Peter Alexander Christerer Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.

Meine Erinnerungen an ein erfülltes und oftmals spannendes Leben

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Kapitel: 1 - 1960-70 2 - 1971-72 3 - 1973-75 4 - 1975-78 5 - 1978-84 6 - 1984-96 7 - 1996-2004 8 - xx-xx 9 - xx-xx 10 - xx-xx

Kapitel 5 Die große Freiheit, oder auch nicht! 1978 - 1984 Alle als ---> mp3

Verhängnisvolle Isar Bekanntschaft
Urlaub mit Herbert
Himpsl und der Briefkasten
Die Verfolgungsjagd
Verlorene Zeit - die Bundeswehr
Verlorene Zeit - die Bundeswehr Teil 2
Die 1. Hochzeit
Otto Christerer
Tobias - die neue Generation
Die neue Wohnung - Teil 1
Die neue Wohnung - Teil 2
Bierfahrer - ein harter Job
Rudi - Retter in Not
#K05-01 - Verhängnisvolle Isar Bekanntschaftmp3

Da war sie nun endlich: „Die große Freiheit“. Schließlich war ich volljährig, hatte meinen Gesellenbrief in der Tasche und eine Anstellung bei einem Supermarkt mit einem Vielfachen meines bisherigen Gehaltes. Die genauen Zeiten zwischen 08/1978 und 04/1981 sind mir jetzt nicht mehr 100%ig im Gedächtnis, auch hier geschah zu vieles und zu schnell.

Jedenfalls kaufte ich von meinem Freund Günter R. seinen himmelblauen Kadett Kombi, die „blaue Wurst“ für 50,-DM und war stolz wie Oskar über mein erstes Auto. In der Anfangszeit gab es nur das Problem, dass ich zwar das Auto aber noch keinen Führerschein hatte. Da war dann häufiger das in Bayern eingeführte 11. Gebot: „Du sollst dich nicht erwischen lassen“ gefragt. Denn NICHT zu fahren, das war undenkbar! Schließlich war ich ja schon in der Ausbildung für Auto und Motorrad.

Ich kann mich noch erinnern, dass bei der Rückfahrt von Passau (wir besuchten einen Onkel von Herbert, Herbert hatte den Schein schon) ich fuhr und wir 2x ziemliches Glück hatten, einer Verkehrskontrolle gerade noch zu entgehen. Und das 2 Tage vor der Führerscheinprüfung.
Diese stellte dann kein Problem dar. Bei der Auto Prüfung hatte ich das Glück, dass der Prüfer mehr mit seiner Brotzeit, als mit meinen Fahrkünsten beschäftigt war. Die unmittelbar danach stattfindende Motorradprüfung fand in der -mir bestens bekannten- Rohrauer Straße statt und beschränkte sich auf ein paar „Rechts vor Links“ Straßen, einen 8er fahren und eine Gefahrenbremsung, ohne zu blockieren hinzulegen. No Problemo!
Später wurde mir vom Fahrlehrer erzählt, hätte der Prüfer gewusst, dass mir die 900er BMW die direkt vor meiner Lieblingsdisco Holzleg geparkt war, gehörte, (stimmte nicht, sie war vom Freund Gansermeier ausgeliehen) hätte er mir den Schein nicht gegeben. Das konnte damit zusammenhängen, dass wir nach der Prüfung zurück zur Fahrschule (war im selben Gebäudekomplex wie das Holzleg) fuhren. Als er mir den Lappen gegeben hatte, stieg ich auf die Gummikuh, die zudem hinten einen schaurigen Totenkopf und auf dem Tank eine nackte Frau lackiert hatte und gab aber so riiiichtig Gas. Das schien dem Prüfer nicht gefallen zu haben, aber too late!

Dann beschlossen Herbert und ich an einem schönen Sommertag runter an die Isar zu gehen. Warum kann ich nicht mehr sagen, denn Fan von der Isar war ich außer zum Grillen und saufen eher nicht.
An diesem Tag lernten wir zwei Mädchen, Schwestern, kennen. Marion und Angelika S. beide aus München. Und ich denke mal, dass sowohl Herbert als auch ich mehr auf Angelika fixiert waren und wenn ich mich recht erinnere fing Herbert dann eine kurze Bekanntschaft mit ihr an. Nun mir blieb dann halt Marion, bei der das Problem war, dass sie einen Freund mit Namen „Ernstl“ hatte, der allerdings in Österreich wohnte. Ob Marion damals schon bei ihrer Ausbildungsstätte in der Lochhamer Straße wohnte oder noch in der Wilhelm Busch Straße weiß ich nicht mehr. Nur dass wir viel Zeit trotz „Ernstl“ in meinem Gartenhäuschen verbrachten, das ist mir noch gut in Erinnerung.

Irgendwann jedoch entwickelte sich eine nähere Beziehung zu Angelika, der älteren Schwester, allerdings war sie mit ihren Eltern inzwischen nach Erding verzogen. Wie oben schon erwähnt, sind mir die Ereignisse vom exakten Zeitablauf nicht mehr so genau in Erinnerung, jedenfalls war es eine folgenschwere Entscheidung an diesem Tag an die Isar zu gehen, wie ich später noch schreiben werde.



Die große Freiheit bedeutete auch zu verreisen, die „große weite Welt“ erobern. Also beschlossen Herbert und ich im Jahr 1979 zuerst London auf einen Kurztrip zu besuchen, um dann im Sommer eine größere Rundreise mit der blauen Wurst zu unternehmen. Im Gegensatz zu heute waren die Flüge noch richtig teuer, dafür war London noch erschwinglich. Wir buchten eine 4 Tages Reise mit 3 Übernachtungen.
London verlief „eigentlich“ unspektakulär. Piccadilly, Madame Tussauds (damals noch exklusiv) etc. und viiiiel Gin. Bin mir sicher, dass Herbert im Gegensatz zu mir noch eine Reihe Fotos von der Reise hat, nur rückt sie der alte Sack nicht raus. :-)

Natürlich standen auch Spielcasinos auf dem Plan und ein einarmiger Bandit hat meine Reisekasse fast allein vernichtet. Man warf eine Münze ein und mehrere Schieber, schoben im Gerät befindliche Münzen nach vorne und irgendwann sollte dann eine Menge davon „abstürzen“ und ausgezahlt werden. Leider passierte der Absturz nur bei mir im Geldbeutel.

Uneigentlich war der Rückflug. „Bewaffnet“ mit damals supermodernen, hippen Spiegeln auf denen irgendwelche Bilder aufgemalt waren und die keinen Platz im Handgepäck fanden, saßen wir ziemlich beengt mit großen Spiegeln auf unseren Sitzen. Was dann kam war der Horror pur.
In meinem bisherigen Leben flog ich in Maschinen, da musste ich den Kopf einziehen, weil sie so klein waren. Auf dem Flug nach Afghanistan saß ich in der Businessclass auf einer Art Sofa, leider war nur noch eine von 4 Schrauben der Sitzbefestigung intakt, in jeder Kurve fuhr ich Karussell und die Airline hatte aus Sicherheitsgründen keine Landeerlaubnis in Europa. Doch der Rückflug aus London hatte nicht mehr das Stadium „spannend“, nööö das war „schneidig“.

Wir gerieten in derart heftige Turbulenzen, dass das Flugzeug rauf und runter und nach links und rechts driftete, wie ein Kuhschwanz im Orkan. Selbst der Pilot konnte keinen beruhigenden Klang in seine Stimme bringen, als er die Passagiere mehrfach zu beruhigen versuchte. Ich glaube wenn er angefangen hätte zu sagen, bitte sprechen sie mir nach: „Vater unser im Himmel….“ hätten Herbert und ich die Spiegel als Fallschirme benutzt und wären mal kurz ausgestiegen.

Naja ging ja alles gut und wir begannen ad hoc mit den Plänen für die Sommerreise. Ursprünglich war nur ein Aufenthalt auf einem Camping Platz am Gardasee gedacht. Als Zelt sollte der Kofferraum vom Kombi dienen und so hätten wir den See umkreist. Doch dann entwickelte sich ein richtig guter Plan. Wir wollten unbedingt zum Wiener Prater, dann auf Empfehlung vom Vater des Rainer E. an der österreichisch-ungarischen Grenze entlang, weil es da „so hervorragende Speckknödel“ geben sollte, dann über Triest (haben wir nicht gefunden oder Geldmangel für Benzin) nach Venedig. Von Venedig zum Gardasee und dann über den Brenner wieder heim.

Liebe Lesergemeinschaft, jetzt habe ich soeben beschlossen, dass es für ein paar meiner öfter mal nicht ganz gewöhnlichen Urlaubsreisen, einen Sonderteil in meinem „Erinnerungsbuch“ geben wird.
Es werden nicht viele Berichte, aber dafür etwas umfangreicher und nach Möglichkeit mit mehr Bildern versehen. Der Teil ist fertig :-). Guckst du hier

Hier noch die Kurzform unserer Autotour. Wir starteten an einem sonnigen Tag in München und begaben uns direkt auf die Autobahn München / Salzburg / Wien. Beim Tankstopp in Salzburg hatten wir das erste Erlebnis der 3. Art, zumindest was den Ölstand anbelangte. Kein Problem! Weiterfahrt nach Wien zum Prater. Dort gab es einen Zwischenfall mit einer „Dame des leichten Gewerbes“ -die Geschichte kennen meine Freunde längst- welche dafür sorgte, dass seither weit mehr als der österreichische, mehr als der bayrische, der Weaner Dialekt mein absoluter Favorit ist. Ob wir dann die ungarische Grenze entlang fuhren glaube ich eher nicht, auch kann ich mich erinnern, dort Speckknödel gegessen zu haben. Sehr gut erinnern kann ich mich an eine fürchterlich wütende und angriffslustige Dorfjugend, inklusive Flucht in der Dunkelheit. Dann ging es weiter nach Italien. Warum wir nicht nach Triest gekommen sind, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls hatten wir in der Nähe von Udine bei einer Übernachtung ziemlichen Dusel.
Venedig - na ja! Gardasee war Klasse (trotz des unkameradschaftlichen Verhaltens von Herbert, hätte mir aber seit der Kühlschrankaktion klar sein müssen :-)) ) . und dann ging es auch schon wieder heim. Es war ein Superurlaub! Trotz der zwei Autounfälle, bei einem behaupte ich nach wie unschuldig zu sein und beim anderen trägt Herbert einen ganz großen Teil der Verantwortung. Ausführlich hier.


Wie bereits bei Faulheit wird bestraft Teil 1 erwähnt, vermietete Oma einzelne Zimmer an sogenannte „Zimmerherrn“. So auch in dem Anwesen, in welchem sich die Metzgerei Christerer befand. Im Erdgeschoss des Wohnhauses befand sich eine Wohnung, in der ersten Etage, drei einzelne, vermietete Zimmer und im Dachgeschoss ein Zimmer, bewohnt von meinem Bruder Otto und der Speicher.
Von den damaligen Mietern der ersten Etage, ist mir nur noch „Sepp“ und „Herr Himpsl“ in Erinnerung. Wer das vorderste Zimmer bewohnte ist mir entfallen. Das mittlere Zimmer bewohnte Sepp. Dabei handelte es sich um einen kleinen, sehr trinkfreudigen Mann mittleren Alters, der die übel riechensten Füße hatte, die ich in meinem Leben je erlebte. Manchmal stank trotz geschlossener Türe der Gang nach seinen Stinkerfüßen. Sepp wohnte schon lange dort und kleinere finanzielle Engpässe hinsichtlich Miete, glich er regelmäßig wieder aus.

Daran im rechten Winkel anschließend, im sogenannten „Balkonzimmer“, wohnte eine Zeitlang ein gewisser Herr Himpsl (H.). Balkonzimmer deshalb, weil dieses Zimmer eine Balkontüre hatte, die auf das Flachdach der darunter liegenden Metzgerei führte und mit einem Ziergitter von vielleicht 1x2m umgeben war. Die Miete beinhaltete auch, dass Oma 1x in der Woche die Zimmer, das Etagenbadezimmer sowie den Flur reinigte. Das führte sie selbst bis ins hohe Alter aus, obwohl sie ganz sicher nicht unvermögend war und auch eine Reinigungskraft hätte engagieren können.
Bei H. handelte es sich um eine etwas merkwürdige Person. Eine mittelgroße, hagere, durchaus gepflegte Erscheinung, der gerne den Eindruck einer etwas hochgestellten Persönlichkeit vermitteln wollte. Nach meiner Erinnerung war er Ende 50 und musste -nach seinen Erzählungen- während des zweiten Weltkrieges eine schwere Kopfverletzung erhalten haben. Irgendetwas stimmte wohl tatsächlich mit seinen Augen nicht. Heute würde ich ihn als (traditionell) neurotische, paranoide Person einstufen.

Irgenwann gab es zwischen H. und Sepp einen heftigen Konflikt, der sogar in Handgreiflichkeiten mündete und auch zumindest 2x Polizei vor Ort war. Dazu muss man wissen, dass für Vater aber noch mehr für Oma alles was mit Polizei und Justiz zu tun hatte, ihnen großen Respekt abverlangte. Das waren Autoritätspersonen und es war ungebührlich mit diesen berufliche Berührungspunkte zu haben.
Ob sich daraus die Titelgeschichte entwickelte, weiß ich leider nicht mehr. Denn für mich wäre die Ursache für die jetzt folgende Briefkasten Geschichte von hohem Interesse. Jedenfalls setzte H. Oma mit irgendetwas massiv unter Druck. Er drohte ihr wohl mit Polizei und Staatsanwaltschaft. Natürlich wurde auch Vater von ihr informiert, der es zuerst wohl nicht ernst nahm, aber dann doch etwas nervös wurde. Am Rande waren später auch mein Bruder Otto und ich involviert, doch so richtig wichtig erschien uns das nach meiner Erinnerung nicht.

Es kam, wie es kommen musste, die Sache eskalierte. Himpsl setzte Oma und Vater unter Druck indem er behauptete, Vater hätte irgendetwas am Briefkasten von H. manipuliert und mglw. sogar einen Brief der Staatsanwaltschaft entfernt. Er (H.) hätte den Briefkasten mit den Fingerabdrücken von Vater gesichert und zum BKA (Bundeskriminalamt) gebracht. Sämtliche Einschüchterungsversuche unsererseits auch mit „Psychomethoden“ wie Sicherungen rausdrehen oder mehrfaches rhetorisch unheimliches Rufen von „Himpsl wir kriegen dich“ halfen nichts.
Nach meiner Meinung genoss es H. sogar, Oma und Vater so ängstlich, aber auch so wütend zu sehen. Dann wurde -ich denke es war an einem Samstagnachmittag- beschlossen, die Sache zu beenden. Ob ich von Beginn an dabei war oder ich es per Zufall mitbekam, ist mir entfallen. Jedenfalls machten Vati und Otto ziemlich Rabatz vor der Zimmertür von H. Dieser jedoch dachte gar nicht daran, die Türe zu öffnen. Der Konflikt wurde so lautstark ausgetragen, dass ich es durch die geöffnete Balkontüre bis auf die Straße hörte.


Und dann kam mir ein fast schon genialer Gedanke. Ich sah die offene Balkontüre, schätzte die Entfernung vom dem ca. 1 m hohen Gitter bis zur Türe und überlegte wie ich ohne großen Aufwand, aber vor allem leise auf das Dach gelangen könnte. Da ich -im Gegensatz zu heute- damals rank und schlank, kräftig und sportlich durchtrainiert war, beschloss ich über das Abflussrohr der Regenrinne aufs Dach zu klettern, die paar Meter bis zum Gitter geräuschlos zurückzulegen und über das Gitter durch die Türe in das Zimmer einzudringen.
Gedacht, getan! Selten habe ich einen überraschteren und dämlicheren Gesichtsausdruck gesehen, als diesen von H. in diesem Moment. Ich entriegelte die Zimmertür und lies Vati und Otto rein. Yooo da bekamen Otto und ich Kino frei Haus geliefert. Vater war derart erregt, aber auch erfreut endlich im Zimmer zu sein, dass er zur Höchstform auflief. Neben vielen anderen Dingen wollte Vati unbedingt von H. wissen, wo sich der Briefkasten befindet. Dieser sei Eigentum von Oma usw. usf. Himpsl jedoch blieb äußerlich ganz ruhig und behauptete nach wie vor, er hätte ihn zur Kripo gebracht und es sei ihm bereits mitgeteilt worden, dass erhebliche Ermittlungen gegen Oma und Vater in Gang gebracht wurden.

Plötzlich entdeckt Otto unter dem Bett von H. den gesuchten Briefkasten, zieht ihn hervor und gibt ihn Vater. Dieser war völlig verblüfft und erkannte schlagartig die Bedeutung, dass nämlich das was H. bezgl. Polizei und Staatsanwaltschaft sagte, erfunden war. Was dann folgte, ist nur schwer zu beschreiben. Doch ich werde es niemals vergessen und es erscheint wieder bildlich vor mir und lässt mich herzlich lachen.
Vater legte den Briefkasten zur Seite. Im Zimmer befand sich ein Waschbecken, er drehte den Wasserhahn mit kaltem Wasser an und befeuchtete eine Hand. Dann hielt er Himpsl am Nacken fest und klatschte ihm mit den Worten „Wo ist er? Bei der Kripo? Ist dir a bisserl warm da oben? Muss i a bisserl kühlen?“ seine nasche Hand auf die Stirn. Diese Prozedur wiederholte er mehrmals und bei aller Wut und Erregung, die noch in Vater steckte, konnte man die Erleichterung, die ihn befallen hatte, förmlich spüren. Schade dass niemand mehr weiß, was es mit dem Briefkasten auf sich hatte.

Das Ganze dürfte sich im Frühjahr/Sommer 1980 zugetragen haben. Wie es mit Himpsl und Sepp weiterging, das weiß ich nicht mehr. In der nächsten Zeit folgten bedeutende Ereignisse.


Um es noch einmal klar zu sagen: Auf viele der in meinen Erinnerungen veröffentlichten Geschichten bin ich nicht stolz oder will mich gar damit rühmen. Aber es ist ein Teil meines Lebens und dazu stehe ich. Es war so und das ist auch nicht mehr zu ändern. Ich bin der Meinung, dass man zu seinen Taten stehen sollte. Denn am Abend, wenn du deinen Kopf ins Kissen legst, kannst du es nicht leugnen. Ob man es unbedingt der Öffentlichkeit bekannt machen muss, das steht auf einem anderen Blatt und ist jedem selbst überlassen. Ich tue es, weil ihr alle kennt mein Motto: „I don’t care, I don’t give a damn, I don’t give a fuck!“

Bei der folgenden Story handelt es nicht eine besonders aufregende Sache und ich schreibe sie nur deshalb auf, weil sie irgendwie bezeichnend für unser damaliges Verhalten und unseren Fahrstil war. So wie ich, fuhren damals viele meiner Freunde. Zu schnell, zu aggressiv und vor allem mit zuviel Alkohol im Blut. Es war häufig rücksichtslos und unverantwortlich, doch glücklicherweise ist mir nicht ein Unfall bekannt, wodurch aufgrund unseres Verhaltens jemand schlimmer verletzt worden wäre. Und ich schreibe diese Geschichte, weil sie nach meiner Ansicht, auch zum Schmunzeln anregt und ich wieder einmal Glück hatte.

Eines Abends fuhr ich mit meinem BMW 2002ti und Thomas D. als Beifahrer die Aidenbachstraße lang. Den BMW hatte ich von meinem Freund Reinhold „Ritter“ N. gekauft und das war ein Teufelsgeschoss. Ob Reinhold als gelernter Automechaniker daran rumgeschraubt hatte weiß ich nicht mehr, aber er hatte ihm ein kleines Sportlenkrad und enge Recaro Schalensitze mit Hosenträgergurten verpasst. Es war ein Todesgerät! Einmal erinnere ich mich, fuhr ich mit Robert D. (der ältere Bruder von Thomas) ein kleines Rennen gegen seinen nagelneuen BMW 323i und bei bestimmten (sehr hohen) Geschwindigkeiten kamen beim Zurückschalten aus meinem Auspuff Flammen heraus.
Jedenfalls bog ich in die Lochhamer Straße ein und wir sahen kurz danach auf der rechten Seite einen Polizeiwagen stehen. Die zwei dazugehörigen Polizisten kontrollierten auf dem Gehweg eine jüngere Frau, die mit ihrem Rad unterwegs war. Thomas und ich waren gut gelaunt und wir wollten etwas Schabernack mit den Polizisten treiben. Also schaltete ich einen Gang zurück und trat das Gaspedal voll durch. Das Ding ging ab wie eine Rakete und verursachte einen Höllenlärm.

Heute wüsste ich, dass das nicht die beste Idee ist, anzunehmen dass Polizeibeamte nur weil sie etwas älter und ein bisschen korpulent sind, nicht mehr schnell sein können. Wir waren noch nicht mal bis zur Drygalski Allee (ca 1km?) gekommen, da sahen wir im Rückspiegel die volle Festbeleuchtung des Streifenwagens. Keine Ahnung, warum wir die Entscheidung trafen, Vollgas zu geben und zu verschwinden. Möglicherweise weil sich der Kofferraum des BMW nicht öffnen lies. Dieser hatte anstelle des Schlosses ein Loch und war mit einer Eisenkette und Schloss verriegelt. Nur leider hatte ich den Schlüssel nicht mehr.
Klar war uns, dass die „Flucht“ nicht lange dauern durfte. Hinter uns das „19er“ und vor uns das „18er“ Polizeirevier. Volle Pulle vor zur Forstenrieder Allee, rechts abbiegen und dann nach ein paar Meter wieder rechts auf einen damaligen „Trampelfad“ bis zur Filchner Straße und dort auf dem Parkplatz vorm Autohaus Christl stehenbleiben. Licht aus und beide zusammengefaltet unter das Armaturenbrett. Yoooo funktionierte! War besonders bei mir aufgrund meiner Länge und dem im Weg befindlichen Lenkrad etwas schwierig.

Irgendwann hatte ich das komische Gefühl, dass sich jemand außen am Auto befand. Und tatsächlich nach einer gefühlten Ewigkeit klopfte jemand massiv an die Fensterscheibe der Fahrerseite. Shit, wir waren aufgeflogen. Klar jetzt folgte die übliche Prozedur mit Fahrzeug- und Führerscheinkontrolle. Dann gab es noch eine kurze Diskussion über den Kofferraum und dann kam der ältere Polizist zum eigentlichen Thema und es entstand sinngemäß folgender Dialog:
Er: „Sag mal, bist du nicht der Bub vom Metzger in der Reismühlenstraße?“
Ich: „Ja scho“
Er: „Du weißt was diese Fahrt für dich und deinen Führerschein bedeuten kann?“
Ich: „Nicht ganz genau“
Er: „Also entweder wir machen es jetzt offiziell oder wir lassen Gnade vor Recht walten.“
Ich: „Ich bin ganz eindeutig fürs letztere“
Er: „Dann werde ich zu deinem Vater gehen und ihm sagen, dass sich sein Sohn im Anfangsstadium eines Verkehrsrowdys befindet. Und DU sagst ihm, dass wir nächste Woche eine größere Feierlichkeit aufm Revier haben und wir bei ihm eine größere Menge an Brotzeit bestellen werden.“
Ich: „Dös mache ich ganz bestimmt“
Bevor sich die freundlichen Herren verabschiedeten, wollte ich wegen meiner Neugierde noch wissen, wodurch sie uns gefunden haben.

Die Antwort war verblüffend, aber einleuchtend. Er sagte: „Mei Bua, wenn ma solche Negatricks anwendet, dann sollte man das nicht auf einen staubtrockenen Kiesboden machen. Die Staubwolke war bestimmt a no am Stachus zum segn“. Und sein dreckiges Lachen habe ich heute noch in den Ohren. Ob ich die Brotzeit bei Vater bezahlen musste, weiß ich nicht mehr. Zuerst war er richtig wütend über mich, aber als er „staubigen Boden“ hörte, feixte er bis über beide Ohren. Und ich denke kurz darauf haben sich der BMW und ich voneinander verabschiedet und ich stieg auf einen goldfarbenen Simca 1301/1501 um.


Lange war ich nicht bei der Firma Tengelmann als Metzgergeselle beschäftigt, denn ich folgte dem Ruf des Geldes. Dies geschah durch Reinhold N. der als Bierfahrer bei Hacker Pschorr tätig war und deutlich mehr Cash in der Tasche hatte als ich. So kam es, dass ich im Oktober 1979 bei Hacker Pschorr als sogenannter Springer im Bereich München Stadt, da ich nur den Führerschein Klasse 3 (B) hatte, anfing. Yep, da kam Knete in die Tasche. Genauso rau wie der Metzgerberuf, nur etwas anstrengender.
Doch dann kam der Hammer! Bei meinem schlechten Musterungsergebnis durch das Kreiswehrersatzamt mit der Bewertung 3 mit Einschränkung (ab 4 wurde man zurückgestellt), dachte ich, dass es ewig dauern würde, bis ich zum Wehrdienst eingezogen würde. Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen die Bundeswehr hatte (damals kannte ich den Verein noch nicht!), sondern dass ich damals wie heute es nicht ausstehen kann, wenn ich nach „Befehl und Gehorsam“ handeln soll und zusätzlich ging es schlicht und ergreifend um die Kohle. Da ich als Bierfahrer richtig ranklotzte, war das Einkommen beim Bund nur höchstens 10-15% des Bisherigen.

Der Einberufungsbescheid kam und da stand, dass ich mich am 02.01.1980 bei einer Kaserne in Murnau (Oberbayern) zu melden hätte und meine 15 Monate Wehrdienst anzutreten hätte. Sofort trug ich in meinem kleinen Taschenkalender den Spruch aus Ludwig Hirsch Song 1928 Dieser Tag sei in alle Ewigkeit verflucht“ ein und war geschockt.
Also meldete ich mich brav am 02.01.1980 bei der angegebenen Kaserne und das Chaos begann! Viele aufgeregte -zum Teil noch mit Restalkohol belastete- junge Burschen, total überforderte Bundeswehr Logistiker und völlig deplatzierte Unteroffiziere / Feldwebel, die meinten mit Geschrei kann man etwas verbessern, was schon völlig verkackt ist. Das Ende vom Lied an diesem Tag (gegen 16:00h Abfahrt) war, dass ich mit etlichen anderen in einem Bundeswehrbus ins ca. 200km entfernte Sigmaringen (Baden Württemberg) gekarrt wurde und dort die nächsten 3 Monate meinen Grundwehrdienst verbringen sollte. Es war tiefster Winter und ich musste mein Auto - jetzt steht für mich fest, ich hatte ZUERST den Simca und dann den BMW, somit ist die vorherige Geschichte eigentlich erst nach der Bundeswehr entstanden, aber so wichtig ist das nicht ;-) - einen altersschwachen Simca 1301/1501 auf dem BW Parkplatz zurücklassen und konnte mich fortan mit „Gelbfüssler“ rumschlagen.

Aber wie so oft im Leben hat das, was schlecht beginnt doch noch ein gutes Ende (und umgekehrt). Nach 5 Wochen kam ein Hauptgefreiter aus dem Geschäftszimmer zu mir und meinte (der mochte mich, weil ich ihm das Weißwurst zuzzeln beibrachte) ob ich Lust hätte schon nächste Woche zu meiner Stammeinheit in Starnberg versetzt zu werden und dort den Führerschein der Klasse 2 („C“) zu machen. Joooaaa Weihnachten und Ostern trafen zusammen und ab ging es 1 Woche später Richtung Heimat. Das war zusätzlich extrem wichtig, denn genau in dieser Woche begann für den Rest der Sigmaringer eine Winterübung (Biwak) in Stetten am kalten Arsch (äh kalten Markt) und das war nicht erstrebenswert.
Weitere 6 Wochen später hatte ich den Führerschein in der Tasche und wusste, dass nach der BW der Job bei Hacker noch mehr Kohle in die Kasse spülen wird.

So jetzt hieß es nur noch 12 Monate überstehen und das war schwieriger als ich dachte. Man kann es durchaus den Kampf vom Bäääda gegen die Obrigkeit nennen. Zumindest einen Kurzroman könnte ich über die Zeit beim 3. Luftlandefernmelde 9 Bataillon schreiben, aber ich belasse es bei für mich drei speziellen Vorgängen. Vorausschicken muss ich noch, dass wir eine Spezialkompanie waren, die einen sogenannten -rund um die Uhr besetzten- 5-Tonner vor der Türe hatte, der vollgestopft war mit Funkutensilien und als „echter“ Alarmposten galt. Innerhalb von 12 Monaten sollte jeder Mannschaftsdienstgrad 5x für jeweils eine Woche in diesem LKW im 24 Stunden Schichtdienst tätig sein. Ich denke, dass ich bis heute den Rekord halte, was die Strafbereitschaften anbelangte. Ich schaffte es neben den 5 regulären auf 17 weitere Wochenbereitschaften.
So wichtig war mir das nicht, denn schließlich fuhr ich -wenn keine Übung stattfand- ohnehin jeden Tag nach Hause und chronisch bankrott war ich zudem, das heißt Discobesuche am Wochenende waren schwierig.

Das Erste betrifft die Bundeswehr nur sekundär. Mein rechter Oberschenkel machte seit längerem Probleme und das war eine Spätfolge von der Verletzung wie in Faulheit wird bestraft! Teil 2 beschrieben. Ich hatte einen Narbenbruch und das wurde im BW-Teil der Klinik am Romanplatz nochmals operiert. Urplötzlich bekam ich Besuch von Angelika S. die lady beschrieben in Verhängnisvolle Isar Bekanntschaft. Die Beziehung war eigentlich längst beendet und ich weiß nicht (wahrscheinlich durch ihre Schwester Marion) woher sie überhaupt wusste, dass ich im Krankenhaus bin. Wie die Geschichte mit ihr weiterging steht in der nächsten Story, jedenfalls beeinflusste dies mein ganzes weiteres Leben.

Nun dass ich nicht der Klügste und eher einfach strukturiert bin, gebe ich ja zu. Aber selbst mir leuchtete z. B. nicht ein, welchen Sinn es haben sollte, von Montag - Freitag zu einem (der ganze Zug war damit beschäftigt!) Unimog zu gehen, in diesem jedes Schräubchen zu zählen, fest verschließen, um es am nächsten Tag zu wiederholen, ohne dass jemand das Fahrzeug auch nur berührt hatte. Klaro dass ich meinen Unmut darüber kundtat, was dann meistens eine DIN A 4 Seite Ausarbeitung nach Dienst zur Folge hatte.
Einmal kann ich mich erinnern, half mir mein Bruder Otto. Dann lieferte ich eine Ausarbeitung vom Feinsten ab, mit solch dämlichen Fragen ob ein Soldat (1980!) bei Regen mit unter den Schirm darf, wenn er sich in Damenbegleitung befindet oder nicht. Gleichzeitig gab ich eine förmliche Beschwerde ab, denn wir schrieben, dass ich länger als 60 Minuten gebraucht hätte und das wäre nicht zulässig. War fetzig, aber nicht die beste Idee! Denn beim nächsten Mal musste ich nach Dienstschluß Pause machen, Abendessen empfangen, danach 1 Stunde ruhen und dann unter Aufsicht vom UvD (Unteroffizier vom Dienst) 60 Minuten Ausarbeitung schreiben. Dass ich nur 2 Zeilen schrieb, war unerheblich, jedenfalls dauerte es deutlich länger als ich für das Abschreiben einer DIN A4 Seite gebraucht hätte.

Weiter geht es zum Finale bei "Verlorene Zeit - die Bundeswehr Teil 2"


Sehr schnell begriff ich, dass es durchaus von Vorteil sein konnte, sich mit dem Spieß (Kompaniefeldwebel) gut zu stellen, das konnte zu mancherlei Vergünstigungen führen. So bastelte ich z. B. über 2 Monate in einem kleinen Raum Schlüsselanhänger, damit die Stubenschlüssel nicht mehr ins Gelände mitgenommen wurden. Natürlich war ich in dieser Zeit von allem anderen freigestellt, so ausgeschlafen war ich seit Jahren nicht mehr. Es war zwischen ihm und mir eher eine HassLiebe, denn durch meine unangepasste Art, manchmal auch sehr aggressiv, sorgte ich immer wieder für erheblichen Ärger. Dann war es wieder einmal soweit, dass ich „diszipliniert“ werden musste und mir der Spieß eine drakonische Strafe (wie z. B. Fahrer vom OvD -Offizier vom Dienst- am Neujahrstag) auferlegte. Doch einmal ging er zu weit!

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Warum ich die Strafe bekam, weiß ich nicht mehr. Aber ich sollte für unseren Zug im Stockwerk, die Toiletten- und Badräume desinfizieren und reinigen. Das war eindeutig unter meiner Würde! Pech für ihn und die ganze Kompanie, dass er vergaß mir eine Einweisung zu geben oder mich wenigstens darauf hinzuweisen, die Beschreibung zu lesen. Kommentarlos gab er mir einen vollen 10 Liter Kanister, an dessen Seite ein Totenkopf mit einem roten Kreuz zu sehen war.
Logisch las ich die Beschreibung und da stand, dass man eine Verschlusskappe auf 10 Liter Wasser geben sollte und nur bei geöffneten Fenstern damit arbeiten darf. Hahaha, ich wollte schon immer meine Gasmarie (ABC Schutzmaske) im Ernstfall testen. Ich öffnete im Duschraum den Kanister und verteilte die kompletten 10 Liter auf dem Boden. Yooo, das Ende vom Lied war, dass das gesamte Gebäude evakuiert werden und eine Spezialfirma anrücken musste, um das Zeug zu beseitigen. Der Geruch von Chlor blieb tagelang und alle waren ziemlich sauer auf mich waren, weil das Haus den ganzen Tag nicht betreten werden durfte.
Aber ich ging straffrei aus --> keine Einweisung, hahaha.

Mittlerweile war Mitte Mai und es zog sich ziemlich dahin. Meine Taktik häufig den Sanbereich aufzusuchen, wenn Formalausbildung oder eine unangenehme Tätigkeit im Freien anstand, war auch schon ziemlich ausgelutscht. Der Stabsarzt hatte mich auf dem Schirm und neigte langsam dazu mich übers Wochenende auf Station zu legen. Also musste was Handfesteres her. Ich dachte an Kreislaufregulationsschwierigkeiten, die sind nur schwer nachweisbar.
Klar roch der Stabsarzt den Braten und schickte mich ins Bundeswehrkrankenhaus Fasangarten zum BelastungsEKG. Dort konnte ich gar nicht anders. Ich legte eine Superleistung hin, denn ich war wirklich austrainiert. Als mir der Arzt die Auswertung präsentierte, kam der Hammer!

Kein Mensch soll nochmal sagen, ein Arzt hätte keine emphatischen Gefühle. Er setzte sich neben mich, klärte mich über die Top Ergebnisse auf und dann hätte er mich fast in den Arm genommen und faselte irgendetwas von, ob ich psychische Probleme oder sonstige schlimme persönliche Belastungen hätte. Völlig perplex antwortete ich wahrheitsgemäß mit nein und wollte wissen wie er auf so etwas käme. Da zeigte er auf meine linke Ellenbogenbeuge und Tatsache, dort waren echt kleine rote Pünktchen zu sehen, die verdächtig nach Einstichen von Spritzen aussahen und er wohl dachte, ich sei ein Junkie.
Als ich ihm die Geschichte erzählte wie es dazu kam, lachte er Tränen und ward fortan sehr hilfsbereit. Zwei Tage vorher war Marion bei mir und wie so häufig hatten wir eine temperamentvolle Auseinandersetzung. Dabei schlug sie mir mit ihrer Haarbürste eben genau dorthin und daraus entwickelten sich, die Pünktchen.

Ich dachte schon das wars und die Kreislauflegende ist vorbei, da kam mein neuer „Freund“ nochmal mit einer Frage. Er wollte wissen, warum ich -bei diesen Superwerten- ausschließlich durch den Mund und nicht durch die Nase atmete. Schlagartig fiel mir mein Vater ein, der öfters zu mir sagte: „Bua dumm derfst ruhig sei, aber dumm anstellen derfst di ned“. Also sagte ich sofort, dass ich öfters durch die Nase keine Luft bekomme.
So jetzt schreibe ich die Kurzform, denn die Geschichte würde zu lange dauern. Der Arzt brachte mich zum Röntgen und mit dem Ergebnis gingen wir zum Chefarzt der HNO Abteilung. Man stellte irgendetwas Schlimmes (hahaha wurde bis heute nichts daran getan) in den Nebenhöhlen fest und riet zur Operation. Ich lehnte ab und verwies darauf, dass dies mehr sporadisch auftaucht und mit Schwindelgefühlen und Kreislaufschwierigkeiten einhergeht, mich der Arzt in der Kaserne aber eher als Hypochonder betrachtet. Yep ich sollte kurz den Raum verlassen, weil der Chefarzt mit dem Stabsarzt in Starnberg telefonieren wollte und schon hatte ich den Jackpot geknackt!
Für die restlichen mehr als NEUN Monate war ich Außendienst und Sport nach eigenem Ermessen befreit. Das sorgte gleichermaßen für Ärger, Besorgnis aber auch Bewunderung von denen die mich kannten und wussten dass ich (damals) nicht wirklich erkrankt war.
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich bei der Bundeswehr vieles erlebt habe in diesen 15 Monaten, es aber eine ziemlich sinnfreie Veranstaltung war. Was solls überlebt habe ich es und wahrscheinlich habe ich sogar ein paar Dinge (außer LKW fahren) gelernt. So ab jetzt beginnt wieder ein neuer Lebensabschnitt in meinen Erinnerungen, dieser beginnt mit der 1. Hochzeit.


Wie im Beitrag Verlorene Zeit - die Bundeswehr beschrieben, besuchte mich Angelika S. im Krankenhaus. Zwar hatten wir die „Beziehung“ schon einmal beendet, aber ich muss gestehen, ich war schon noch etwas verliebt in sie. Jedenfalls beschlossen wir, es noch einmal zu probieren und es wurde eine feste Verbindung daraus. Doch wie sang schon Wolfgang Ambros einmal: „Ex ist Ex und aufgewärmt ist nur Gulasch gut“.
Etwas schwierig gestaltete sich das Ganze, da sie inzwischen mit ihren Eltern nach Erding verzogen war und ich noch in Starnberg stationiert war. Doch glücklicherweise wohnten zwei Kameraden in der Nähe von Erding und wir gründeten eine Fahrgemeinschaft, mit mir als Fahrer. Da waren teilweise schon riskante Fahrmanöver zu beobachten, bei unserer täglichen Tour, speziell morgens um 05.00h. Die Wochenenden verbrachten wir dann meist bei mir im Gartenhaus.

Oft wird von jungen Leuten belächelt und nicht für wahr genommen, wenn ältere Ratgeber sagen, dass man sich Zeit lassen soll und man mit 19/20 Lebensjahren noch nicht die Tragweite einer festen Verbindung überblicken kann. Heute kann ich sagen: das stimmt! Bereits damals hätte ich erkennen müssen, dass sich unsere Einstellung zum Leben und auch die Zielsetzung für die Zukunft nicht nur nicht deckten, sondern in völlig unterschiedliche Richtungen zeigten.
Doch natürlich gefiel es mir als Macho der ich damals war - manche späteren Freundinnen behaupteten, das sei ich immer noch. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen ;-) -, eine Freundin zu haben, die widerspruchslos meine verrückten Ideen akzeptiert und auch meine Aktivitäten und Freiheitsdrang toleriert und zu allem ja und amen sagt. Dass sie öffentliche Veranstaltungen, „Rausgehen“ und selbst Familienfeiern verabscheut und es für sie sogar Stress bedeutete, nahm ich nicht zur Kenntnis oder ignorierte es. Klar fand ich es toll, zwar eine feste Freundin zu haben, dennoch mich alleine in den Kneipen und Discos austoben konnte.

All das wäre nicht so schlimm und auch nichts Besonderes, doch wir beschlossen sehr schnell, dass Angelika die Pille absetzen soll und wir eine Familie gründen wollen. Wir wollten „junge“ Eltern und nicht so konservativ wie unsere Eltern sein. Dass konservativ nichts mit jung zu tun haben muss, hätte mir klar sein können. Meine Eltern waren bei ihrem ersten Kind auch erst 22 Jahre alt. Es dürfte etwa März/April 1981 (vielleicht als Geburtstagsgeschenk?) gewesen sein, als sie mir mitteilte, dass sie schwanger sei. Die Freude war groß aber mir wurde auch klar, dass jetzt Schluss mit lustig war und vor allem das Projekt Wohnung in Angriff genommen werden musste.
Doch damals wie heute waren LKW Fahrer gesuchte Arbeiter und ich wusste zudem, dass die Firma Hacker-Pschorr über einen großen Immobilienbestand verfügte. So kam es, dass wir zeitnah eine 3-Zimmer Altbau Wohnung in München-Laim(?) erhielten. Dazu später mehr.

Klar war für mich, dass wir heiraten sollten und Angelika nahm den Antrag an, wie wir es bereits beim Absetzen der Pille angesprochen hatten. Ob mir damals das Gedicht von Friedrich Schiller „die Glocke“ bekannt war und ob ich den berühmten Vers:

Drum prüfe wer sich ewig bindet
ob das Herz zum Herzen findet.
Der Wahn ist kurz
die Reu ist lang.

kannte weiß ich nicht mehr, berücksichtigt hätte ich ihn ohnehin nicht.

Ebenso ist mir nicht mehr erinnerlich ob ich zu diesem Zeitpunkt schon von der schweren Erkrankung meines Vaters wusste. Auffallen hätte mir allerdings können, dass mir meine zukünftige Ehefrau keine große Hilfe bei der Organisation von den notwendigen Erledigungen war. Naja sie war dafür schwanger. Die Feierlichkeiten sollten in der Gaststätte von Hans, einem ehemaligen Hacker-Pschorr Kollegen, in Gauting stattfinden. Bei der Wohnung machte ich mit Erfolg in der Firma Druck, aber ich klotzte auch riiiichtig ran. Klar dass ich jetzt Springer auf den großen LKWs war, denn meinen BW Führerschein habe ich pünktlich zum 21. Geburtstag umschreiben lassen.
Ich wollte die großen Touren haben, denn mir war klar, dass es jetzt knapp werden würde im Geldbeutel. Alleinverdiener, Mietkosten, komplette Wohnungseinrichtung und bei beiden waren keine Geldreserven vorhanden. Leider ging es Vati immer schlechter und er lag im Martha Maria Krankenhaus an der Wolfratshauser Straße. Ich wollte die Hochzeit absagen, aber ich werde den Blick und die Worte von ihm nie vergessen, als er sagte: „Wenn du das tust, bin ich todunglücklich und kann nicht in Frieden sterben.“

Also heirateten wir am 01.06.1980 am Standesamt in München an der Ruppertstraße. Die Feierlichkeiten in Gauting hatten wir abgesagt und ich wollte nicht einmal mit den Trauzeugen noch Kaffeetrinken gehen, was bei meinem damaligen Schwiegervater auf Unverständnis stieß. Doch wir setzten uns in ein Taxi und fuhren in vollständiger Hochzeitskleidung ins Krankenhaus. Und auch diese Freude in den Augen meines todkranken Vaters werde ich niemals vergessen, das war mehr Wert als jede Torte!

Am Abend fand noch ein kaltes Buffet nur mit Freunden statt, dies wiederrum erregte Missfallen bei Oma und Liane. Doch ohne irgendetwas wollte ich den Tag auch nicht verstreichen lassen.


Mein Vater Otto Christerer, wurde am 10.08.1931 in München geboren.

Wenn ich an die Machtergreifung der Nazis 1933 denke, kann ich mir vorstellen, dass es ganz sicher keine leichte Kindheit für ihn war. Zusätzlich war er ein uneheliches Kind, was zu damaliger Zeit sicher nicht das hightlight der Familie darstellte. Trotz des intensiven Versuchs mich an irgendetwas über Vatis Kindheit zu erinnern, kramte ich vergebens in meinen kleinen (immer weniger werdenden) grauen Zellen.

Das Einzige woran ich mich erinnere ist, dass er erzählte wie er als Jugendlicher nach dem 2. Weltkrieg Fleisch vom Land ( wahrscheinlich von der Holledauer Bauernverwandtschaft ) nach München schmuggelte. Er band sich Stücke wie z.B: ein Schweinswammerl um den Bauch und verbarg es unter der Oberbekleidung. Was sich wie ein nettes Lausbubenstück anhört, war damals ganz sicher nicht lustig. Und ich denke, die Alliierten hätten selbst bei einem 15 jährigen kein Auge zugedrückt.

Erst durch meinen Bruder Otto habe ich jetzt mehr über ihn erfahren und sogar Briefe die Vater aus dem Kinderheim in Landau an seine Mutter (meine Oma) schrieb, als Foto erhalten.

Als Kind war er für mich einfach DIE Autoritätsperson. Zwar manchmal streng, doch immer warmherzig und gutmütig. Für sich spricht, dass ich mich nur an zwei (es waren sicher mehr, doch die Zeiten waren andere und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob Kinder und Jugendliche heute ohne „Gewalt“ eine bessere Erziehung erfahren) Ohrfeigen erinnern kann. Und beide Male war im Prinzip Otto schuld ;-). Vati wollte partout nicht, dass ich rauche - beide Ottos in der Familie taten es aber selbst! - ( siehe Der arme Max) und nicht „massiv“ belogen werden (siehe Frösche fangen). Wobei die Lüge erst durch den Verrat von Otto aufkam.

Klar war dass ich unbedingt so werden wollte wie er und eigentlich immer auch Metzger werde wollte. Doch je älter ich wurde, desto schwieriger wurde es zwischen uns, obwohl wir „in der Sache“ eigentlich gleichgeschaltet waren. Es eskalierte immer weiter bis hin zum traurigen Finale Wer Eltern hat, soll….. Und so kam es, dass ich eigentlich erst als junger Erwachsener Zugang zu ihm fand.
Vater selbst fand nach dem Horror mit dem Tod von meiner Mutter und ihm wieder einmal schmerzhaft gezeigt wurde, dass das Leben nicht nur Pralinen für einen parat hält, mit Liane noch einmal die große Liebe. Sicherlich war auch das Verantwortungsgefühl und die Fürsorge für mich von großer Bedeutung, dass er ohne das „Trauerjahr“ abzuwarten schon im August(?) 1973 - sehr zum Ärger von Oma - wieder heiratete.

Im September 1977 wurde seine Tochter Kathrin geboren und das Glück schien perfekt. Doch das war ein Trugschluss! Im Frühjahr 1981 wurde ohne Vorwarnung die Diagnose Dickdarmkrebs gestellt und er kam in das Krankenhaus Martha Maria in München. Dieses sollte er nicht mehr verlassen. Wie hier beschrieben bestand er darauf, dass meine am 01.06.1981 geplante Hochzeit stattfinden soll. Leider erlebte er die Geburt seines ersten Enkels - Bernhard, der Sohn von Otto - auch nicht mehr.

Lieber Vati, wo immer du auch jetzt sein magst, für mich warst du der beste Vater, den man sich wünschen konnte. Wer so eine Kindheit mit Nazizeit, Weltkrieg und Nachkriegszeit erlebt hat, wer nicht nur eines seiner eigenen Kinder zu Grabe getragen hat, wer mit 41 Jahren seine Ehefrau verliert und trotzdem immer fleißig, aufrecht und fröhlich durchs Leben geht, der verdient allerhöchsten Respekt! Ich bedauere zutiefst mein Verhalten dir gegenüber in den Jahren 1976-1979 und hoffe inständig, dass du jetzt ein glücklicheres Dasein hast.
Dass dieser Mann mit 49 Jahren auch noch einen 3 Monate andauernden, grausamen und schmerzhaften Todeskampf ohne jede Chance erleiden musste, empfinde ich als außerordentlich ungerecht.
Am 26. Juni 1981 verstarb mein Vater Otto Christerer.


R.I.P. Vati und zeig es ihnen, was ein guter Metzger im Himmel alles kann!


Wie im vorherigen Beitrag beschrieben, war das Jahr 1981 in den ersten 7 Monaten bereits sehr ereignisreich. Der Tod meines Vaters war ein riesiger Schock, obgleich es nicht überraschend kam. Selbst die Beerdigung konnte ich nur besuchen, nachdem mir mein damaliger Hausarzt Dr. Schmitt zwei Spritzen verabreicht hatte.
Doch wie so oft passt auch hier das Zitat von Robert Frost, einem amerikanischen Dichter:
„Ich kann das, was ich über das Leben gelernt habe, in drei Wörtern zusammenfassen: Es geht weiter!“

Und es blieb auch nicht viel Zeit zum Grübeln, denn die Schwangerschaft meiner 1. Ehefrau schritt voran, eine Wohnung musste her und dementsprechend auch die Einrichtung. Der Job als Bierfahrer bei Hacker Pschorr war körperlich sehr anstrengend und als Springer konnte ich auch keine festen Zeiten einplanen. Bereits zu diesem Zeitpunkt begann ich den Fuhrparkleiter zu bearbeiten, dass ich eine eigene Tour im Großraum München möchte, was für einen 21 jährigen ziemlich unverfroren war.
Die Schwangerschaft selbst verlief, nach meiner Erinnerung, bis auf ein paar übliche Befindlichkeiten und Eisenmangel bei Angelika völlig normal. Heute ist mir der ganz genaue zeitliche Ablauf nicht mehr erinnerlich. Jedenfalls war Angelika bereits ein paar Tage vor der Geburt in der Frauenklinik an der Taxisstraße in München.

Die Geburt zog sich hin, so dass irgendwann Wehen Tropfen verabreicht wurden, um die Geburt einzuleiten. Leider bemerkten die Geburtshelfer viel zu spät, dass Tobias feststeckte und wohl auch teilweise zu wenig Luft bekam. Erst nach geraumer Zeit wurde ein Kaiserschnitt durchgeführt und wenn ich mich recht erinnere kam Tobias in frühen Morgenstunden des 09. November 1981 zur Welt.

Zuerst nahm alles seinen gewohnten Gang. Wir waren junge, völlig unerfahrene Eltern und manche Auffälligkeiten wurden ignoriert oder von anderen Eltern mit Worten wie „Ach das wird schon, du musst ein bisschen Geduld haben“ etc. beschwichtigt. Erst als wir einen neuen Kinderarzt in Agnes Bernauer Straße aufsuchten, stellte dieser bei der Vorsorge Untersuchung U 9(?) ein Entwicklungsdefizit und eine Teilleistungsstörung im Bereich Grob- und Feinmotorik fest.
Was heute reine Routine ist, war 1984/1985 noch ganz am Anfang der Forschung. Die Kausalität für die Erkrankung von Tobias konnte nicht mehr ermittelt werden, Sauerstoffmangel während der Geburt wird als sehr wahrscheinlich angenommen. Nach dieser Diagnose begann das Martyrium für Tobias. Ich möchte jetzt nicht die Symptomatik der Einschränkungen beschreiben, aber im Nachhinein behaupte ich, dass es die Hölle für alle Beteiligten, das gesamte Umfeld mit eingeschlossen, ist.

Wir zogen das ganze Programm durch. Therapien, Heilpädagogischer Kindergarten, Förderschule, Psychologen usw. Speziell für Tobias war das eine Tortur. Bedauerlicherweise war mir Angelika dabei keine große Hilfe, mit diesem ganzen Behördenkram etc. war sie überfordert und zudem nicht „dynamisch“ genug. Bis zu meiner Trennung im Jahr 1992 änderte sich daran nichts, nur leider sahen das die Familienrichter -einschl. 2x Oberlandesgericht- anders und erteilten ihr das Sorgerecht, was aus meiner Sicht leider fatale Folgen hatte.
Durch den Kinderarzt (er war selbst Mitglied) kam ich zu der (neuen) Selbsthilfegruppe „Verein zur Förderung der Kinder mit minimaler cerebraler Dysfunktion“ und wurde dort auch Mitglied im Vorstand. Es war unglaublich wie viele Kinder betroffen waren und welche Dramen sich in Familien abspielten.

Während einer großen Veranstaltung in der Münchner Olympia Halle hielt ein bekannter Psychiater einen Vortrag für unseren Verein und führte als Einleitung aus:
„Das Wort minimal sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass die Probleme maximal sind. Einem Schwerbehinderten wie z. B: einem Rollstuhlfahrer sieht man seine Beeinträchtigung an und er wird genug Empathie erfahren. Kindern mit MCD (minimale cerebrale Dysfunktion) sieht man es nicht an und sie werden bestraft und gedemütigt.“
Dem ist nichts hinzu zu fügen.


Anscheinend hatte ich bei Hacker Pschorr einen Führsprecher oder der Mangel an Bierfahrern mit LKW Führerschein war sehr groß, jedenfalls ging es mit der Wohnung aus dem Immobilienbestand der Firma sehr schnell. Irgendwann in der zweiten Jahreshälfte 1981, bezogen wir eine 3 Zimmer Wohnung an der Elsenheimer Str. in München-Laim. Das Gebäude war ein klassischer Altbau, dementsprechend waren die Zimmer mit ca. 3-3,5m hohen Wänden ausgestattet, leider ohne Heizung.

Gegenüber der Eingangstüre befand sich das ca. 9m2 große Kinderzimmer, rechts davon Bad, Küche, dann mündete der etwa 7m lange Gang in das Wohnzimmer welches mit einer Durchgangstüre mit dem Schlafzimmer verbunden war. Beim Einzug befand sich lediglich in der Küche, neben dem Gasherd, ein kleiner Holzofen, welcher jedoch zum Beheizen der Wohnung nicht geeignet war. Mit diesem Gerät war es gerade mal möglich, den Flur zu temperieren.

Für das Wohnzimmer kaufte ich einen Gasofen und für das Kinderzimmer besorgte ich einen Nachtspeicherofen. Die Verlegung und Installation (Starkstromleitung!) ist mir nicht mehr erinnerlich.

Die vollständige Elektroinstallation übernahm ein Mitarbeiter von Willi Sch., einem selbstständigen Elektromeister, den ich aus dem Strasser Stüberl im Maxhof gut kannte. 500 DM wechselten ohne Rechnung den Besitzer und alles war fachmännisch und mit Sicherheitsüberprüfung bestätigt.

Änderung am 22.06.2019 dank Günter R
Der Schapfl Willi war nicht Elektromeister, sondern Heizungsbauer. Ob er Meister war, ist fraglich.
Er hatte ja damals gerne die Geschichte erzählt, dass er sich, nachdem er seinen Betrieb bereits einige Jahre erfolgreich führte, bei der Meisterschule für Heizungsbauer (oder Gas - Wasser - Scheiße) angemeldet hatte und die Schulung auch angetreten hatte.
Am ersten Tag wurde Vollzähligkeit überprüft und er meldete sich nach Aufruf seines Namens mit "hier". Der Schulmensch fragte ihn, was er den hier wolle und er antwortete: "Die Meisterprüfung machen!" Darauf der Schulmensch:
Dann wärs ja ganz gschickt, wenn sie vorher die Gesellenprüfung ablegen würden. Damit war seine Meisterschule erstmal erledigt. Ob er das mit dem Gesellen je nachgeholt hatte und dann tatsächlich noch Meister wurde?
Er hat ja glaub ich keine Lehrlinge ausgebildet und wenns für die Ausführung bestimmter Arbeiten eine Qualifikaton brauchte, hatte er bestimmt die richtigen Leute.
Wenn also je einer von der Schapfl-Truppe irgendwas elektrisches in der Elsenheimerstr. zusammengetüdelt hatte, wundert es mich, dass die Bude heute noch steht.

Dass das keine Garantie für Unversehrtheit war, zeigt sich später noch, auch wenn der Schapfl oder einer seiner Helfer daran völlig unschuldig waren.

Zwei Vorkommnisse, die so typisch für mich sind, dass es halt einfach nur auf gut bayrisch heißen kann: „Na da Bäääda hoid“ möchte ich erwähnen. Meistens etwas unvorsichtig oder unverantwortlich, oft waghalsig aber selbst bei den schlimmsten Erlebnissen, war am Ende doch noch eine Portion Glück dabei.

Es dürfte die Sylvesterparty 1983 gewesen sein, zu der ziemlich viel Freunde und Bekannte eingeladen waren. Anders lässt sich der Getränkevorrat nicht erklären, den ich für den Abend vorgesehen hatte. Als Bierfahrer bekam ich jede Menge „Haustrunk“ frei und selbst die Spezialbiere waren sehr kostengünstig bei der Brauerei zu erhalten. Um eine Vielfalt präsentieren zu können, besorgte ich alle erdenklichen Biere, dann natürlich Sekt und Wein (Bowle) und auch noch Säfte.
Logistisch gab es zwei Gegebenheiten zu beachten. 1. Das, wie schon öfters erwähnt, schmale Budget und 2. die Lagermöglichkeit. Denn bisher war die Wohnungseinrichtung (s. 1.) noch nicht abgeschlossen und zig Flaschen einfach auf dem Boden zu lassen, wollte ich wegen Tobias nicht.


Problem 1 war simpel. Da die Party lange genug im Voraus bekannt war, besorgte ich das Equipment halt peu â peu. Problem 2 war eigentlich nicht schwierig zu lösen, hätte es da nicht interne Schwierigkeiten gegeben. Ich wollte einfach den Kleiderschrank von Tobias zum Getränkeschrank umfunktionieren und dachte die paar Wochen könnten wir die Kleidung ja bei uns im Schlafzimmer lagern. Die wenigen Unannehmlichkeiten könnte eine nicht berufstätige Hausfrau doch hinnehmen. Ein paar Diskussionen später hatte ich mich durchgesetzt und begann den Schrank aufzufüllen.
Aus ganz anderen Gründen war es dennoch keine kluge Entscheidung. Im Kinderzimmer befand sich auf der rechten Seite der Schrank, daneben eine schöne sehr alte Kommode, dann ein Laufgitter für Tobias. Gegenüber vom Schrank auf der linken Seite, befand sich das Bett von Tobias.

Dann brach eines abends das Inferno aus. Tobias schläft friedlich in seinem Bettchen, im Wohnzimmer lief im Fernsehen wahrscheinlich gerade eine Soap Opera und alles war cool und easy. Ein Rumpeln riss uns aus der Harmonie, gefolgt von dem Krach zerberstender und explodierender Gegenstände. Es kam zweifelsohne aus dem Kinderzimmer.
Der Schrank Marke Billigheimer war dem Gewicht der Flaschen nicht mehr gewachsen und brach in sich zusammen. Der Druck war so groß, dass die Türen aufgingen und die Flaschen auch noch rausfielen. Die ganze Soße schoss wie ein Sturzbach durchs Zimmer. Wie viele Flaschen zerbrachen weiß ich nicht mehr, aber es war heftig! Das Ende vom Lied war, dass mächtig aufräumen angesagt war, dass ein Schrank und ein Teppichboden und viele Getränke ersetzt werden mussten und dass Tobias eine Woche wegen des Geruchs -trotz entsorgtem Teppich- nicht mehr in dem Zimmer schlafen konnte.
Großes Glück war, dass Tobias nichts passierte und von den explodierenden Flaschen nicht verletzt wurde.

Auch die zweite Story hätte übel enden können. Irgendwann kam ich auf die Idee, dass der Flur eine ziemliche Menge an Stauraum bieten könnte. Dazu müsste ich lediglich an beiden Wandseiten ca. 1m von der Decke entfernt, eine massive Leiste anbringen, Nut- und Feder Holzbretter drauf und diese mit einer 22mm starken Preßspannplatte verstärken. Hinten und vorne noch eine Klappe dran und fertig ist das Raumwunder. Funktionierte perfekt und der Platz wurde bis zum Auszug richtig verwendet.
Nur beim Aufbau geschah ein kleines Missgeschick. Das Holz ließ ich mir von meinem Schulfreund dem Kaiser Hansi anfertigen, er hatte eine eigene Schreinerei. Dann legte ich los. Die Leisten, das war mir klar, mussten „atombombenfest“ in den Wänden verankert werden. Dementsprechend lange Schrauben und dicke Dübel waren angesagt. Die Löcher in den Wänden mussten logischer Weise in ca. 2m Höhe angebracht werden und ich hatte Glück, die Wände waren stabil und gut zu bohren.

Ich begann vom Wohnzimmer aus Richtung Eingangstür die Löcher zu bohren. Und selbst ich mit meinen 197cm musste dazu auf einen Staffelei klettern um genügend Druck hinter die Bohrmaschine zu bringen. Und dann wurde es im wahrsten Sinne des Wortes dunkel! Was war geschehen? Zuerst sah ich noch einen grellen, bläulichen Blitz und dann nichts mehr. Wie lange ich auf dem Boden lag weiß ich nicht, als ich die Augen wieder öffnete war es dunkel. Nicht nur im Flur, nicht nur in der Wohnung, nööö der ganze linke Teil des gesamten Hauses war stromtechnisch bei Null angekommen.
Ich hatte schlicht die Starkstromleitung, die zum Nachtspeicherofen führte, volle Breitseite angebohrt. Das war so heftig, dass sich sogar eine sogenannte Panzersicherung mit über 80 Watt im Keller des Hauses verabschiedete und alles lahmlegte. Mir knallte der Zusammenstoß dermaßen eine vor den Latz, dass ich die Staffelei in der Horizontalen verließ und mich erst mal auf dem Boden schlafen legte.

Dann ging es an die Schadensbekämpfung. Ein Anruf bei Willi Sch. führte nicht zu dem was ich hören wollte, sondern ließ mir Schauer über den Rücken laufen. Steigleiter, Strangsanierung, bla bla bla. Jedenfalls ganz sicher enorm kostspielig und aufwändig und das ohne zu wissen, ob meine Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommen würde? Okay eine -von mir ohnehin bevorzugt- pragmatische Lösung musste her. Glücklicherweise befand sich damals im Haus eine Gaststätte mit einem etwas schrägen, nicht ganz koscherem Wirt.

Dieser konnte im Zweifel für alles verantwortlich gemacht werden, denn der hatte immer Schuld. Der Rest ist schnell erzählt. Taschenlampe an, Wand aufschlagen, die durchtrennte Leitung mit Lüsterklemmen flicken, das Ganze mit Gips verschließen, Tapete drüber und streichen. Fertig! Kräftig Radau schlagen und auf den Wirt schimpfen.

Funktionierte prächtig, ein winziger Hacken war dennoch dran. Die nächsten 3 Tage summte es in der Wohnung wie in einem Bienenhaus mit voller Äktschn. Ich hatte nicht bedacht, dass Gips ziemlich nass ist und die Lüsterklemme eben mit diesem Wasser in Berührung kam. Strom und Wasser, das lernt man schon als Kind, vertragen sich nicht so besonders. Aber nach 3 Tagen war alles trocken, keiner konnte den Verursacher ermitteln und ich hoffe es entstand bei den Nachbarn nicht zu großer Schaden wegen aufgetauter Gefriertruhen oder so. Denn die Stadtwerke ließen sich ziemlich Zeit um die Panzersicherung zu erneuern.
Dennoch hatte ich riesiges Glück. Das Bohren auf Starkstromleitungen endet meistens tödlich.


Nachdem ich ca. 1 Jahr als Springer auf den großen Touren eingesetzt war und da auch teils unverantwortliche Dinge erlebte, ergab es sich, dass eine sog. "Stresstour" immer mehr Probleme bereitete. Zuerst ging der langjährige Fahrer in den Ruhestand und dessen Nachfolger wurde Rudi B., der für sein leicht aufbrausendes Temperament in der Brauerei bekannt war. Rudi kam -wie zu erwarten war- mit "Tennis" Felix nicht recht klar. Tennis deshalb weil er sehr gerne Tennis spielte, dafür aber auch häufig an einem "Tennisellenbogen" erkrankte. Felix wollte jetzt Boss auf dem Truck sein, ihm fehlte aber der 2er Führerschein und somit war er eher nicht ernst zu nehmen.

Irgendwann reichte es dem Fuhrparkleiter und er kam auf mich zu, ob ich mir zutrauen würde, mit Rudi ein "Team" zu bilden. Nun ich war nicht immer so zart besaitet wie heute und die Tour war genau das, was ich wollte. Große Mengen, aber "keine" Staplerposten, das war wichtig für die Abrechnung, und mit dem Radius Münchner Osten, dann Ismaning bis Erding und Markt Schwaben relativ klein.
Rudi sah ich dabei nicht als Problem, obwohl mir bekannt war, dass er Präsident eines kleinen aber gewalttätigen Dachauer Rockerclub war und eine Vorstrafe mit mehrjähriger Haft in der "Schwerverbrecher" Haftanstalt Straubing wegen versuchten Totschlags an zwei Polizeibeamten vorweisen konnte.
Nach ein paar klaren Ansagen und einigen Stresssituationen bildeten wir das, was eine kleine völlig überbewertete Partei erst viel später einführte, eine Doppelspitze. Diese funktionierte zum Leidwesen der Fuhrparkverantwortlichen und Disponenten nahezu perfekt und damit hatte niemand gerechnet. Rudi und ich wurden so etwas ähnliches wie temporäre Freunde und ich hatte mit ihm und seinem Club noch viele spannende Erlebnisse. Jedenfalls hatte ich somit schon nach sehr kurzer Zeit bei Hacker-Pschorr "meine" feste Tour.


Festhalten möchte ich auf jeden Fall: LKW-Fahrer ist für sich schon ein sehr anstrengender Job. Wenn dieser auch noch mit körperlicher Anstrengung gepaart ist -durchschnittlich hob ich pro Tag 15t vom LKW runter und 7,5t wieder rauf-, dann weißt du am Abend ganz sicher, was du tagsüber getan hast. Anderseits was ich in diesen 3 Jahren erlebte, das möchte ich nicht missen. Ob Kollegen, Kunden, andere Lieferanten, Verkehrsteilnehmer u.a.m. nahezu täglich ergab sich etwas bemerkenswertes. Ich würde mein Lied nicht wie Cat Stevens "all kinds of roses" sondern "all kinds of people" nennen und das Gleiche meinen.
Eines zeigte sich für mich ganz klar. Die Menschen sind nur am schnöden Mammon interessiert. Ob Großwirt oder kleiner Kioskbesitzer oder Baustellenkantinenbetreiber, money, money, money. Es gab -im Nachhinein- lustige Geschichten. als z. B. ein "verrückter" Bernhardiner meinte, er müsste mir von hinten seine mächtigen Pranken auf die Schulter legen und mir ziemlich laut ins Ohr knurren. Es gab brutale Erlebnisse als z. B. im "Rauchstüberl" nahe der Prinzregentenstraße der berühmte "Hammer Schorsch" übelst zusammengeschlagen wurde. Genau der Boxer, der bei mir früher (siehe It's partytime Teil 2) eine Rolle spielte. Und es gab skurille Geschichten, so z.B: wie Pferde auf der Trabrennbahn reagierten, wenn wir unsere pneumatisch unterstützte Gangschaltung des LKW benutzten. Für Rudi und mich waren es dann nicht mehr Pferde, sondern "Pfluftl".

Um es nicht ausufern zu lassen, werde ich drei, zugegeben nicht allzu typische, aber für uns auch nicht soooo außergewöhnliche Geschichten niederschreiben. Eine davon "Rudi - Retter in Not" bekommt einen eigenen, den nächsten Beitrag, denn die war schon ganz speziell. Die anderen zwei stelle ich hier vor.
Auf unserer Tour hatten wir auch öfters Baustellen zu beliefern und in aller Regel, waren das gute Posten, denn wie man in Bayern sagt: "Do geht scho was". Nur eine hatten wir einmal zu beliefern, das war schier unerträglich. Der Polier selbst nahm die Lieferung entgegen und schikanierte uns, wo es nur ging. So ließ er uns manchmal nur an einer Stelle halten, von der wir dann die Kisten über 200m Kies tragen durften usw.
Eines Tages war Rudi schlecht gelaunt (das wechselte sich zwischen ihm und mir immer ab) und er meinte: "Bäääda, wenn ma der Spinner heid blöd kummt, werd ich es ihm beibringa, das ma zu Bierfahra nett zu sein hat" Ich muss vorausschicken, dass Rudi ca. 190cm groß und etwa 110kg schwer, davon sehr viele Muskeln , war. Auf meine Frage, was er denn vorhat, antwortete er nicht. Und ich lernte schon sehr früh, dass es manchmal besser ist nicht alles zu wissen. Natürlich war der Polier auch schlecht drauf und die Geschichte nahm seinen Lauf. Rudi stellte die Getränke runter und ich tuckerte "7 hoch" den holprigen Kiesweg zum Lagerraum der Kantine. Als ich zum letzten Mal mit dem Leergut zurückkam, war der LKW samt Rudi nicht mehr da, aber auch der Polier war nicht mehr zu sehen.

Mein Blick schweifte über das Gelände und tatsächlich sah ich den Lkw in einer ziemlichen Staubwolke übers Gelände hopsen. Rudi kam an, öffnete die Seitenflächen (wir hatten keine Plane sondern stabile Wände), hob ein völlig schockiertes, verängstigtes, "gstandnes" Mannsbild vom Lastwagen und sagte: "Jetzt überlegst, ob du künftig etwas freundlicher bist, nächstesmal könnte ich wirklich grantig werden". Das war das letzte Mal, dass ich den Polier sah. Fortan durften wir die Getränke einfach an der immer gleichen Stelle abladen und dort stand auch das Leergut parat und die Unterschrift auf dem Lieferschein leisteten irgendwelche Arbeiter.
Ich kann euch sagen, ich habe es selbst ausprobiert. Ich ließ mich von Rudi auf der Ladefläche einsperren und mich in dem stockdunklen Behälter über eine geteerte gerade Straße fahren. Ich brach den Versuch nach 50m ab, weil ich mir sonst vor Angst in die Hose gemacht hätte und damals konnte mich nichts so leicht erschüttern. Aber die vollen wie leeren Bierkisten und Fässer schepperten und wackelten, dass ich jeden Moment das Gefühl hatte, die brechen über mir zusammen.

Die zweite Geschichte zeigt eigentlich nur, dass man Menschen nicht aufgrund ihres Erscheinungsbildes unterschätzen sollte. Wenn Rudi im Urlaub oder krank war, fuhr ich und bekam Springer als Beifahrer zugeteilt. Der Fahrer blieb beim Wagen und holte die Lieferung von der Ladefläche (Rudi und ich machten alles gemeinsam und wechselten mittags die Fahrerposition) und der Beifahrer verräumte die Ware beim Kunden. Das war mir zu anstrengend, weil das Erklären und Zeigen war mir zu langwierig.
Einmal hatte ich Hans aus Österreich als Beifahrer. Ein ca. 175-180cm großer eher leichtgewichtiger Mann aus der Steiermark. Bereits bei den ersten Kunden überraschte er mich aufgrund seiner Geschwindigkeit und Sorgfältigkeit. Doch dann geschah -aus meiner Sicht- die Katastrophe. Wir kamen zum Wienerwald nahe Riem und das war ein "Sch…" Posten. Alles musste durch einen sehr engen und tiefen Kellerschacht und wurde dann unten auch noch durch den Keller gekarrt. War alles noch zu händeln, doch meist gehörten zur Bestellung auch mehrere Alufässer mit 100l Inhalt. Diese wurden in das Loch von oben ca 1m tief in den Schacht geworfen und dann von dort nochmal 1,5m auf den Boden und in den Kühlraum gerollt.
Dann kam ein Fass und ich erkannte im Keller anhand der Kennzeichnung, dass es sich um die falsche Sorte (Export statt Helles) handelte. Mit vereinten (Personal vom Wienerwald) Kräften hievten wir das Fass aus dem Loch und ich sagte Hans, wenn ich raufkomme, müssen wir versuchen das Fass wieder auf die Ladefläche zu bekommen. Nachdem ich unten fertig war und nach oben kam, war kein Fass zu sehen. Auf meine Frage, meinte Hans, er hätte es zurückgestellt, das sei doch kein Problem.
Man muss wissen bei diesem 100kg schweren Fass hat man links und rechts lediglich ca 2cm Rand und muss somit mit den Fingerspitzen das Fass anheben. Als ich ihn nervte wer ihm dabei geholfen hätte, geht der Typ doch glatt an den Wagen und wirft das 100l Fass erneut runter. Stellt sich breitbeinig darüber, nimmt es mit den Fingerspitzen, rollt es ein paarmal hin und her und hebt es dann in einem Satz auf die bestimmt 1m hohe Ladefläche. Yooo ab diesem Zeitpunkt war ich höflicher zu Hans und bei der Rückkehr bat ich den Fuhrparkleiter mir für die restliche Zeit bis zur Rückkehr von Rudi keinen anderen Springer mehr zu zuweisen.

Leider ging die Geschichte von Hans, der ein einfacher, aber herzensguter Mensch war, nicht gut aus. Er wurde wohl für mehrere Jahre eingesperrt, nachdem er in München eine verruchte Kneipe alleine vollständig zerlegt hatte und dabei 6 Personen doch ganz schön was abbekommen hatten. Er war der irrigen Meinung, dass er seine "Freundin" aus den Klauen ihres Zuhälters befreien könnte, der sie nach seiner Meinung unflätig behandelte.
So die nächste Geschichte wird der Abschluss von Kapitel 5 und dabei handelt es sich um eine auf die ich nicht sonderlich stolz bin, aber sicherlich auch ein Teil von dem ist, was mich ausmacht.


Wie schon erwähnt entwickelte sich zwischen Rudi und mir so etwas wie eine Freundschaft, insbesondere nachdem er "mein" Abrechnungssystem verstanden und akzeptiert hatte. Hacker-Pschorr hatte für Tourenfahrer ein sehr komplexes System mit Akkord, Kundenanzahl, Voll- und Leergut u.a.m. entwickelt. Es lief darauf hinaus, dass du ziemlich malochen musstest um an Kohle zu gelangen. Dann machte ich mir die Mühe das System näher zu betrachten.
Am Ende kam raus, dass wir kaum Überstunden, tagsüber Zeit für "Privatangelegenheiten" und maximal 200 DM weniger auf dem Gehaltszettel hatten, aber nicht mehr von 0530h-2100h rackerten. Zwar sorgte das in der Firma für schlechte Stimmung und es war anfangs ziemliche Disziplin von Nöten es durch zu ziehen. Aber dann flunzte es und Rudi war restlos überzeugt. Zu dem System gehörte natürlich auch, dass der Freitag zwar aus vollem Wagen (Zugmaschine und Hänger) also rund 900 Träger Bier und einigen Fässer bestand, aber dafür eigentlich nur die Belieferung der Trabrennbahn Daglfing anstand. Somit hatten wir einen relaxten Tag und waren spätesten 1400h fertig.

Dann geschah es! Donnerstag Nachmittag, ich gehe ins Büro um die Beladung des LKW vorzubereiten und finde einen NEUEN Lieferschein vor. Für FREITAG! Saunaclub Hawaii Schatzbogen, also ein weiteres Bordell, die sprießten dort draußen wie Pilze aus dem Boden. Lieferung zwischen 1000h - und 1100h. Hahaha von was träumte der denn? Kurz mit Rudi abgesprochen und es war klar, dass die Lieferung gegen 0800h erfolgt.

Yoooo, die Lieferung war überschaubar, ich fuhr mit meiner Sackkarre und 8 Träger Getränke nach oben und hatte noch Rudi im Ohr: "Dass du mir fei ned mit am Mädl was anfängst, mia ham Arbeit!". Oben alles easy und schon damals (1982) alles mit Kameras überwacht. Ich klingle ganz normal. Keine Regung! Ich klingle stürmischer. Keine Regung! Ich klopfe etwas lauter an die Tür. Keine Regung. Ich klopfe ziemlich massiv an Tür. Und tatsächlich, sie öffnet sich und vor mir baut sich ein ca 195 cm großer, dem Gesicht nach braun gebrannter, muskulöser mit schulterlangem, welligem Haar Mann und dicker Goldkette um den Hals, im bodenlangen, schneeweißen Morgenmantel auf und sagt: "Was möchtest denn du da?"Es entwickelte sich in etwa folgender Dialog:
Ich: Nach was sieht es denn aus, Irgendeiner wird des Zeugs schon bestellt haben.
Er: So ganz helle bist du aber ned, oder kannst etwa gar nicht lesen? Ich habe zwischen 10e und 11e ogeben.
Ich: Und du glaubst, weil irgendein ein Haumdaucha meint, das ist ein Wunschkonzert, dann stell ich mei Tour um, ha? Gehst jetzt ausm Licht oder ned?
Er: Sog a moi, spinnst du? Ganz dicht bist du aber ned?
Ich: Ich stelle sie dir auch vor die Türe.
Er wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, da hörte man den Aufzug, gefolgt von einer tiefen, aber auch leicht gereizten Baßstimme: "Bääääda wo bistn? I hob da gsogt, du sollst de Schnepfn steh lossn, i hob heid Versammlung!"
Rudi kam um die Ecke, den ca 80cm langen Hacken um die Bierträger vorzuziehen in der Hand und sah mich mit dem Sackkarren vor der Türe stehen und erkannte sofort, dass es wohl kleinere Schwierigkeiten gab. Er nahm den Hacken fester und sagte ziemlich schleppend: "Macht oaner Stress, oder was? Steht neben mir an der Tür und blickt dem Typen ins Gesicht.

Zwei Männer mit einem unglaublich dämlichen Gesichtsausdruck blickten sich an und nach einer gefühlten Ewigkeit sagte der Typ: " Ruuuudi??" und Rudi antwortete: Jooooshi??" Es stellte sich heraus, dass die beiden mehrere Jahre in Straubing in der selben Haftzelle verbracht hatten.
Yoooo von nun an ging es easy und das Bier war Nebensache. Wir vereinbarten mit Joshi, dass wir manchmal auch an andere Dinge wie Getränke auf unserer Tour kamen und er sagte, dass ALLE Getränke und Shows und natürlich auch der Eintritt (120 DM) für uns frei sind, nur die Mädels sind selbstständig, da kann er nichts machen.
Und nachdem mir Joshi noch einen riesen Einlauf verpasste und ich mich bei Rudi bedanken könne, dass ich keinen längeren Aufenthalt in einem Krankenhaus verbringen durfte, schlug uns Joshi einen weiteren Deal vor. Er wusste inzwischen, dass Rudi Präsident eines Rockerclubs war und Joshi war zu der Zeit einer der führenden Münchener Zuhälter. Er hatte mehrere Clubs, nahezu alle Mädels der Tagesschicht an der Ingolstädter Landstraße standen unter seiner Aufsicht und er war an einigen Animierschuppen im Müncher Bahnhofsbereich beteiligt oder Eigentümer. Von seinen anderen Geschäften ganz zu schweigen.

Und eben für das Bahnhofsgeschäft wollte er uns engagieren. Dort gab es häufiger Ärger und das war schlecht fürs Geschäft. Also zogen fortan meist Freitags, manchmal auch Samstag 5 Typen (Rudi, Hanse, Robbi, Flaggi und ich) durch die Bars und stellten uns (oft teilten wir uns auf) an der Bar an die Ecke. Alle größer als 1,90m und alle (ja auch ich!) sehr muskulös mit einer Lederkutte bekleidet und jeder Besucher verstand, dass Ärger in diesem Laden nicht erwünscht ist. Es gab sehr selten Idioten, die das nicht kapierten und dann mussten wir es denen halt klarer darlegen.
So jetzt ist Schluss mit den Joshi und Dachauer Motorrad Club Geschichten, es gäbe genug für einen weiter Kurzroman, doch das würde mglw. ein schlechtes Licht auf mich werfen. Mit Joshi nahm es übrigens nach meiner Kenntnis auch kein gutes Ende. Er soll wohl mit sehr hoher Geschwindigkeit in den Aufleger eines Sattelschleppers gerast sein, nachdem das Bremssystem seines italienischen Supersportwagens vollständig ausfiel.

Jetzt beginnt das 6. Kapitel, das handelt von den Jahren 1984-1996 und wie ihr seht, werden die Zeitspannen größer und die Erlebnisse weniger.