht war er eher nicht ein Fan von mir, da hatte ich wohl zuviel Ähnlichkeit mit ihm selbst. Beide mit einer gehörigen Portion Zynismus und Cholerik ausgestattet, häuften sich die Beschwerden aus dem Kollegenkreis über mich. Es war aber auch dämlich gewesen, mir -dem absoluten NO Teamplayer, frisch gebackene Informatiker für 3 Monate zu einem Praktikum zu schicken. So kam es auch, dass eine Kollegin während einer Abteilungsveranstaltung vor den big Bossen sagte: "Ich hatte das Pech 3 Monate neben dem menschlich größten Arschloch der Firma zu sitzen. Ich hatte aber auch das Glück in diesen 3 Monaten mehr zu lernen als in den 3 Jahren Studium zuvor. Deshalb sind die Tage an denen ich weinend das Zimmer verließ vergessen und ich möchte mich herzlich dafür bedanken." Das hat meinem "Refl" Dr. K. gefallen und ich durfte ihn häufiger zu externen Konferenzen und Veranstaltungen mit Managern wie dem Direktor von Microsoft Europe oder einem Vorstand von Intel begleiten. Spätestens da wurde dem kleinen Metzgerburschen klar, wie verarscht der Konsument in Wirklichkeit wird.

Es gäbe noch irrsinnig viel während der Zeit bei der Technik zu schreiben, doch so richtig spannend wurde es später für mich beim BND. Davon werde ich später schreiben, allerdings nicht im Klartext, denn vieles davon ist auch heute noch nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Jetzt muss ich noch einen nicht geplanten Sonderbeitrag zu meiner ersten Scheidung schreiben, denn eigentlich wollte ich diesen gleich hiermit verwursteln, aber das passt nicht so richtig.


Als Friedrich Schiller im Jahre 1799 sein Gedicht "Das Lied von der Glocke" veröffentlichte, kam auch ein Hochzeitsvers vor:

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

Friedrich Schiller wusste offensichtlich, worüber er schrieb. Doch im Gegensatz zu damals bedeutet heutzutage eine Ehe nicht mehr unbedingt ewig. Sich scheiden zu lassen ist deutlich einfacher als zur damaligen Zeit. Dennoch ist eine Scheidung eine ziemlich einschneidende Sache und verändert bei vielen Menschen nachhaltig ihre Lebensansicht. Bei meiner ersten Ehe war es jedoch von Anfang an abzusehen, dass es so kommen würde, wie es dann auch kam.

Beide waren wir sehr jung (1978) als wir uns kennenlernten und von extrem gegensätzlicher Natur. Einig waren wir uns dahingehend dass wir in jungen Jahren eine Familie gründen wollten. Angelika war eine eher unscheinbare, zurückhaltende vielleicht sogar schüchterne Frau, die so erzogen worden war, dass "der Mann" das Sagen hatte. Leider und das war wohl das Ausschlaggebende war sie auch sehr antriebslos und Neuerungen gegenüber nicht aufgeschlossen. Die Sicherheit eine Wohnung, genug zu essen für die Kinder und einen Mann zu haben, der zuverlässig Geld nach Hause bringt, genügten ihr völlig. Aktivitäten mussten von mir vorgeschlagen und geplant werden und wurden allzu häufig abgelehnt. All das ist nicht schlecht und sie war ein herzensguter, ehrlicher Mensch. Sehr viele Männer möchten sicher gerne so eine Frau an ihrer Seite.

Doch ich war das vollständige Gegenteil davon. Immer darauf bedacht, dass die Familie finanziell über die Runden kommt, das war in den Anfangsjahren als Alleinverdiener schwierig genug. Aber eben vorsichtig ausdrückt war ich eher "dynamisch". Ständig auf Achse, unzählige Bekannte, viele davon aus der "Halbwelt" und selbst mit einer gewissen Aggressivität behaftet. Das brachte aber der Beruf als Bierfahrer und der Umgang mit Dachauer Rockern mit sich. Jedenfalls passte das nicht so recht in das beschauliche Sicherheitsdenken meiner damaligen Ehefrau. Ice Cube sang in hood mentality einmal: "I'm from the hood, but it's not what I'm". Das könnte schon hinkommen. Zudem bin ich BIS HEUTE sehr dominant und ein Macho. Das wird sich -so hoffe ich- auch nicht mehr ändern.
Der Weggang von Hacker-Pschorr zur Wache vom BND brachte zuerst wenig Änderung, da ich durch den Schichtdienst fast noch mehr Zeit zur Verfügung hatte. Allerdings wurde es mir schon ein bisschen viel, da ich mich neben Beruf und Nebengeschäften um genug Kohle zu haben auch noch um den ganzen "Bürokram" von Tobias kümmerte. Er besuchte einen heilpädagogischen Kindergarten und da gab es eine Menge Schreibkram. Zusätzlich waren die Leute dort sehr aktiv und der Besuch von Elternabenden etc. wurde ausschließlich mir übertragen. Corinna war auch gerade zur Welt gekommen, glücklicherweise war sie sehr pflegleicht und machte mehr Freude als Sorgen. Tobias hingegen war aufgrund seiner Erkrankung sehr zu bedauern und noch heute nehme ich mir meine häufige Ungeduld mit ihm sehr übel. Nebenher hatte ich noch begonnen über ein Fernstudium bei AKAD das Abitur nachzuholen.

Massive Änderungen auch für das Verhältnis zwischen mir und Angelika brachte 1987 der Wechsel von der Wache zu einem Bürojob. So schön es vielleicht auch sein mag, "der Patriach, der Alleinherscher" zu sein, auf Dauer funktioniert das nicht. Wenn Einladungen außer zu Freunden oder der der Familie stets alleine durchgeführt werden müssen, wenn sich das Spektrum der Interessen und Unterhaltungen zum großen Teil an der TV Zeitung orientiert, wird es auf Dauer uninteressant. Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich mich einmal mit meinem Bruder Otto über die Situation unterhielt und dieser treffend sagte: "Eigentlich hältst du dir eine Putzfrau, die kocht und hin und wieder Sex mit dir hat". Stimmt, so kann man es ausdrücken.
Ob der Sex aus Zuneigung oder "weil man das halt in der Ehe macht" stattfand, kann ich nicht sagen. Wer glaubt er kann den Sex einer Frau einschätzen und beurteilen, der sollte sich diese Szene mit Meg Ryan ansehen: Harry & Sally . Ich habe seit jeher die Einstellung, dass "fremd gehen" für mich nicht in Frage kommt, außer die Beziehung ist aus meiner Sicht beendet und war schon sehr überrascht, als mir meine Ehefrau ganz klar erklärte, dass es ihr völlig egal sei, ob ich mit anderen Frauen etwas hätte. Lediglich die gemeinsame Wohnung sei tabu. Ich vermutete ganz stark, dass die Ehe weniger mit "mögen" als mit "Versorgung" zu tun hatte.

Nach dem Tod von Oma 1989 war plötzlich genug Geld in der Kasse. Wir hatten eine wunderschöne fast 100m2 große Wohnung in einem guten Viertel und ich konnte Angelika tatsächlich überzeugen, dass wir EINE Woche Urlaub in Freiburg machen. Der erste seit 1981. Es schien ihr zu gefallen und ich dachte vielleicht gibt es ja doch noch eine Möglichkeit Interessen zu wecken. Leider falsch gedacht. Das auslösende Moment, das endgültige Ende der Ehe zu akzeptieren, kam kurze Zeit später. Schon immer -auch heute noch- ist mein Wunsch einmal New York zu besuchen. Geld war da und ich organisierte heimlich eine 4 oder 5 Tage Reise. Schwiegermutter hatte sich bereit erklärt die Kinder zu versorgen und der Urlaub war genehmigt. Als ich es Angelika mitteilte war ihre Reaktion folgende: "New York? Was soll ich den da? Du weißt doch, dass ich kaum Englisch kann, wie soll ich denn das Fernsehprogramm verstehen?" Ich war fassungslos. Allerdings kam dann der entscheidende Megahammer! Sie führte weiter aus: "Nimm doch deine Kollegin …-eine junge sehr attraktive Frau, mit der ich auch privat viel Kontakt pflegte- mit, der gefällt das bestimmt". Mein Einwand, dass ich ein Doppelzimmer gebucht hatte, war nicht wichtig für sie und sie sagte nur, dass es ja nicht in ihrer Wohnung ist.
Die Reise fand bis heute nicht statt und ich war ab sofort wieder offen für neue Bekanntschaften mit Frauen. Logisch, ein derart gutaussehender, charmanter Mann wie ich hat alle Chancen diesbezüglich. Es dauerte nicht lange und ich lernte eine bezaubernde Frau kennen und die Scheidung nahm ihren Lauf. Leider gelang es mir und meiner zukünftigen 2. Ehefrau nicht, das Sorgerecht für die Kinder zu erhalten. Wir probierten alles, 2 x auch über das Oberlandesgericht. Doch der gegnerische Anwalt war besser und so wage ich zu behaupten, haben ALLE Beteiligten verloren. Ich habe mir bezüglich meiner Ex-Ehefrau nichts vorzuwerfen, doch für die Kinder tut es mir unendlich leid. Für mich selbst kann ich nur sagen, dass die Scheidung ziemliche Narben hinterlassen hat. Wer 15 Jahre mit jemanden gemeinsam ein Leben -im Prinzip ohne Streit- verbringt, hat sehr viel investiert und es gibt -egal wie schmutzig die Scheidung auch war- zumindest bei mir viele schöne Erinnerungen, die ich nicht einfach so wegwerfen möchte.


Wie im vorherigen Beitrag geschrieben, war eine neue Frau an meiner Seite. Neben verschiedenen ernsthaften Schwierigkeiten -die Scheidung war sehr nervtötend- gab es ein schwerwiegendes Problem zwischen Christina und mir. FUßBALL! Während ich eher ein Fernseh-Fan war und immer die Meinung vertrat dass immer die 60ger gewinnen müssen -also auch im Derby- aber ansonsten immer eine bairische gegen nicht bairische gewinnen müssen und somit auch die Roten gewinnen dürfen, war Christina ein Löwen FANATIKER und FC Bayern München HASSER.

In kürzester Zeit gelang es ihr, mich davon zu überzeugen, sie ins 60er Stadion an der Grünwalder Straße zu begleiten. Natürlich in die Westkurve dem Hardcore Fan Bereich. Die Löwen spielten in der dritten Liga und manchmal war die Auslastung im Stadion schon arg niedrig. Doch dann kamen Wildmoser und Lorant und alles änderte sich. Im Nachhinein muss ich gestehen, es war schon eine schöne Zeit mit den ganzen Typen dort. Ob Kurti (I geh oba und schmier eam oane :-)), Christoph, Strowe usw. es war einfach geil.

Dann geschah das Unfassbare. Die Bundesliga Saison 1993/1994 begann mit einer herben Niederlage für die gerade in die 2. Liga aufgestiegenen glorreichen Löwen. Eigentlich rechnete jeder mit einem Kampf gegen den Abstieg und war froh, als sich schon früh abzeichnete, dass Dompteur Lorrant die Jungs im Griff hatte. Die Abstiegsangst war gebannt und etwas Euphorie machte sich breit. Wir kletterten immer höher in der Tabelle. Die Saison neigte sich dem Ende zu und es kam am letzten Spieltag tatsächlich zum showdown zwischen uns und dem FC Sankt Pauli um den 3. Aufstiegsplatz in die 1. Liga.

Punktgleich hatten beide ein Auswärtsspiel zu bestreiten. St. Pauli beim Vfl Wolfsburg und wir in Meppen. Als kleiner Vorteil für uns war das bessere Torverhältnis zu vermerken. Yoooo dann ging der Punk ab. Die Stadt Meppen hatte damals ca 30.000 Einwohner und bestimmt genauso viel Löwen Fans wollten die Mannschaft unterstützen. Soweit ich mich erinnere fasste das Stadion 16.000 Zuschauer und für unseren Verein gab es -eine absolute Ausnahme- 10.000 Karten. Diese waren innerhalb von Stunden ausverkauft. 4 davon (ich hatte damals gute Beziehungen zur Geschäftsstelle) gingen an Christina, Andrea, Reiner und mich. Denn für uns war klar, da sind wir dabei.

Ziemlich früh am Samstagmorgen starteten wir in München und nahmen die ca. 750km nach Meppen in Angriff. Und was soll ich sagen? Wir kamen ohne Probleme (bis auf Bandscheibenschmerzen bei mir) an und stellten fest, Meppen war fest in Münchner Hand. Im Stadion selbst kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass auch nur ein Meppener anwesend war. Das Spiel begann sensationell mit einem Tor durch Peter Pacult bereits in der 3. Minute und spätestens von nun an war den Meppener Spielern klar, dass übermäßiger Ehrgeiz fehl am Platz wäre. Mein Jubelschrei (ich hatte ein kleines Radio dabei und verfolgte über Kopfhörer das Geschehen in Wolfsburg) in der 14. Minute als Wolfsburg in Führung ging löste leichte Irritationen aus. Aber als der Stadionsprecher diesen Spielstand bekannt gab, war nur noch die Hölle los.
Es blieb beim 1:0 und St. Pauli verlor 4:1, somit hatte der glorreiche TSV 1860 München den direkten Durchmarsch von der 3. in die 1. Liga als erste deutsche Mannschaft überhaupt geschafft.
Obwohl die Löwenfans nicht gerade als harmlos bekannt waren, muss ich eines sagen: Respekt! Soweit mir bekannt gab es keinerlei Beschädigungen innerhalb der Stadt. Keine Schlägereien, keine Ausschreitungen durch Betrunkene usw. Auch im Stadion hielt bis zum Schluss die Parole: Blos keinen Spielabbruch provozieren, denn als klar war, dass der Aufstieg feststand kannte die Freude und Euphorie keine Grenzen mehr.
Dass nach Spielende das Tor abgebaut und zerlegt und dass der Rasen etwas gerupft wurde, das versteht sich von selbst. Diese Kosten denke ich hat unser Verein gerne übernommen. Die 750km Heimweg waren anschließend deutlich entspannter als die Anreise und auch hier gab es nach meiner Erinnerung keinerlei Probleme.

Das war jetzt sicher nicht die spannendste meiner bisherigen Geschichten. Doch ich kann nur sagen, dass es für mich ein Tag der besonderen Art war und ich sehr gerne daran zurückdenke. Wer das einmal miterlebt hat, vergisst es nie wieder. Meine Erinnerungen an Meppen sind seither absolut positiv. Was ich damals noch nicht ahnen konnte, ist, dass mir jemand aus Meppen kurze Zeit später sehr viel mehr schenkte als eine wunderschöne Erinnerung an einen grandiosen Tag. Doch davon ein paar Beiträge später.

Nach dem Tod von Oma 1989 und der daraus resultierenden Erbschaft, konnte ich mir doch tatsächlich ein Motorrad leisten. Als kleiner Angestellter im öffentlichen Dienst, war das als alleinverdienender Familienvater von 2 Kindern + Ehefrau nicht möglich gewesen.

Selbst kannte ich mich auf dem Mopedmarkt nicht mehr so aus und dachte mir, da fragste mal deinen Freund Reinhold R. Der ist up to date, zudem Fahrlehrer und könnte mir somit ein paar Auffrischungsstunden geben. Und was sagte der Saukerl sinngemäß: "So aggressiv und aufbrausend, wie du bist, kommt für dich nur ein big bike in Frage. Damit du dich nicht von den kleinen Pinschern provozieren lässt, weil du weißt, wenn du Gas gibst, ist niemand mehr neben dir." Eigentlich eine absolute Unverschämtheit, so friedfertig und lammfromm ich seit jeher bin!

Also folgsam suchte ich nach einem etwas größeren Moped. In Frage kamen eine 1100er Suzi (Suzuki), eine Kawa (Kawasaki) ZZR und eine 1200 FJ Yamsel (Yamaha). Das Kürzel FJ für Franz-Josef (Strauß) war mir gleich sympathisch und sie war mit Abstand die Schönste. Schon war sie gekauft. Nur weil mir die Beschleunigung von 0 auf 100 in 3,6 und auf 160 in 4,8 Sekunden etwas holprig erschien, ließ ich sie beim Deimhard Hanse -ein früherer Schrauber von den Münchner Valley Rockern- ein bisschen aufpeppen und schon waren aus den 98 plötzlich 143 PS geworden.

Es gäbe viele shorties zu schreiben, wie z.B. dass ich mich gleich in der ersten "Fahrstunde" auf die Straße legte, die Rekordfahrt von Mondsee nach München, Livingio - München und zurück an einem Tag oder als sich Christina die Wade am Auspuff anschmorte u.v.m.
Doch nur zwei -eine mit Christina in der Hauptrolle- davon möchte ich für die Nachwelt hier verewigen. Oft waren wir in einer Gruppe von 4 Personen mit 3 Motorrädern unterwegs. Günter R., Gerhard G. und ich mit Christina als Mitfahrerin. So planten wir (ich vermute es war Christi Himmelfahrt) eine 4-Tagestour über Livingio-Meran-Innsbruck-München. Nach meiner Erinnerung war der erste Tag richtig gut und ohne Probleme gelangten wir zur ersten Station in der Gemeinde See, der Eingang zum Paznauntal, im schönen Tirol. Gutes Essen, schöne Zimmer und ein geiles Motorrad vor der Tür. Herz was willst noch mehr?

Der nächste Tag begann leider völlig konträr zum vorhergehenden. Nicht nur dass die Temperaturen empfindlich zurückgegangen waren, nööö der "Salzburger Schnürlregen" hatte eingesetzt. Yoooo und jeder der schon einmal ernsthaft Motorrad fuhr, der weiß dass dies -trotz professioneller Kleidung und Ausrüstung- so ziemlich das "erstrebenswerteste" Lebenselixier ever auf engen Landstraßen und kurvenreichen Gebirgspässen ist. Fast so wünschenswert wie heftiger Durchfall ohne Toilette im Umkreis von 20km.
Wir kletterten missmutig auf die Mopeds, dick verpackt mit Regenkombi über der Rennkombi und unhandlichen Regenhandschuhen und schickten selbst als Atheisten Stoßgebete nach oben und baten um Gnade. Doch wir wurden nicht erhört, eher das Gegenteil war der Fall. Es wurde immer kälter und der Regen stärker.

Irgendwann geriet das ersehnte Ziel in greifbare Nähe. Es musste nur noch der ziemlich dunkle und straßentechnisch nicht beste Tunnel "Munt la Schera" durchquert werden. Dieser ca. 3,5km lange Tunnel ist bei schönem Wetter ein wunderbarer Abschluss bis man sein Ziel --> Livignio in Italien erreicht hat. Die letzten 2 km in den Ort, waren immer schon spannend, denn von Straße konnte man eher nicht sprechen. Gut gemeint vielleicht von Schotterpiste. Und vorher lag die Betonung auf schönem Wetter. Die Überraschung war riesig, als wir durchnässt und halb erfroren aus dem Tunnel wieder ins Freie kamen. Der Regen war vorbei! Stattdessen schneite es ziemlich heftig. Yep, dann kam Christinas -von mir unbemerkt, da ich ständig entweder ohne Visier (scheißkalt der Schnee in der Fresse!) oder mit einer Hand fahren musste, um den Schnee vom Visier zu bringen- großer Auftritt. Als wir am Ziel waren, stürmte von hinten der normalerweise sanftmütige Gerhard heran und machte Christina aber so was von zur Minna: "Ob sie geisteskrank oder lebensmüde sei. Was sie sich dabei dachte auch alle nachfolgenden zu gefährden, wenn es Bäääda auf die Straße legt. usw. usf".
Solange bis ich einschritt und wissen wollte was überhaupt los ist. Es hat doch alles bestens geklappt. Günter R. war übrigens genauso verblüfft. Was war geschehen? Nun Christina konnte wohl die Kälte nicht mehr ertragen und machte einige Freiluftübungen auf dem Sitz und klopfte sich ständig mit den Händen auf die Brust. Zugegeben, das ist bei der Situation nicht die beste Idee. Und mir war klar, warum die gute alte Yamsel vorher so rumzickte.
Christinas Antwort: "Ich dachte erschlagen und überfahren zu werden ist ein schönerer Tod, als zu erfrieren." Yoooo, wo sie Recht hat, hat sie Recht!

Nun der Rest dieser Tour ist schnell erzählt. Ab dem nächsten Morgen herrschte traumhaftes Wetter und nach Überquerung des Stilfser Joch -mit über 2700m Italiens höchster Gebirgspass- kamen Richtung Meran frühlingshafte Temperaturen hinzu. Werde nie vergessen, dass ich die ersten GEBRATENEN Weißwürste auf den Meraner Wochenmarkt gegessen habe. KÖSTLICH! Dann übernachteten wir im herrlichen Hotel Bad Schörgau mit herausragender Küche. Am nächsten Tag dann über Innsbruck die Rückfahrt nach München.

Die zweite verewigte Geschichte ist wesentlich kürzer und nur für mich von Bedeutung, weil ich mich immer wieder an den Schutzengel oder das unglaubliche Glück das Christina und mir zu Teil wurde, erinnern möchte.
An einem schönen Sonntag hatten die üblichen 4 eine griabige, gemütliche Tour im Hinterland eingeplant. Alles chic und wunderbar. Dann geschah das unfassbare. Günter R. vorne, ich in der Mitte, Gerhard hinten. Schön ausgebaute Straße, Geschwindigkeit etwa 120km/h, zwischen Ettal und Schloss Linderhof. Urplötzlich springt zwischen Günter und mir eine Rehkuh mit zwei Kitzen aus dem Graben und will die Straße überqueren. Während die Mutter und das größere Kitz -trotz Gegenverkehr- weiterliefen, kehrte das Kleinste (es war schon an mir vorbei) etwa in der Mitte der Straße um und lief zurück. Ich hatte keinerlei Chance zum Ausweichen, erwischte das Kitz mit dem Vorderreifen und in Sekundenbruchteilen wurde das Reh unter den Motorblock geschoben und bockte mich sozusagen auf.
Obwohl ich ganz sicher nicht zu den besten Motorradfahrern gehörte, reagierte ich reflexartig, unglaublich schnell und richtig. Auch Christina machte wohl instinktiv das einzig Richtige. Sie legte sich auf meinen Rücken und umklammerte mich so fest sie konnte. Dadurch waren wir eine Einheit und sie wurde von mir einfach mitgezogen. Als erstes musste ich das Kitz loswerden. Dazu schmiss ich mich auf die linke Seite, bis das Knie die Straße berührte. Dann trat ich mit voller Wucht gegen das Tier. Es funktionierte, das Reh flog in hohem Bogen in den Graben.

Jetzt war das Problem, dass das Moped abzuschmieren drohte. Also musste ich meine Wenigkeit, Christina und die ca. 250kg schwere Yamsel von der Waagrechten in die Senkrechte bringen. Ich holte jedoch zuviel Schwung und legte mich gleich mal auf die rechte Seite. Bestimmt auch deshalb, damit beide Knie zu gleichen Teilen schmerzten. Also wieder retour und es funktionierte. Dann ausrollen lassen, denn wie gesagt zu Beginn betrug die Geschwindigkeit ca. 120km/h, dann zitternd absteigen und ziemlich dämlich in die Gegend blicken.
Inzwischen war Gerhard auch da und ich habe selten jemand mit einer derart bleichen Gesichtsfarbe gesehen. Er blickte uns beide völlig entgeistert an und sagte wörtlich: "Was für ein Wahnsinn. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, welchen Kranz, welche Blumen ich für euer Grab kaufen werde. Denn das kann man nicht überleben."
Wir haben es glücklicherweise überlebt, das Rehkitz natürlich nicht. Dankenswerterweise kümmerte sich Gerhard um die Abwicklung mit der Polizei und Förster, während Günter zwei völlig geschockte Menschen aufmunterte. Meine gute alte Franz Josef konnte ich sogar noch heimfahren, allerdings sehr langsam und der oben erwähnte Hans stellte sie vollständig wieder her.

Warum ich später meine geliebte Yamsel hergegeben habe, kommt im übernächsten Beitrag.
Wann genau ein Kollege höchst konspirativ auf mich zukam und anfragte, ob ich an einem Nebenverdienst interessiert sei, das weiß ich nicht mehr zu 100%. Nun wer mich kennt, weiß dass nichts so beständig ist wie der permanent über meinem Kopf schwebende Pleitegeier. Also wollte ich natürlich hören, um was es sich handelt. Es stellte sich heraus, dass seine Ehefrau IT-Beauftragte der bayrischen SPD ist. Anscheinend gab es dort ständig Änderungen, was a) den Briefkopf der Partei anbelangte und b) noch viel mehr ständige Änderungen bei den Landtagsabgeordneten. Obwohl die Anzahl der Abgeordneten -damals wie heute- der bayrischen SPD im Landtag eher überschaubar ist.

Da Personal Computer (PC) gerade in Mode kamen, wollten die feinen Abgeordneten jeden noch so unbedeutenden Schwachsinn auf dem Server des Landtags, wie auch auf ihren privaten PCs im Briefkopf platziert haben. Schließlich sollte die ganze Welt von ihrer Wichtigkeit Kenntnis nehmen. Die Problematik des Datenaustausches war unerheblich für mich, denn dafür war die IT-Beauftragte zuständig und erfolgte über ein externes Speichermedium.

Sehr überrascht hingegen hat mich -ich nenne hier nicht den richtigen Vornamen- Christa (IT-Beauftragte) mit der Auskunft, dass eine große bayrische Behörde angeboten hatte, die Änderungen durch ihre Programmierer / Informatiker kostenlos zu programmieren. Zuerst dachte ich an einen Bluff um meinen nicht gerade kostengünstigen Stundenpreis etwas zu drücken. Doch später, als eine gewisse Vertraulichkeit eingetreten war, sah ich tatsächlich Teile des Schriftverkehrs zwischen C. und der Behörde auf ihrem Schreibtisch liegen.
Auf meine Frage, warum sie denn das Angebot nicht angenommen hat, antwortete sie sinngemäß: „Die haben es einfach nicht auf die Reihe bekommen. Ständig gab es Reklamationen.“ Das bestätigte nachhaltig meine Meinung, dass es nicht genügt zu studieren und zu glauben das allein reicht. Programmieren ist eine einfache Sache. Doch niemand benötigt ein neues Textverarbeitungsprogramm, davon gab es schon genug, und zwar riiiiichtig gute. Doch mit den Bordmitteln das Teil so zu programmieren, dass es das macht was der Anwender wirklich braucht, das konnten damals nicht allzu viele. Vielleicht weil Wordbasic und später Visual Basic -völlig zu Unrecht- abschätzig behandelt wurden.

Zum Clou der Geschichte und darüber lache ich heute noch sehr häufig. Eines Tages kam C. auf mich zu und meinte es gäbe Probleme. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen, denn natürlich war ein Backup der Vorgängerversion verfügbar und wird hatten vereinbart, dass ich bei Fehlern 5 Arbeitstage Zeit zur Korrektur hätte.
Doch es ging um ganz etwas anderes. Renate Schmidt war damals die Chefin der bayrischen SPD und hatte auch Bundesebene einige wichtige Posten inne. Ihre Chefsekretärin war -wohl nur für mich- eine reizende ältere Dame. Innerhalb der SPD war sie jedoch gefürchtet wie anno dazumal die Sekretärin von Helmut Kohl. Nach Angaben von C. war sie eine knallharte, bösartige Person, die ihr spezielles Vertrauensverhältnis zu Renate Schmidt massiv ausnutzte, um alle zu schikanieren.

Auf irgendwelchen Kanälen musste sie wohl erfahren haben, dass ein Externer -gar nicht mal so schlecht- Vorlagen und ähnliches programmiert. Sie selbst schrieb höchst selten etwas am PC, nur die vertraulichsten Angelegenheiten oder wenn niemand mehr im Haus war, musste aber den damals verfügbaren (irgendetwas weit vor outlook) Terminkalender für Renate Schmidt nutzen. Yooo jetzt kam sie auf den glorreichen Gedanken, dass sie die Termine in Word verwalten und festlegen möchte und zudem auch verschiedenartig formatieren könnte.
Was für ein Wahnsinn! Natürlich versuchte ich C. davon zu überzeugen, dass dies völliger Unsinn ist und dass es unzählige ausgezeichnete Terminplaner gibt, die für so etwas geschaffen wurden. Doch es half alles nichts, die Chefsekretärin bestand darauf mit mir ein Gespräch zu führen. Mit wenig Elan und noch weniger Enthusiasmus versuchte ich ihr klarzumachen, dass es wenig sinnvoll ist, mit einem Textverarbeitungsprogramm einen Terminkalender zu führen. Nach ca. 20 Minuten meines Monologs kam von der reizenden Dame lediglich „das ist ja entzüüückend“ und wann könnte ich die erste Version testen?

So kam es, dass ich für ein Schweinegeld in Word ein Masterdokument erstellte, was letztendlich aus mehren Tabellen bestand. Leider funktionierte die Excel-Einbindung nicht wirklich gut und die Wordfunktionen -was Datumsberechnungen anbelangte- waren damals eher als spärlich zu bezeichnen. Bei jeder Einspielung einer Betaversion kam von ihr das bekannte „das ist ja entzüüückend“ und am Ende kam es dass die Termine eine der prominentesten Politikerinnen Deutschlands mit Hilfe eines Textverarbeitungsprogrammes gemanagt wurden.
Wie lange das so lief kann ich nicht sagen, denn inzwischen hatte ich eine neue Tätigkeit sowohl im Hauptberuf, wie auch in meiner nebenberuflichen Tätigkeit und mir fehlte schlichtweg die Zeit.
Alle Jahre wieder kommt überraschender Weise gegen Ende des Jahres Weihnachten und Sylvester auf uns zu und zur damaligen Zeit war das noch richtig hektisch bei mir.
Im Büro war ich überwiegend mit Programmierung einer sehr komplexen Wordvorlage beschäftigt, welche nicht nur einfach für den User, sondern sämtliche Belange von „einfachen nicht eingestuften (was eigentlich nicht zulässig war) Schriftstücken“ bis hin zu „streng geheim- Schutzwort Dokumenten“ abdecken sollte. Natürlich auch interner und externer Schriftverkehr einschließlich Bundesadler. Allein für die Gestaltung des von mir „Geier“ genannten Bundesadler waren bestimmt mehr als 20 Besprechungen auf A16 Ebene abgehalten worden. Mal waren die Federn zu fett oder der Schnabel zu krumm. Wäre alles nicht so dramatisch gewesen, wenn a) nicht für jedes Modul permanent unrealistische Zeitvorgaben gemacht wurden und b) mein damaliger Vorgesetzter ein Blinder war, der trotzdem ständig von Farbe sprach. Ich nannte ihn in geringfügiger Abweichung zu seinem Originalnamen despektierlich „Attenzwerg“. Er verbreitete einfach nur Hektik.

Privat war mit Christina alles gut, doch sie hatte -an etwas anderes kann ich mich bei ihr überhaupt nicht erinnern- sicherlich auch genug Stress im Büro. Riesige Probleme bereitete jedoch die gerade ein Jahr zurückliegende Scheidung. Leider gestaltete sich das Verhältnis zu Angelika, der Mutter meiner Kinder sehr schwierig und sie benahm sich nicht gerade korrekt. Doch das ist nicht das Thema hier. Allerdings war die ungeklärte Situation wie wir Weihnachten und Sylvester mit den Kindern verbringen konnten ein ganz erheblicher Stressfaktor. Möglicherweise war es ein Beschleuniger der Katastrophe die in diesem Beitrag beschrieben wird.

Nun auf den letzten Drücker wollte ich am Donnerstag, den 21.12.1995 noch ein Weihnachtsgeschenk für den Vater von Christina, meinen späteren Schwiegervater besorgen. Es hieß damals „langer Donnerstag“ weil die Geschäfte bis 20:30h geöffnet hatten. So fuhr ich vom Büro direkt in die Schiller Straße am Hauptbahnhof, um bei Vobis einen Tintenstrahldrucker zu kaufen. Wie immer war ich zu spät dran, denn Christina und ich wollten am Abend noch zum Schauer Sepp in die Kellerschänke nach Grünwald. Ich muss gestehen, bereits ab hier habe ich erhebliche Gedächtnislücken. Weder weiß ich, ob dort eine Weihnachtsfeier geplant war, noch wie der Ablauf der Festtage mit Kindern und Schwiegereltern abgesprochen war. Erinnern kann ich mich noch, dass ich den Drucker erwarb und eilenden Schrittes Richtung Hauptbahnhof unterwegs war um die S-Bahn nach Fasangarten zu erreichen. Schließlich wollte ich Christina nicht warten lassen. Bereits unterwegs bereitete ich die Fahrkarte vor um stempeln zu können, denn es wurde ziemlich knapp für die S-Bahn.
Ich erreichte das Untergeschoß, wollte die Fahrkarte zum Stempeln in den Automaten stecken und

Yooo ab jetzt folgt -bis auf Widerruf- die Darstellung, wie ich sie selbst nur erzählt bekommen habe. Anscheinend habe ich nicht mehr gestempelt, sondern habe es vorgezogen, mich auf den Boden des Untergeschosses zu legen. Offensichtlich war ich sehr müde, denn augenblicklich verfiel ich in einem ausgiebigen Tiefschlaf, so intensiv, dass mein Herz zu schlagen aufhörte.
Glück1: Zwei Männer waren schlagfertig genug, mich sofort in die richtige Lage zu bringen, meine Kleidung zu entfernen und mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen.
Glück2: Gerade als die Männer anfingen, kam eine Ärztin aus MEPPEN, welche einen Kongress in München besuchte, mit der Rolltreppe an und überblickte sofort was hier abging und übernahm das Kommando. Sie gab die Anweisungen zur richtigen Herzdruckmassage und schickte einen weiteren Passanten nach oben, weil sie sich an ein Rettungsfahrzeug erinnerte. Dem Passanten trug sie auf den Sanitätern zu sagen, dass ein Kreislaufpatient Hilfe benötigt und sie den Defibrillator mitbringen sollten.
Glück3: Die Rettungskräfte hatten anscheinend eine gute Energieversorgung an Board und begannen zu reanimieren. Parallel dazu wurde ich abtransportiert. Als Glück betrachte ich es, dass der Weg zum Großhaderner Krankenhaus mit Baustellen gespickt war und dies war in meinem Zustand nicht hinnehmbar. Stattdessen wurde ich mit Polizeieskorte ins Pasinger Krankenhaus gebracht. Dort wurde ich auf der Intensivstation „gegrillt“ bis wieder ein Lebenszeichen in meinem Körper vernehmbar war. Das habe ich dem Arzt Dr. Wonhas zu verdanken, der einfach nicht aufhörte mit dem Defibrillator. Das hinderte mich allerdings nicht, ihm ein paar Tage später einen Schrecken zu versetzen. Nach meinen Erfahrungen bezweifle ich, ob ich im weltberühmten Klinikum Großhadern auch überlebt hätte. Wahrscheinlich wäre nach dem 5. vergeblichen Versuch der Spruch: „Zeitpunkt des Todes…“ erfolgt.

Nach 45 Minuten kam ich endlich wieder im Diesseits an. Mit angeschlagenem Selbstbewusstsein, denn natürlich beschritt ich die stairways to heaven. Doch da oben an der Pforte wies mich der Türsteher mit einem barschen: „Du kummst do ned rein“ rüde zurück. Dann probierte ich es ganz, ganz unten. Dort öffnete der Chef selbst, bekam schlagartig einen entsetzten Gesichtsausdruck, wedelte mit beiden Händen und rief in Panik: „Besetzt, besetzt, besetzt“. Was blieb mir über, kam ich halt zurück und seither kann ich sagen: „I see the devil in the mirror!“
Nachdem also wieder Leben in meinen Körper eingekehrt war, wurde ich sofort an diverse Maschinen angeschlossen, denn eigenständig lebensfähig war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Zwischenzeitlich war natürlich in der Cincinnati Str. wo Christina und ich wohnten, der Wut-Dampfkessel am Kochen. Zuerst war Christina wütend -nicht vergessen: HANDY war nicht- da wir eine Vereinbarung hatten. Jetzt saß sie da, vollkommen „aufgebrezelt“ und ich kam einfach nicht heim. Nach einiger Zeit kontaktierte sie ein Freunde und rief auch in der Kellerschänke an ob ich dort aufgetaucht sei. Ohne Ergebnis! Nach geraumer Zeit -alles nach Schilderung von Christina- begab sie sich ins Bett und versuchte zu schlafen. Als gegen 01:00h plötzlich Sturm geklingelt wurde, wollte sie zuerst gar nicht öffnen. Sie nahm an ich hätte den Schlüssel vergessen und wollte etwas Rache üben. Als sie jedoch öffnete und von zwei uniformierten Polizisten auf den Vorfall hingewiesen wurde, waren Rachegedanken schlagartig verflogen. Wer Christina kennt, weiß, dass sie eine sehr sensible und emotional reagierende Person ist und diese Nachricht muss die Hölle für sie gewesen sein.
Sie verständigte ihren Vater und gemeinsam besuchten sie den im Koma befindlichen Bäääda. Der Anblick war nicht schön, trotzdem hätte ich meinem späteren Schwiegervater erlaubt ein Foto von mir zu machen, sozusagen als nette Erinnerung. Aber Christina untersagte ihm das. Nun die Auskunft des Leiters der Intensivstation Dr. Wonhas dürfte auch nicht unbedingt zur Beruhigung beigetragen haben. Zu diesem Zeitpunkt war weder das Überleben noch die Wahrscheinlichkeit ohne größeren Hirnschaden davon gekommen zu sein, eher sehr gering.

Doch wie man sieht (es schreibt hier KEIN Ghostwriter) vergeht Unkraut und noch viel weniger da Bäääda nicht. Neben vielen interessanten und manchmal durchaus witzigen Ereignissen im Krankenhaus, schreibe ich nur zwei nieder. Wovon die Erste auch nur den Erzählungen von Christina entspricht, da ich keinerlei Erinnerung von ca. 3 Tagen vor und 9 Tage nach dem Unfall habe.
Wie gesagt es war Weihnachtszeit und immer wieder wurde ich zeitweise von der Herz- Lungenmaschine genommen und aus dem -inzwischen künstlichen- Koma erweckt. Jedenfalls machten die Schwiegereltern in spe und Christina im Krankenhaus Bescherung. Da ich keinerlei Erinnerung hatte und wohl permanent anzweifelte, dass überhaupt Weihnachten sei, wurde die Geschenkeprozedur 6x wiederholt. Doch dann kam der Hit. Es gab als Mittagessen Ente mit Knödel und Soße, nur nicht für mich. Es SOLL wohl so gewesen sein, dass ich gewohnt (schwer zu glauben) temperamentvoll und uneinsichtig verlangt habe, auch einen Teller zu erhalten. Es ging so weit, dass besagter Dr. Wonhas entschied mir tatsächlich einen bringen zu lassen, denn meine Erregung wäre gefährlicher als die zu 100% eintretende Übelkeit.
Warum mir jedoch meine spätere Schwiegermutter ohne jegliche Schutzkleidung, im schönsten Weihnachtsdress, das Essen eingeben wollte, erschließt sich mir nicht. Es kam wie es zu erwarten war. Nach dem 3. Löffel war der Zeitpunkt gekommen ihrer Kleidung ein neues Design zu verleihen. Alles in mir Befindliche begab sich in hohem Bogen und voller Pracht auf ihre Bluse und Rock. Später hörte ich, dass sie darüber doch etwas verärgert gewesen sei. Um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, beschloss ich, erst einmal in Tiefschlaf zu versinken.

Die zweite Sache war die Aktion mit DR. Wonhas. Und ab jetzt sind meine Erinnerungen wieder vollständig vorhanden. Der außerordentlich umsichtige und menschliche Arzt, sitzt eines Tages auf meinem Bett in der normalen Station, allerdings im Intensivbereich, um sofort reagieren zu können. Er erzählt mir die ganze Story was passiert ist, auch mit den Rettungsmaßnahmen und deren Dauer. Ebenso dass die Chance einen derartigen Crash ohne bleibende Schäden zu überstehen bei 1:1.000.000 liegen dürfte. Als er fertig war, bemerkte ich scharfsinnig, dass ich dabei sogar hätte sterben können. Das fand er noch ganz amüsant.
Doch dann entwickelte sich sinngemäß folgender Dialog:
Ich: Wieso haben sie denn nicht aufgehört mit der Wiederbelebung? Wie lange hätten sie denn weitergemacht?
Dr.: Nun wir nahmen von Zeit zu Zeit eine Nadel, stachen in ihr Bein und beobachteten ob es einen Lichtreflex im Auge gab und setzten dann die Aktion fort.
Ich: Das heißt, sie durchaus noch länger weitergemacht.
Dr.: Klar solange noch Hoffnung bestand.
Ich: Okay, dann hätte ich jetzt gerne ihre gerichtsverwertbare Wohnanschrift.
Dr.: Wozu denn das?
Ich: Naja, weil ich sie wegen Körperverletzung verklagen möchte. Ich denke nicht, dass sie die erforderliche Genehmigung hatten, mir kalten, harten Stahl in Form einer Nadel in mein warmes, weiches Fleisch zu rammen.
Es mag jetzt nicht so lustig klingen, wie es tatsächlich war. Hätte allerdings jemand ein Foto seines Gesichtes gemacht, dieses Bild wäre sicher in die engere Auswahl zur Prämierung für den Pulitzer Preis gekommen.

Der Rest ist schnell erzählt. Nach vielen, teils sehr schmerzhaften Untersuchungen konnte keine spezifische Ursache festgestellt werden. Aufgrund der angespannten psychischen Lage wurde einfach Stress vermutet. Es wurde mir ein Defibrillator implantiert und dieser hat bisher 3x massiv ausgelöst. Glücklicherweise schon Jahre nicht mehr und meine Entscheidung diesen -wenn die Batterie leer ist- nicht mehr zu erneuern steht bisher fest.

So das war die letzte Geschichte im 6. Kapitel. Bei der Durchsicht meiner Notizen, stelle ich fest, dass gar nicht mehr so viel aufschreiben Wertes kommt. Insbesondere da ich noch nicht überzeugt bin, von meinen Eskapaden im Berliner Nachtleben und mit der afrikanischen Community zu schreiben.
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